05. November 2017, 22:30 Uhr

Angst um ein Wahrzeichen

05. November 2017, 22:30 Uhr
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Von DPA
Kadaver einer Baikalrobbe. (Foto: dpa)

Irkutsk (dpa). Der rätselhafte Tod Dutzender Baikalrobben hat in Russland Ängste vor einer möglichen Epidemie bei der seltenen Tierart geweckt. Am Baikalsee in Sibirien seien in den vergangenen Tagen mehr als 140 tote Robben angeschwemmt worden, teilten die Behörden in der Großstadt Irkutsk mit. »Alle gefundenen Kadaver sind von erwachsenen und kräftigen Tieren, 80 Prozent von ihnen sind trächtige Weibchen«, hieß es. Auch am Wochenende gingen die Untersuchungen weiter. Seit Tagen suchen Experten nach der Ursache des Massensterbens.

Die Baikalrobbe ist eine der wenigen Robbenarten, die im Süßwasser leben. Sie kommt ausschließlich im Baikalsee vor. Dieser ist mit einer Länge von mehr als 600 Kilometern und einer Tiefe von mehr als 1600 Metern der größte Süßwasserspeicher der Erde und ein beliebtes Touristenziel.

Die russischen Behörden schätzen den Bestand der Baikalrobben auf rund 128 000. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt sie auf ihrer Roten Liste gefährdeter Arten in der Kategorie »Geringste Bedenken«. Seit 1980 ist der Fang aber streng reglementiert. Ende der 1980er Jahre waren nach Expertenangaben rund 7500 Baikalrobben an der Staupe gestorben, einer Viruserkrankung, die vor allem von Hunden übertragen wird.

Die toten Tiere wurden in den vergangenen Tagen im Gebiet Irkutsk im Süden des Baikalsees sowie in der benachbarten Republik Burjatien am Ostufer angeschwemmt. Zunächst war von rund 130 Kadavern die Rede, am Freitag wurden weitere entdeckt.

Ersten Analysen zufolge starben die Robben an Herzstillstand. Auffällig war, dass der Magen-Darm-Trakt vieler untersuchter Exemplare leer war. Sie könnten an Unterernährung gestorben sein, sagte Sergej Grochotow vom Veterinäramt in Irkutsk der Agentur Tass. Unklar blieb, wieso die Tiere möglicherweise nicht gefressen hatten. Die Baikalrobbe ernährt sich unter anderem von Fischen. Nikolai Gudkow vom Umweltministerium sagte der Zeitung »Iswestija« am Samstag, dass auch Wasserproben analysiert würden, um eine Verunreinigung als Ursache auszuschließen.



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