Aus aller welt

Angeklagter gesteht Tat

Wuppertal (dpa). Ein voller Bahnsteig am Wuppertaler Hauptbahnhof: Eine Familie wartet im Berufsverkehr am Gleis, als sich ihnen ein fremder Mann nähert. Urplötzlich greift er den fünfjährigen Sohn und springt mit ihm im Arm vor eine einfahrende S-Bahn. Eltern und Geschwister können nur hilflos zusehen, wie der Zug über die beiden hinwegrollt. Doch wie durch ein Wunder bleibt das Kind fast unverletzt. Nun hat vor dem Landgericht Wuppertal am Dienstag der Prozess gegen den 23-jährigen Beschuldigten begonnen.
23. Oktober 2018, 22:33 Uhr
DPA

Wuppertal (dpa). Ein voller Bahnsteig am Wuppertaler Hauptbahnhof: Eine Familie wartet im Berufsverkehr am Gleis, als sich ihnen ein fremder Mann nähert. Urplötzlich greift er den fünfjährigen Sohn und springt mit ihm im Arm vor eine einfahrende S-Bahn. Eltern und Geschwister können nur hilflos zusehen, wie der Zug über die beiden hinwegrollt. Doch wie durch ein Wunder bleibt das Kind fast unverletzt. Nun hat vor dem Landgericht Wuppertal am Dienstag der Prozess gegen den 23-jährigen Beschuldigten begonnen.

Der psychisch kranke Mann räumte die Tat ein, wies die Schuld aber von sich. Ein Gutachter hat bei ihm eine Schizophrenie diagnostiziert. Zum Zeitpunkt der Tat Mitte April dürfte er schuldunfähig gewesen sein. Immer wieder spricht er davon, Stimmen gehört zu haben – auch am Bahnsteig. Die Staatsanwaltschaft sprach in ihrer Antragsschrift von aufgehobener Steuerungsfähigkeit beim Beschuldigten. Ihm wird versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er habe versucht, »heimtückisch einen Menschen zu töten«.

Die Familie des Opfers leidet noch immer unter dem albtraumhaften Erlebnis. Die Mutter des Fünfjährigen muss ihre Aussage unter Tränen vorzeitig beenden und bricht schließlich auf dem Flur zusammen. Zu schwer sei die Belastung nach wie vor, zu viel komme durch den Prozess wieder hoch, erklärte die Anwältin der Familie schon vor Prozessbeginn. Wie es dem Jungen heute geht, wird nicht bekannt. Laut Staatsanwaltschaft war es allein einem glücklichen Zufall und dem Bremsmanöver des Lokführers zu verdanken, dass der Fünfjährige körperlich nur leichte Verletzungen am Kopf erlitt. Wenn der Zug etwas weiter gefahren wäre, hätte ihn ein tieferliegendes Teil treffen und schwerer verletzen können. Nach Aussage eines Zeugen drückte der Beschuldigte den Kopf des Kindes nach unten. Der Mann hatte sich mit ihm flach zwischen die Gleise gelegt.

Zwei Zeugen gaben am Dienstag an, dass sie nach Beobachtung des Vorfalls von einem erweiterten Suizid ausgegangen seien. »Ich sah, wie ein Mann ein Kind hochhielt. Ich dachte, der steht gefährlich nah am Gleis, dann sprang er vor den Zug«, erklärte ein 50-Jähriger. »Ich habe mit fürchterlichen Verletzungen gerechnet.« Die Familie habe laut geschrien. Als der 23-Jährige aus dem Gleisbett geholt wurde, habe die Mutter des Jungen nach Angaben der Zeugen versucht, ihn zu konfrontieren. Von Umstehenden wurde der Mann schließlich festgehalten, bis die Polizei kam. Auf Ansprache habe er zuvor nicht reagiert.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/ueberregional/mantelredaktion/ausallerwelt/Aus-aller-welt-Angeklagter-gesteht-Tat;art477,503928

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung