Aus aller welt

Messerstecher psychisch krank? Mehr als 100 Menschen an Pest gestorben Geiselnahme in Bowlingcenter Schönheit von Zahlen Hund »Tim« spürt vermissten Rentner auf Wundersame Rettung Sturm wütet über Großbritannien

München (dpa). Die ersten Notrufe gehen am Samstagmorgen ein: Ein Mann mit einem Messer hat in München urplötzlich an verschiedenen Orten acht Menschen angegriffen und verletzt. Die Polizei ruft die Anwohner über den Kurznachrichtendienst Twitter auf, in ihren Häusern zu bleiben und die Umgebung zu meiden. Nach gut drei Stunden kann München aufatmen: Zivile Fahnder nehmen den mutmaßlichen Täter fest.
22. Oktober 2017, 22:21 Uhr
DPA
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Sturm »Brian« treibt hohe Wellen an die Küste bei Porthleven in Cornwall. (Foto: dpa)

München (dpa). Die ersten Notrufe gehen am Samstagmorgen ein: Ein Mann mit einem Messer hat in München urplötzlich an verschiedenen Orten acht Menschen angegriffen und verletzt. Die Polizei ruft die Anwohner über den Kurznachrichtendienst Twitter auf, in ihren Häusern zu bleiben und die Umgebung zu meiden. Nach gut drei Stunden kann München aufatmen: Zivile Fahnder nehmen den mutmaßlichen Täter fest.

Wieder via Twitter geben die Beamten Entwarnung: »Es besteht keine Gefahr mehr.« Der dringend Tatverdächtige ist ein 33 Jahre alter Deutscher, der in München gemeldet ist. Er schweigt zunächst, dann macht er wirre Angaben. Der Mann leidet wohl unter Verfolgungswahn, wie der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer, am Sonntag berichtet. Der Mann habe sich seiner Aussage zufolge von einer Familie verfolgt und bedroht gefühlt – ohne aber irgendwelche Details nennen zu können. Er werde voraussichtlich in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Nach Angaben der Beamten gibt es keine Hinweise auf ein terroristisches oder religiöses Tatmotiv.

Der Vorfall ruft Erinnerungen an den Amoklauf vom Juli 2016 wach, bei dem ein 18-Jähriger in München neun Menschen und dann sich selbst erschoss. Damals war München in eine regelrechte Schockstarre gefallen, die Straßen waren fast menschenleer. Dieses Mal bleiben sicher auch viele Menschen vorsichtshalber zu Hause, aber auf den Straßen ist es das gewohnte Bild: Der Verkehr verläuft weitgehend reibungslos, die Geschäfte bleiben geöffnet. Manche Schaulustige machen sogar Fotos vom Polizeieinsatz am Rosenheimer Platz.

»Was für uns auch von ganz großer Bedeutung war, das war die besonnene und überlegte Reaktion der Münchnerinnen und Münchner«, sagt Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä nach dem Erfolg seiner Beamten. »Es war keine Panikreaktion. Es gab zwar ein erhöhtes Notrufaufkommen, aber auch das hielt sich in Grenzen.«

Die Besonnenheit dürfte aber auch daran gelegen haben, dass es keinen Toten gegeben hat, nicht einmal Schwerverletzte. Alle Opfer – sechs Männer, ein zwölfjähriger Junge und eine Frau – kommen mit leichten Verletzungen davon. Die Männer werden wegen Schnittverletzungen ambulant behandelt, die Frau nach einem Faustschlag, auch das Kind hat der Täter geschlagen.

Die Fahndung der Polizei ist dadurch erleichtert, dass es dank Augenzeugen eine gute Täterbeschreibung gibt. Sie sucht einen Mann um die 40 mit schwarzer Hose, grüner Trainingsjacke, einem Rucksack mit Isomatte und wahrscheinlich einem schwarzen Fahrrad. In der Nähe der Ottobrunner Straße klicken die Handschellen bei einem 33-Jährigen – der Verdächtige ist jünger als erwartet.

Der Mann sei in der Vergangenheit schon mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten – wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl und Drogendelikten, berichten die Beamten. Alle Angegriffenen seien Zufallsopfer gewesen. Einige greift der Täter unvermittelt an, andere spricht er zunächst an, bevor er sie attackiert.

Bei den männlichen Opfern handelt es sich nach Angaben der Polizei um fünf Deutsche, einen Rumänen und einen Italiener, die attackierte Frau sei eine Deutsche. In der Vernehmung gibt der Tatverdächtige an, die Geräusche eines Polizeihubschraubers hätten ihn von weiteren Angriffen abgehalten.

Die Warnung der Polizei hat sich am Morgen unter dem Twitter-Hashtag #Rosenheimerplatz schnell verbreitet. Nach der Festnahme gibt es dort auch Lob für die Beamten: »Danke Leute; gewohnt gute Arbeit in #München«, heißt es in einem Beitrag.

Antananarivo (dpa). Die Zahl der Toten durch den jüngsten Ausbruch der Pest auf Madagaskar ist auf 107 gestiegen. Mehr als 1100 Menschen hätten sich mit der Krankheit infiziert, knapp 700 davon hätten bislang geheilt werden können, teilte das Gesundheitsministerium am Samstag mit.

Der Großteil der Erkrankten leide an der hochgefährlichen Lungenpest. Unbehandelt führt diese oft innerhalb von 24 Stunden zum Tod. Da sie wie eine Grippe durch Tröpfchen übertragen wird, kann sie sich sehr schnell ausbreiten. Kleinere Ausbrüche der weniger gefährlichen Beulenpest sind auf Madagaskar nicht unüblich, durch die vielen Lungenpest-Erkrankten ist die aktuelle Epidemie jedoch deutlich schwerwiegender.

Nuneaton (dpa). Mit einer Waffe hat ein Mann am Sonntag stundenlang zwei Angestellte einer Bowlinghalle in Großbritannien als Geiseln gehalten. Die Polizei stürmte am Abend das Gebäude in der mittelenglischen Stadt Nuneaton und nahm den Täter fest. Er wurde nach Angaben von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht. Weitere Verletzte soll es nicht gegeben haben.

Das Motiv des Täters war zunächst unklar. Der Geschäftsführer der Bowlinghalle, das in dem Freizeitkomplex Bermuda Park integriert ist, ging von einer Beziehungstat aus. Ein Augenzeuge berichtete, der Mann habe beim Betreten der Bowlinghalle seine Waffe über den Kopf geschwenkt und geschrien: »Game over, Game over« (»Das Spiel ist vorbei«).

Berlin (dpa). Für Maxim Nitsche ist Mathematik einfach schön. Eine wunderbare Welt, in der alles logisch ist und Sinn ergibt. »Das hat eine bestimmte Eleganz in einer immer komplexeren Welt«, sagt er. Maxim Nitsche ist 22 Jahre alt. Die Faszination für Zahlen, Formeln und Lösungswege haben ihn und seinen Bruder Raphael (21) gerade zu Multimillionären gemacht. Die Berliner Brüder verkauften ihre Mathe-App für Schüler an den börsennotierten US-Lernanbieter Chegg – für 12,5 Millionen Euro. Und was kommt jetzt?

Hilfe für frustrierte Schüler

Maxim Nitsche präsentiert sich, als ob ihn das immens vergrößerte Volumen seines Kontos weniger fasziniert als die jüngste Download-Bilanz ihrer App »Math 42«. Seit der Verkauf Mitte Oktober unter Dach und Fach ist, macht der Deal der jungen Matheliebhaber Schlagzeilen und damit kostenlose Werbung. »Drei Millionen Downloads, vor allem in Deutschland, den USA, Russland und China«, sagt Nitsche. »Das ist ein überwältigendes Gefühl.« Es geht ihm nicht nur um klingelnde Kassen. Bisher habe die Nutzung der App für Schüler rund zwei Euro im Monat gekostet. Bald soll sie gratis sein, sagen die Erfinder. Das sei ganz in ihrem Sinn.

Für Maxim Nitsche geht es darum, frustrierte Schülern an der Schönheit von Mathematik teilhaben zu lassen. »Mathe wird falsch beigebracht«, urteilt er. »Es geht doch nicht um blöde Formeln zum Auswendiglernen.« Mathematik sei eine Denkweise, um strukturiert an ein Problem heranzugehen. Schritt für Schritt, in einem Kontext und immer unter der Frage: Warum mache ich das? Genau dabei helfe die App. Und sie schone die Geldbörsen der Eltern für Mathe-Nachhilfe.

Strukturiertes Denken lernten sie von Anfang an. In einer Familie aus Mathematikprofessoren begannen sie schon mit vier Jahren, Schach zu spielen. Ihr Vater tüftelte an Schachcomputern. »Zu Familienfesten wie Weihnachten gehören immer auch Denksportaufgaben«, ergänzt Nitsche. Die Brüder gaben früh Nachhilfe in Mathe. Als Teenager wuchsen sie in die Welt der mobilen Computer und Smartphones für alle hinein – und kamen auf die Idee mit der App. Ihr Vater verlangte von seinen Söhnen, die noch zur Schule gingen, erst einmal einen Businessplan. Das Einsammeln von Risikokapital über eine Sendung im Privatfernsehen scheiterte zunächst. Die App fand dennoch ihre Nutzer, Schritt für Schritt.

»Math 42« heißt nicht zufällig so. Die Zahl ist eine Anspielung auf Douglas Adams’ Science Fiction Klassiker »Per Anhalter durch die Galaxis«. 42 ist dort die Antwort auf alles. »Das wollen wir auch«, sagt Maxim Nitsche verschmitzt. Auch deshalb verkauften sie ihre App lange nicht. Sie haben sie auch mit ihrem Millionendeal nicht ganz aus der Hand gegeben. Die Brüder sind nun Teil des Chegg-Konzerns und arbeiten als Ideenentwickler in der Berliner Niederlassung.

Eppelborn (dpa). Gleich bei seinem ersten Einsatz hat Rettungshund »Tim« einem Rentner im Saarland vermutlich das Leben gerettet. Der 71 Jahre alte Insasse eines Pflegeheims in Eppelborn-Habach war seit Freitag vermisst worden. Rund 60 Kräfte, elf Hunde und ein Hubschrauber aus Rheinland-Pfalz waren im Einsatz, doch die umfangreiche Suche war zunächst erfolglos, berichtete die Polizei am Sonntag. Am Nachmittag spürte »Tim« den Mann dann auf. Der Senior lag laut Polizei kraftlos, aber ohne Verletzungen in einem Gestrüpp am Waldrand weit abseits von Wegen. Er sei nach einer mühsamen Rettung in ein Krankenhaus gebracht worden.

Gladstone (dpa). Der einzige Überlebende eines Bootsunglücks vor Australien hat sich Medienberichten zufolge 13 Stunden lang allein im Südpazifik über Wasser gehalten. Der 32-Jährige war nach Polizeiangaben an Bord eines Fischerboots, das Anfang der vergangenen Woche vor der Küste der nordaustralischen Stadt Gladstone in einem Sturm gekentert war. Sieben Männer waren an Bord der »Dianne«, als das Schiff umkippte.

Der 32 Jahre alte Überlebende klammerte sich australischen Medien zufolge fünf Stunden lang am auf dem Wasser treibenden Rumpf fest, bevor das Schiff sank. Danach schwamm er acht Stunden lang im offenen Meer, bevor ein Boot ihn bemerkte und aufnahm.

London/Frankfurt (dpa). Ein starker Sturm hat am Wochenende Überschwemmungen und Verkehrsbehinderungen in Teilen Irlands und Großbritanniens verursacht. Riesige Wellen überspülten am Samstag Küsten und Straßen. Die Behörden warnten die Menschen eindringlich vor Selfies am Meer. Bäume auf Gleisen behinderten Züge in Wales und Südengland. Auch Fähren mussten wegen des Sturms »Brian« den Betrieb einstellen.

Die Böen erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde. Sturm »Brian« ist Meteorologen zufolge aber nicht vergleichbar mit seinem Vorgänger »Ophelia«, durch den vor wenigen Tagen drei Menschen in Irland ums Leben gekommen waren.

»Brian« entstand durch eine sogenannte Wetterbombe, wie britische Medien am Sonntag berichteten. Dabei führt ein ungewöhnlich schneller Luftdruckabfall im Zentrum eines Tiefs zu starken Winden.

Der Herbst zeigt sich zu Beginn der Woche regnerisch. Das Tief »Elmar« bringt Wolken und Niederschläge mit sich, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. Nur im Norden und im Osten gibt es Lücken in der Wolkendecke, ansonsten fällt schauerartiger Regen, in höheren Lagen Schnee.

Auch am Dienstag bleibt es dich bewölkt und regnerisch. Nur am Ober- und Hochrhein soll es etwas klarer werden. Am Mittwoch lässt der Regen von West nach Ost allmählich nach, die Wolkendecke lockert auf. Längere freundliche Abschnitte soll es aber nur im Südwesten geben.

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