31. August 2017, 22:29 Uhr

»Harvey« wütet weiter

31. August 2017, 22:29 Uhr

Houston (dpa). Die schweren Fluten in Texas haben in einer Chemiefabrik nahe Houston beängstigende Folgen nach sich gezogen. In dem Betrieb kam es am Donnerstagmorgen (Ortszeit) zu zwei Explosionen, wie die Betreiber des französischen Konzerns Arkema mitteilten. Es brannte, Rauch stieg auf. Die Behörden machten widersprüchliche Aussagen dazu, wie gefährlich die Situation für die Bevölkerung war. Die Anlage, die etwa 40 Kilometer von Houston entfernt liegt, war bereits am Sonntag wegen Überschwemmungen evakuiert worden. In der Nacht zum Donnerstag kam es dann nach Darstellung des Betreibers zu zwei kleineren Explosionen und Feuern.

Unklarheit über Gefährdung

Der Leiter der Katastrophenschutzbehörde FEMA sagte in Washington, die Rauchwolke sei »unglaublich gefährlich«. Der Sheriff von Harris County erklärte dagegen etwa zeitgleich in Texas, der Rauch sei nicht giftig. Es gebe keine Gefahr für die Bevölkerung.

15 Polizisten, die das Gelände gesichert hatten, kamen ins Krankenhaus. Nach Darstellung des Sheriffs wurden sie wegen brennender Augen und gereizter Lungen behandelt. Richard Rennard von der Betreiberfirma Arkema sagte, der Rauch sei zwar schädlich, die Giftigkeit sei aber »etwas Relatives«. Wenn man den Rauch einatme, führe das zu Reizungen der Lunge.

Die Behörden richteten eine Sperrzone mit einem Radius von 2,4 Kilometern ein. Anwohner waren bereits am Mittwoch in Sicherheit gebracht worden. Die Betreiber rechneten damit, dass es in der Fabrik zu weiteren Bränden und Explosionen kommen könnte.

Auch in anderen Orten in Texas blieb die Lage angespannt. Die Städte Beaumont und Port Arthur kämpften mit Überschwemmungen – hier waren innerhalb von 24 Stunden 660 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Nach Angaben der Behörden brach in Beaumont die Wasserversorgung zusammen, nachdem die zentrale Pumpanlage dem Druck eines angeschwollenen Flusses nachgegeben hatte. Auch in Houston war eine Entspannung nicht in Sicht, obwohl die Großstadt von weiterem Regen verschont blieb. Die Rettungsarbeiten dauerten an.

Als vom US-Hurrikan-Zentrum herabgestuftes tropisches Tiefdruckgebiet zog »Harvey« weiter östlich durch Louisiana. Auch Mississippi, Tennessee und Kentucky rüsteten sich für mögliche Überschwemmungen.

»Harvey« war am vergangenen Freitag erstmals in Texas auf Land getroffen; seither kämpft die Gegend mit den verheerenden Folgen. Binnen weniger Tage fielen in dem Staat mancherorts bis zu 125 Zentimeter Regen pro Quadratmeter – ein Rekord für das Festland der USA. Zahlreiche Flüsse, darunter der Colorado, traten über die Ufer, Stauseen ergossen ihre Fluten über die Dämme.

Papst Franziskus hat sich angesichts der Todesopfer und gewaltigen Zerstörung durch den Tropensturm »Harvey« in den USA bestürzt gezeigt. Das katholische Kirchenoberhaupt sei »tief bewegt« und bete für die Opfer der Naturkatastrophe, ihre Angehörigen und die Helfer, teilte der Vatikan gestern mit.

Venezuela hat unterdessen Hilfe angekündigt: Trotz des schwelenden Konflikts zwischen Caracas und Washington will die venezolanische Regierung den Hurrikan-Opfern helfen. Venezuela werde bis zu fünf Millionen US-Dollar (etwa 4,2 Millionen Euro) für betroffene Familien in Houston und Corpus Christi bereitstellen, kündigte Außenminister Jorge Arreaza am Mittwoch an.

Hohe Nothilfekosten erwartet

Auch Mexiko hatte trotz des Streits um die von US-Präsident Donald Trump geplante Grenzmauer und die konfliktreiche Nachverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA dem Nachbarland Unterstützung angeboten. Mexiko hatte bereits nach dem schweren Hurrikan »Katrina« den USA geholfen. Die Kosten für die Nothilfe nach »Harvey« könnten nach Einschätzung des texanischen Gouverneurs »weit höher« liegen als nach »Katrina« 2005. Greg Abbott sagte, er rechne mit einer deutlich höheren Summe an Bundeshilfen als damals. Das Katastrophengebiet sei viel größer und bevölkerungsreicher als bei »Katrina«. Abbott sagte, wenn er sich richtig erinnere, habe die Hilfe bei »Katrina« die Summe von 100 Milliarden US-Dollar übertroffen. US-Präsident Trump will eine Million Dollar aus seinem Privatvermögen für die Flutopfer in Texas spenden, wie seine Sprecherin Sarah Sanders gestern bekannt gab.

Angesichts der vielen Todesfälle und der Zerstörung hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betroffen über die verheerenden Folgen des Sturms gezeigt. Den Opfern und ihren Angehörigen gelten Anteilnahme und Mitgefühl, wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer gestern sagte. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst (41) hat unterdessen wegen der Flutkatastrophe sein Training unterbrochen. Er habe sich große Sorgen um Freunde und Nachbarn gemacht, sagte Gerst dem »RTL Nachtjournal«. Gerst hat in Houston ein Haus gemietet und trainiert dort für seinen zweiten Flug ins All. Das Raumfahrtzentrum in Houston arbeite wegen der Flutkatastrophe nur mit einer Notbesetzung, erzählte er. Auch sein Haus sei beschädigt worden. Nun werde er sein Training im Europäischen Astronautenzentrum in Köln fortsetzen.

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