19. Juni 2017, 21:28 Uhr

Autoraser vor Gericht

19. Juni 2017, 21:28 Uhr
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Von DPA

Saarlouis (dpa). Drei junge Männer sind in getunten Autos unterwegs, es kommt zu einem Unfall, ein 14-jähriges Mädchen stirbt. Doch weil sich wohl nicht beweisen lässt, dass es sich um ein illegales Autorennen handelte, steht der 23 Jahre alte Dennis M. seit gestern nicht wegen Mordes, sondern nur wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Saarlouis.

Den Ermittlungen zufolge ging der Angeklagte im August 2016 bei Überherrn im Saarland viel zu schnell in eine Kurve, verlor die Kontrolle über das Fahrzeug und verletzte die 14-Jährige tödlich. Ein 16-Jähriger erlitt schwere Verletzungen. Der Angeklagte, der mit seinem Fahrzeug öfter auf dem Nürburgring unterwegs war, fuhr auch an jenem Abend laut Staatsanwältin »wie ein Rennfahrer«. Vor Gericht zeigte er sich wenig schuldbewusst: Der Unfall sei vor allem deshalb passiert, weil das Antiblockiersystem (ABS) nicht funktioniert habe, als er mit etwa 90 Kilometern pro Stunde vor einer engen, nicht einsehbaren Kurve gebremst hatte. Er sei auf der kurvenreichen Strecke ohnehin »sehr zart« gefahren.

Fassungslos reagierten nicht nur die Eltern des getöteten Mädchens auf seine Aussagen. Auch Richter Michael Wagner zeigte deutliches Unverständnis. Er wollte wissen, warum der Angeklagte noch immer ein Foto des Fahrzeuges als Profilfoto auf seiner Facebook-Seite habe und warum er das sichergestellte Auto zurückgefordert habe. »Ich sage es ganz offen: Ein Mensch wurde getötet, ein zweiter schwer verletzt und ein dritter psychisch traumatisiert«, so Wagner. »Und Sie wollen ein Auto zurück, das so viel Unglück über die Menschheit gebracht hat?«

Erst in der Nacht zum vorigen Samstag war in Mönchengladbach ein Fußgänger (38) bei einem illegalen Autorennen getötet worden. Aus Sicht der Ermittler handelt es sich dabei um Mord. Drei mutmaßliche Raser wurden festgenommen, darunter auch der Unfallfahrer (28), der seit gestern wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft sitzt.

Hessische Ministerin für härtere Strafen

Ende Februar waren erstmals in Deutschland zwei Raser nach einem tödlichen Rennen in Berlin des Mordes schuldig gesprochen worden. Am Donnerstag entscheidet der Bundesgerichtshof in Karlsruhe, ob es richtig war, zwei Raser für ein Rennen im April 2015 in Köln zu Bewährungsstrafen zu verurteilen. Dort war eine 19-jährige Radfahrerin getötet worden.

Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) fordert härtere Strafen für illegale Autorennen. Von diesen Rennen gehe ein enormes Risiko aus, da es immer wieder Verletzte oder Tote gebe, erklärte die Ministerin gestern. Bei vielen Teilnehmern dieser Rennen sei Leichtsinn im Spiel, es gehe aber auch um Geld und Wetten.



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