25. Juni 2017, 22:32 Uhr

Kaum Hoffnung für Verschüttete

25. Juni 2017, 22:32 Uhr
93 Dorfbewohner werden nach dem Erdrutsch noch vermisst. (Foto: dpa)

Peking (dpa). Nach dem riesigen Erdrutsch in China hatten die Helfer am Sonntag kaum noch Hoffnung, Überlebende zu finden. 93 Dorfbewohner wurden am Sonntag noch unter den Geröllmassen vermisst. Zehn Tote wurden bereits gefunden, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Mehr als 3000 Helfer suchten nach den Opfern. Nach tagelangen Regenfällen war der Berghang im Kreis Mao in der Provinz Sichuan in Südwestchina am Samstag mehr als tausend Meter in die Tiefe abgerutscht.

»Mit voller Wucht« habe der Erdrutsch das Dorf Xinmo unter sich begraben, schilderten Geologen im Staatsfernsehen. Wo vorher 62 teils zweigeschossige Häuser standen, erstreckte sich eine hunderte Meter breite Geröllwüste. Der Fluss im Tal wurde über zwei Kilometer zugeschüttet, ebenso eine Straße auf 1,6 Kilometer.

Staats- und Parteichef Xi Jinping rief zu größten Anstrengungen auf, um Überlebende zu finden. Papst Franziskus sprach den Opfern und ihren Familien beim Angelus-Gebet in Rom sein Beileid aus. Auch UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich tief betroffen und sprach sein Beileid aus. Kremlchef Wladimir Putin kondolierte der chinesischen Führung in einem Telegramm.

Es gab nur wenige Überlebende. Ein Elternpaar entkam mit seinem Baby, doch wurden die zweijährige Tochter und andere Mitglieder der Großfamilie verschüttet. Der Säugling hatte in der Frühe geschrien, und die Eltern wechselten ihm die Windel, als sie bemerkten, dass der Berg ins Rutschen kam. »Meine Frau und ich nahmen das Baby, rannten los und wären beinahe noch verschüttet worden, aber überlebten schließlich«, sagte der 26-Jährige im Hospital dem lokalen Fernsehen.

Die Suche dauerte über Nacht an. »Die Chancen, noch Überlebende zu finden, sind gering«, berichtete das Staatsfernsehen. Verantwortliche mahnten zur Vorsicht. »Leben zu retten, hat absoluten Vorrang«, sagte der Parteichef der Provinz, Wang Minghui. Aber auch die Sicherheit der Retter müsse gewahrt werden. Über die genaue Zahl der Vermissten herrschte Verwirrung, da 15 zunächst Vermisste zum Zeitpunkt des Unglücks doch nicht im Dorf gewesen seien. Auch wurde die Zahl der Toten von anfangs 15 auf zehn korrigiert. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich kompliziert. »Die Vermissten könnten bis zu einer Tiefe von möglicherweise 20 Metern unter der Oberfläche des Gerölls stecken«, berichtete der Reporter Zheng Yibing vom Staatsfernsehen vor Ort.

»Die Bergungsaktion ist wirklich schwierig«, erklärte Zheng Yibing. Die Helfer müssten Tunnel graben, um zu den Opfern zu kommen. »Es ist ein Rennen gegen die Zeit.« Anfangs seien noch Lebenszeichen zu hören gewesen. »Später sind die Hinweise aber verstummt.« Schaufelfahrzeuge und Bagger waren im Einsatz. Die Polizei schickte auch 23 Suchhunde und Geräte, mit denen Menschen aufgespürt werden können.

Der Dorfbewohner Zhang Liancheng, der einen Kilometer vom Unglücksort wohnt, vermisst acht Verwandte. »Ich wachte von einem lauten Krach auf«, berichtete er. »Es regnete, dichter Nebel herrschte, die Häuser wackelten. Ich sah, wie das Dorf wie von einer großen Explosion geschluckt wurde«, sagte er einer lokalen Zeitung.

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