05. Juni 2017, 22:26 Uhr

Maut-Daten genutzt Party nach Terroralarm Mann tötet fünf Ex-Kollegen und sich selbst Strafprozess gegen Bill Cosby begonnen Polizei: Überfall auf Casino aufgeklärt Kind erstochen, Täter erschossen Benutzte Raumkapsel dockt an ISS an

Nach dem Terroralarm bei »Rock am Ring« durchsucht die Polizei Wohnungen in Hessen. Was steckt hinter dem Verdacht des vorbereiteten »Explosionsverbrechens«? Die Rockfans lassen sich die Stimmung nicht vermiesen.
05. Juni 2017, 22:26 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA
Dickes Lob vom Frontmann. Sänger Campino von den Toten Hosen beim Auftritt am Samstagabend. Die »Ringrocker« nahmen die Unterbrechung gelassen und waren am Morgen schon wieder in Feierlaune. (Fotos: dpa)

Endingen (dpa). Sieben Monate nach dem Mord an einer Joggerin in Endingen bei Freiburg hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst: einen Lastwagenfahrer aus der Region. Der 40-Jährige soll nicht nur Anfang November die 27-Jährige vergewaltigt und getötet, sondern knapp drei Jahre zuvor in Österreich auch eine junge französische Studentin missbraucht und umgebracht haben. DNA-Analysen und Lkw-Mautdaten hatten die Ermittler auf seine Spur gebracht. Der Rumäne, der im Raum Endingen lebt und arbeitet, sitzt in Untersuchungshaft und bestreitet die Taten. Die Polizei prüft Verbindungen zu weiteren Fällen. Aus rechtlichen Gründen ist es nicht möglich, beide Tatvorwürfe in einem Verfahren zu verhandeln. Daher stehen dem Verdächtigen in Deutschland und Österreich insgesamt zwei Prozesse bevor. Ein Abgleich von Körperspuren hatte den Zusammenhang zwischen beiden Taten ans Licht gebracht. Aufgrund der Tatumstände hatten sich die Ermittler zudem recht früh auf einen Fernfahrer als möglichen Täter konzentriert. Beide Tatorte liegen in Autobahnnähe, beide Taten geschahen an einem Sonntag, wenn Lastwagen nicht fahren dürfen, die Tatwaffen waren spezielle Eisenstangen, die in der Lkw-Branche zum Einsatz kommen. Den Ermittlern zufolge war ein Abgleich der DNA des 40-Jährigen mit den Tatort-Spuren positiv, außerdem wurde sein Handy zur fraglichen Zeit am Tatort in Endingen geortet. Die Auswertung österreichischer Mautdaten hatte zu der Firma geführt, für die der Mann arbeitet.

»Ob der Kriminalpolizei ein Serienmörder ins Netz gegangen ist, müssen die intensiven, jetzt auch europaweit zu führenden Ermittlungen zeigen«, betonte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU).

Unbeeindruckt vom Terroralarm haben Zehntausende Musikfans beim Festival »Rock am Ring« gefeiert, getanzt und gesungen. Während das dreitägige Festival mit rund 87 000 Besuchern in vollem Gange war, ermittelte die Polizei gegen drei Männer und durchsuchte deren Wohnungen in Hessen. Es gab Unstimmigkeiten zwischen den Personen und den Namen auf ihren Zugangsausweisen für sicherheitsrelevante Bereiche. Deswegen war das Festivalgelände am Freitag in einer bislang beispiellosen Evakuierung geräumt worden.

Nach der Fortführung von »Rock am Ring« am Samstag habe es bis zum Abschluss am Sonntagabend keine größeren Vorfälle mehr gegeben, sagte ein Sprecher der Befehlsstelle am Nürburgring gestern. Das Festival war in diesem Jahr zu seinem Ursprung an die legendäre Rennstrecke in der Eifel zurückgekehrt. Die Band Rammstein, deren Auftritt wegen des Terroralarms bei »Rock am Ring« ausfiel, äußerte sich beim Schwesterfestival »Rock im Park« am Sonntagabend nicht zu dem Vorfall.

Veranstalter Marek Lieberberg hält derweil eine intensive Diskussion über die Verteidigung freiheitlicher Werte und den Umgang mit Drohungen für notwendig. »Angriffe auf Musikveranstaltungen und ihre Zuschauer sind Angriffe auf unsere Zivilisation und unsere Art zu leben«, erklärte Lieberberg am Sonntag kurz vor Abschluss der dreitägigen Veranstaltung. »Alle gesellschaftlichen Kräfte – und zwar unabhängig von Nationalität, Herkunft, Religion oder Weltanschauung – sind aufgerufen, einer solchen Bedrohung eindeutig entgegenzutreten.«

Kein konkreter Tatverdacht

Ob bei den Wohnungsdurchsuchungen in Hessen gefährliche Gegenstände oder Waffen gefunden wurden, wollte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz nicht sagen. Das Nachrichtenportal »Osthessen News« hatte über einen SEK-Einsatz in Fulda bei einem Freund eines Verdächtigen berichtet. Festnahmen habe es dort nicht gegeben. Gegen die drei Männer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen der Vorbereitung eines »Explosionsverbrechens« eingeleitet. Die Polizei machte dazu keine näheren Angaben. Die Männer wurden vorläufig festgenommen und sind seit Samstagmorgen wieder auf freiem Fuß. Einen konkreten Tatverdacht gibt es laut Polizei derzeit aber nicht. Über mindestens einen der Verdächtigen lägen allerdings »deutliche Erkenntnisse im Bereich des islamistisch geprägten Terrorismus« vor.

Bei beiden Festivals lobten die Sicherheitsbehörden ausdrücklich das besonnene und friedliche Verhalten der Besucher. Enormen Eindruck hatten die vorwiegend jungen Fans bei »Rock am Ring« während der Evakuierung hinterlassen. Sie verließen das riesige Areal ruhig und zügig, von Massenpanik keine Spur.

Von Nervosität unter den »Ringrockern« war auch danach nichts zu spüren. Die Stimmung vor allem beim Auftritt der Toten Hosen am Samstagabend war so ausgelassen, wie man sie von früheren Festivals kannte. Pünktlich zum Auftritt der Band fing es an zu gießen. Frontmann Campino findet gleich zu Beginn die richtigen Worte, um der Menge einzuheizen. Er lobte die Menge für ihr besonnenes Verhalten am Vorabend. »Ihr wart absolut großartig, Leute, da könnt ihr euch was drauf einbilden« Nach knapp zwei Stunden endete der Auftritt der Band kurz vor 1 Uhr mit Konfettiregen – und »You’ll Never Walk Alone« als Zugabe. Es war rund 28 Stunden her, dass Besucher diese Hymne erstmals angestimmt hatten – kurz nach dem Terroralarm. Jetzt sangen Zehntausende mit und skandierten trotzig: »Wir sind der Ring! Wir sind der Ring!« Regen hin, Terrorangst her: Die Festivalbesucher wollten sich den Schneid nicht abkaufen lassen.

Mit einer emotionalen Erklärung hatte Veranstalter Lieberberg am Freitagabend für Diskussionen gesorgt: »Es muss jetzt Schluss sein – with: This is not my islam and this is not my shit (Das ist nicht mein Islam und nicht mein Scheiß.) Ich möchte endlich mal Demos sehen, die sich gegen die Gewalttäter richten. Ich hab’ bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind und gesagt haben: Was macht ihr da eigentlich?«

Lieberberg verteidigt sich

Er verlangte, dass »etwas geschieht, dass Gefährder beispielsweise auch festgenommen werden« und sagte: »Wir zahlen den Preis für den Skandal um Amri.« Für diese Äußerung wurde er kritisiert, erhielt aber auch Lob etwa von der AfD.

Lieberberg verwahrte sich jedoch gegen jegliche Versuche einer Vereinnahmung. In einer Erklärung am Sonntag betonte er, dass sich seine Aussage nicht »gegen die große Mehrheit friedlicher Menschen – egal welcher Couleur« gerichtet habe. »Die Zeiten erfordern es allerdings, dass wir – und zwar wir alle – uns deutlich positionieren und wehrhaft zeigen gegen jegliche Art von Gewalt und Fanatismus.«

Orlando (dpa). Fast ein Jahr nach dem Massaker in einem Homosexuellen-Nachtclub in Orlando ist es in der Stadt in Florida erneut zu einem Aufsehen erregenden Gewaltverbrechen gekommen. Ein 45 Jahre alter Mann erschoss am Montag auf dem Gelände seines früheren Arbeitgebers fünf Menschen. Anschließend habe er sich selbst das Leben genommen, sagte Sheriff Jerry Demings. Es gebe keine Anzeichen für Terrorismus oder irgendeine Art von organisierter Kriminalität, sagte Demings. »Wir gehen davon aus, dass wir es mit einem Fall von Gewalt am Arbeitsplatz zu tun haben«, betonte er. Der mutmaßliche Täter, im April von der auf Wohnmobilbauteile spezialisierten Firma entlassen, war bereits im Jahr 2014 durch einen Übergriff auf einen Kollegen aufgefallen.

Norristown (dpa). Nach Dutzenden Vorwürfen wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe gegen Bill Cosby hat in Norristown im US-Staat Pennsylvania der erste Strafprozess gegen den Schauspieler und Entertainer begonnen. In dem zwei bis drei Wochen dauernden Verfahren geht es um Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs einer ehemaligen Universitätsangestellten. Bei einer Verurteilung drohen dem 79-Jährigen mehrere Jahre Gefängnis. Cosby selbst hat angekündigt, nicht auszusagen.

Manila (dpa). Die Polizei auf den Philippinen hält den Überfall auf ein Spielcasino in der Hauptstadt Manila mit Dutzenden Toten für aufgeklärt. Bei dem Täter handelt es sich demnach um einen ehemaligen Finanzbeamten, der Spielschulden hatte. Der 42-Jährige hatte in der Nacht zum Freitag den Hotel- und Casinokomplex »Resorts World« überfallen. Er schoss um sich und legte an mehreren Stellen Feuer. Bei dem Brand erstickten 37 Besucher und Angestellte. Der Täter nahm sich das Leben.

Arnschwang (dpa). Der Mann, der in einer Flüchtlingsunterkunft im oberpfälzischen Arnschwang ein fünf Jahre altes Kind erstochen hat, war ein verurteilter Straftäter und trug eine elektronische Fußfessel. Dies teilten die Staatsanwaltschaft Regensburg und das Polizeipräsidium Oberpfalz mit. Am Samstagabend brachte der Mann den fünf Jahre alten Jungen in seine Gewalt und verletzte ihn mit Messerstichen tödlich. Während des folgenden Polizeieinsatzes gab ein Beamter insgesamt acht Schüsse auf den 41-Jährigen ab, der tödlich getroffen wurde. Im Hinblick auf die Schüsse geht die Staatsanwaltschaft bisher von einer Nothilfesituation aus.

Mann trug Fußfessel

Die 47 Jahre alte Mutter des Kindes erlitt bei der Auseinandersetzung mit dem Mann schwere, jedoch nicht lebensbedrohliche Schnittverletzungen. Bei der Frau und ihren beiden Kindern handelt es sich um Asylbewerber aus Russland. Der 41-jährige Afghane war als geduldeter Asylbewerber registriert. Er wurde im Oktober 2009 vom Landgericht München I wegen schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt, die er bis Januar 2015 komplett verbüßte. Wegen seiner Verurteilung stand er unter sogenannter Führungsaufsicht. Per gerichtlichem Beschluss wurde ihm auferlegt, sich lediglich im Umfeld der ihm zugewiesenen Asylunterkunft aufzuhalten. Um dies zu kontrollieren, trug er die elektronische Fußfessel.

Cape Canaveral (dpa). Fliegender Wechsel an der Internationalen Raumstation ISS: Der Raumfrachter »Cygnus« hat Platz gemacht für den »Dragon«, mit dem erstmals eine bereits benutzte Raumkapsel an der ISS andockte. Zwei Astronauten der US-Raumfahrtbehörde NASA, Jack Fischer und Peggy Whitson, fingen den »Dragon« am Montag mithilfe des Roboterarms der ISS ein und befestigten ihn an der Raumstation. Zuvor hatte der unbemannte US-Transporter »Cygnus« (Schwan) am Sonntag planmäßig vom Außenposten der Menschheit rund 400 Kilometer über der Erde abgedockt. Einen Tag zuvor war die »Dragon«-Kapsel (Drache) der privaten Raumfahrtfirma SpaceX mit einer Falcon-9-Rakete vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral gestartet. Es war der erste Neustart einer bereits benutzten »Dragon«-Kapsel.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos