06. Februar 2018, 23:28 Uhr

Ein plastisches Erlebnis

06. Februar 2018, 23:28 Uhr
Ein Zebrastreifen mit 3-D-Effekt soll möglicherweise demnächst in Braunschweig für mehr Sicherheit der Fußgänger sorgen. Die Erfahrungen aus Island und Österreich sprechen allerdings nicht unbedingt dafür, dass die Wirkung von langer Dauer ist. (Foto: dpa)

Braunschweig (dpa). Wenn Straßenkünstler in Fußgängerzonen ihre Gemälde auf den Boden malen, dann hüpft der eine oder andere Passant aus Reflex zur Seite – so realistisch sieht mancher in 3-D gemalte Abgrund aus. Diese Täuschung soll jetzt auch helfen, die Verkehrssicherheit zu erhöhen. In Braunschweig könnte es nämlich demnächst einen 3-D-Zebrastreifen geben.

Ein paar weiße Balken auf dem Boden, versehen mit grafischen Effekten – und schon sieht es aus, als würde sich auf der Straße ein Hindernis erheben. So sollen Autofahrer zum Bremsen bewegt werden. Bisher wurde das in Deutschland nur selten und für wenige Tage ausprobiert. Braunschweig könnte Vorreiter werden. Entstehen soll der dreidimensionale Fußgängerüberweg im Stadtteil Lehndorf. Die dortige Saarbrückener Straße ist viel befahren, vor allem im Berufsverkehr. Außerdem liegt hier eine Bushaltestelle. Viele Fußgänger ärgern sich darüber, wie rücksichtslos die Autofahrer trotz Tempo 30 und eines Zebrastreifens seien.

Lehndorfs stellvertretender Bürgermeister Frank Schröter hörte immer wieder Klagen von Anwohnern. »Als ich von dem 3-D-Zebrastreifen hörte, dachte ich, dass das doch eine gute Möglichkeit wäre«, sagt der promovierte Ingenieur, der am Institut für Verkehr und Straßenbau der TU Braunschweig arbeitet. Am heutigen Mittwoch entscheidet der Stadtbezirksrat über einen entsprechenden Antrag des Grünen-Politikers.

Erfahrungen aus Island und Linz

Beim ADAC findet Schröters Idee Anklang. »Alles, was die Aufmerksamkeit erhöht, ist gut für die Verkehrssicherheit«, sagt eine Sprecherin des niedersächsischen Landesverbands. Dass abruptes Bremsen vor Schreck das Risiko für Auffahrunfälle erhöht, hält man beim ADAC für unwahrscheinlich.

Ausprobiert wurde die Idee für die 3-D-Zebrastreifen unter anderem in Island. Dort ist das Projekt nur mittelmäßig erfolgreich – die Autofahrer hätten sich schnell an den neuen Zebrastreifen gewöhnt, sagte der Erfinder der Technik, Ralf Trylla, der »Braunschweiger Zeitung«. Vor allem Touristen fänden den außergewöhnlichen Überweg aber super. Im vergangenen November importierte auch die Stadt Linz in Österreich die Idee für ihre Straßen. Aber auch hier hat man Probleme: Erstens entfalte der Streifen nur aus einer Fahrtrichtung seine Wirkung, erklärt der Linzer Verkehrs-Stadtrat Markus Hein. Zweitens verpuffe der Effekt bei Nacht und bei Nässe. Drittens erkenne man den 3-D-Effekt nur aus nächster Nähe und viertens nur bei geringer Geschwindigkeit.

Hein glaubt deshalb nicht, dass der 3-D-Zebrastreifen zur Verkehrssicherheit beiträgt. »Am besten wirkt der Zebrastreifen auf Fotos. Für uns in Linz ist das eher ein lustiger Marketing-Gag«, resümiert FPÖ-Mann Hein. In Deutschland denken dagegen neben Braunschweig auch andere Städte über den Einsatz von 3-D-Fußgängerüberwegen nach. »Wir müssen es einfach ausprobieren«, sagt Lehndorfs Vizebürgermeister Schröter. Der Zebrastreifen sei schnell gemalt und nicht viel teurer als ein normaler. Und wenn er nicht funktioniere, könne man ihn ja auch wieder überpinseln. (Foto: dpa)

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