28. Juni 2019, 22:34 Uhr

»Ihre Kindheit ist zerstört«

28. Juni 2019, 22:34 Uhr

Detmold (dpa). Eine überraschende Entwicklung auch am Tag zwei des Lügde-Prozesses um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen: Das Verfahren gegen einen der drei Angeklagten vor dem Landgericht Detmold wird abgetrennt. Der Prozess, der am Donnerstag unerwartet mit Geständnissen aller drei Männer begonnen hatte, könnte zudem mit deutlich weniger als den ursprünglich geplanten 53 Zeugen auskommen und damit verkürzt werden.

Am gestrigen Freitag wurden die ersten vier Zeugen gehört, darunter zwei der mutmaßlich insgesamt 34 minderjährigen Opfer. Auch ein zehnjähriges Mädchen ist dabei, es tritt unter Ausschluss der Öffentlichkeit in den Gerichtssaal. Die Kleine ist schwer traumatisiert. Ein Opferanwalt sagt am Rande der Verhandlung über die misshandelten Jungen und Mädchen: »Ihre Kindheit ist zerstört.« Über viele Jahre hinweg sollen Minderjährige in mehreren Hundert Fällen teilweise schwer sexuell missbraucht und dabei gefilmt worden sein - auf einem Campingplatz in Lügde und in einer Wohnung in Steinheim in Nordrhein-Westfalen.

Die Vorsitzende Richterin Anke Grudda entscheidet am Freitag zunächst, das Verfahren gegen den 49-jährigen Heiko V. aus Stade in Niedersachsen abzutrennen. Er soll sich in Webcam-Übertragungen angesehen haben, wie Minderjährigen schwere Gewalt angetan wurde, teilweise soll er dazu angestiftet haben. Sein Einzelverfahren geht am 17. Juli weiter. Im laufenden Missbrauchsprozess sitzen also noch zwei Männer auf der Anklagebank - der 56-jährige Andreas V. aus Lügde und der 34-jährige Mario S. aus Steinheim. Sie sollen die brutalen Taten verübt, auch vergewaltigt haben.

Alle vier Zeugen sagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus - zuerst eine heute 19-jährige Betroffene. Offenbar will sie ihrem mutmaßlichen Peiniger Andreas V. ins Gesicht sehen - sie möchte ausdrücklich, dass die Angeklagten den Saal nicht verlassen, wie ihre Anwältin betont.

Dann sind das zehnjährige Mädchen und ihre Mutter dran. Beide sind in therapeutischer Behandlung, schildert Roman von Alvensleben, der das Mädchen vertritt. Was im Saal gesagt wird, dringt nicht nach draußen.

Auf keinen Fall sollten die jungen Zeugen noch mal mit den erlittenen Taten konfrontiert werden, mahnt Opferanwalt Thorsten Fust. Er vertritt einen Jugendlichen, der zehn Jahre alt war, als die Übergriffe begannen. Vier Jahre habe der Angeklagte Mario S. den Jungen gequält. »Vergewaltigung, weiterer schwerer sexueller Missbrauch, jegliche Abartigkeit«, sagt Fust. Sein Mandant sei in psychologischer Behandlung, beginne nun eine Therapie. Das Gericht hatte klargestellt, dass man sich vor allem ein Bild machen möchte, wie es den Opfern heute geht.

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