24. März 2019, 22:59 Uhr

»Ich dachte an die Titanic«

24. März 2019, 22:59 Uhr
Die »Viking Sky« erreicht den Hafen von Molde. (Foto: dpa)

Oslo (dpa). Ein Kreuzfahrtschiff gerät in Seenot, nahe einem für Schiffsunfälle berüchtigten Küstengebiet. 1373 Menschen sind an Bord, die meisten von ihnen müssen über Nacht auf dem Havaristen ausharren. Draußen tobt ein Sturm. Das riesige Schiff, 227 Meter lang, wird vor der Westküste Norwegens von bis zu 15 Meter hohen Wellen so kräftig durchgeschüttelt, dass Möbel und andere Gegenstände an Deck zu Bruch gehen. Es droht vorübergehend sogar, auf Grund zu laufen. Mehrere Menschen werden in dem Chaos verletzt, drei von ihnen schwer. Erst mehr als 24 Stunden nach dem Notruf findet die dramatische Reise am Sonntag ein glimpfliches Ende.

Vor der Kulisse schneebedeckter Berge legte die »Viking Sky« am Nachmittag an einem Pier in der Kleinstadt Molde an, wie im norwegischen Fernsehen zu sehen war. Viele der verbliebenen Menschen an Bord winken von Deck oder dem Balkon ihrer Kabinen.

Was eine entspannte Kreuzfahrt entlang der norwegischen Küste werden sollte, ist für Hunderte Passagiere der »Viking Sky« am Wochenende zu einem Alptraum auf See geworden. Wegen Problemen des Antriebs bleibt das unter norwegischer Flagge fahrende Kreuzfahrtschiff am Samstag während eines Sturms in dem gefährlichen westnorwegischen Küstenabschnitt Hustadvika liegen – mit 915 Passagieren und 458 Besatzungsmitgliedern an Bord. Hubschrauber fliegen fast 500 Urlauber an Land, auch in der Nacht. Die meisten von ihnen sind Briten und Amerikaner. Auch zwei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit zählen zu den Passagieren.

Aufnahmen von Bord zeigten dramatische Szenen: Die »Viking Sky« schwankte heftig, durch die Fenster sahen die Passagiere riesige Wellen. Sessel, Tische und Pflanzen rutschten im Schiff hin und her, einer Frau fiel ein Teil der Decke auf den Kopf.

»Ich hatte Angst. Ich habe noch nie so etwas Beängstigendes erlebt«, sagte eine der ersten Evakuierten, Janet Jacob, dem norwegischen Rundfunksender NRK. »Ich habe zu beten begonnen, ich habe für die Sicherheit von allen an Bord gebetet.« Der Amerikaner Rodney Horgen berichtete, er habe gerade im Restaurant gesessen, als das Schiff heftig zu schwanken begonnen habe. Teller seien von Tischen geflogen, Menschen zu Boden gegangen. Ein Fenster oder eine Tür sei zu Bruch gegangen und eine Welle ins Schiffsinnere geschwappt. »Ich musste an die Titanic denken. Ich dachte, das wäre das Ende.«

Am Sonntag wurde das Schiff mithilfe von Schleppern langsam in Richtung Molde gebracht, später kam es aus eigener Kraft vorwärts. Zu dem Zeitpunkt waren noch fast 900 Menschen an Bord. »Sie hatten keine gute Nacht«, sagte ein Sprecher der Kommune Fræna.

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