02. Juli 2017, 22:22 Uhr

Land unter in Leegebruch

Die heftigen Regenfälle haben dem ländlichen Brandenburg stark zugesetzt. Am stärksten betroffen ist ein Dorf nördlich von Berlin. Weil es in einer Senke liegt, drängt das Wasser von überall herein.
02. Juli 2017, 22:22 Uhr
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Von DPA

Vollgelaufene Keller, überquellende Abwasserleitungen – in Leegebruch stinkt es: Seit Donnerstag herrscht in dem Dorf nördlich von Berlin der Ausnahmezustand. Rund 250 Liter Niederschlag pro Quadratmeter kamen in der Spitze herunter. Das Wasser aus der gesamten Gegend lief in eine Senke und überflutete Teile des 6500-Seelen-Ortes direkt am Berliner Autobahnring.

»Bei uns steht alles unter Wasser, weil wir der tiefste Punkt hier sind. Aus dem Abwasser-Gully werden die Fäkalien hochgedrückt. Es stinkt«, sagt Anwohnerin Ines Krüger. »Ich kann nicht mehr. Niemand hilft uns«, klagt sie weinend. Das Wasser steht bei ihr auf der ganzen Fläche 20 Zentimeter hoch. Inzwischen wurden auf der Straße einige Chemie-Toiletten aufgestellt.

Überall im Ort ist die Kanalisation zusammengebrochen, die Stromversorgung fiel teilweise aus. Seit Sonntagmorgen ackern 150 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr aus dem gesamten Kreis mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks. »Wir Bürger haben in Eigeninitiative eine Trafostation mit Sandsäcken geschützt, damit nicht noch mehr wichtige Infrastruktur absäuft«, erzählt ein Mann.

»Die Lage ist für Leegebruch schlimm und eine Tragödie für die Menschen«, sagt Oberhavel-Landrat Ludger Weskamp (SPD) am Sonntag. Meike Nitz kontert: »Warum hat der Kreis nicht den Katastrophenfall ausgerufen? Da hätte man uns viel schneller helfen können.« 87 Zentimeter hoch stehe die »braune Brühe« in ihrem Keller. »Sie haben uns hier schlicht vergessen«, sagt Nitz dem Landrat. »Die haben uns erst in der Nacht zu Sonntag mit Sandsäcken versorgt. Das war viel zu spät. Da stand das Wasser schon zwei Tage bei uns im Keller.«

»Klar gab es überall sehr viel Wasser. Aber alles läuft aus der Region zu uns ab«, greift Matthias Krüger in das Gespräch ein. »Das ist hier ehemaliges Sumpfgebiet und auch kein Geheimnis, dass wir in einer Senke wohnen«, sagt der Verwaltungsangestellte. Viel zu spät habe der Landkreis Oberhavel am Samstag die Koordinierung übernommen, da die Gemeinde selbst sich überfordert sah, sagt Krüger. »Wir haben in der Gemeinde gerade mal 30 eigene Freiwillige Feuerwehrleute.«

»In der Verwaltung sitzen 28 Angestellte«, stimmt ihm der amtierende Bürgermeister Martin Rother zu. Mit aller Macht und an der Grenze der Belastbarkeit seien 20 000 Sandsäcke verbaut worden. »Und wir haben gar nicht das Fachwissen, wie wir mit diesem Ausnahmezustand klarkommen sollen.« Wegen der Trassen der B 96 und des Autobahnrings konnte das Wasser im Ort kaum abfließen. »Sie wirken sich wie künstliche Deiche aus«, bestätigt Kreisbrandmeister Steffen Malucha.

Erste Abpumpversuche brachten von Freitag zu Samstag Entspannung. Zuerst. Nachdrängendes Wasser erschwerte zunehmend die Arbeiten, die Lage verschärfte sich in der Nacht zu Sonntag. »Niemand wird von uns allein gelassen. Wir haben die Lage nicht unterschätzt«, so Weskamp.

Große Sorge bereitet dem SPD-Politiker jedoch, dass Fäkalien in die Straßen gedrückt wurden. »Ja, ganz richtig: Auch wir haben Angst vor Krankheiten, wenn beispielsweise unsere Kinder mit der braunen Brühe in Kontakt kommen. Sie müssen was tun«, fordert Matthias Krüger.

Als am Sonntagnachmittag der Regen wieder droht, blicken die Menschen in Leegebruch wieder mit bangen Blicken in Richtung Himmel.

Im Norden kühl, im Süden wärmer

Eine Mischung aus Sonne, Wolken, Wind und Regen bestimmt in der ersten Juli-Woche das Wetter. Es präsentiert sich zweigeteilt. Im Norden wird es überwiegend kühl und nass, im Süden wärmer und trockner. Besserung ist zur Wochenmitte in Aussicht. Dann nähern sich die Temperaturen im Süden wieder der 30-Grad-Marke. Für den Norden erwartet der Deutsche Wetterdienst (DWD) immerhin Werte bis zu 23 Grad.

Zunächst beherrschen schauerartige Regenfälle und Gewitter das Wettergeschehen in Norddeutschland. Dazu weht am Montag und Dienstag vielfach ein frischer Wind. Er führt dazu, dass sich die ohnehin kühlen Temperaturen um maximal 20 Grad noch kälter anfühlen.

Im Süden bestehen deutlich bessere Aussichten auf Sonne. Es soll trocken bleiben und bis zu 28 Grad warm werden. Mittwoch erreicht die Wetterbesserung auch den Norden. Der Regen verzieht sich. Über Norddeutschland erwärmt sich die Luft auf bis 23 Grad. Nach dem Durchzug einer Kaltfront am Freitag beruhige sich das Wetter zum Wochenende. »Mit 20 bis 25 Grad erreichen wir die üblichen Werte für Anfang Juli«, sagt Meteorologe Christoph Hartmann.

Hitzewelle in Griechenland

Den Menschen auf dem griechischen Festland macht die Hitze schwer zu schaffen: Bereits morgens steigen die Temperaturen auf Werte über 30 Grad. Am Sonntag wurden um die Mittagszeit in manchen Regionen 45 Grad gemessen. Die Hitzewelle soll bis heute andauern. Ärzte und das Gesundheitsministerium rieten unter anderem zu Alkoholverzicht, heller Baumwollkleidung und fettarmer Nahrung. (Foto: dpa)



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