29. September 2022, 18:27 Uhr

Mehr als nur ein Friedensschluss

29. September 2022, 18:27 Uhr
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Aus der Redaktion
Zwei Frankfurter: Eintracht-Trainer Oliver Glasner (links) und Ex-Eintracht-Trainer Adi Hütter. Foto: dpa

Adi Hütter wirkt entspannt, topfit, auch schon wieder ein wenig tatendurstig als ich ihn in diesen Tage treffe. Im Sommer hat der Trainer seinen ursprünglich noch bis 2025 laufenden Vertrag bei Borussia Mönchengladbach aufgelöst. Das Engagement bei den »Fohlen« hatte sich als große Missverständnis herausgestellt.

Und der selbst herbeigeführte Abschied von der Frankfurter Eintracht 2021 als ganz persönliche Fehlentscheidung und Fehleinschätzung. »Im Rückblick war es ein Fehler zu gehen, ganz klar«, sagt Hütter, »die Eintracht hat sicher viel besser zu mir gepasst wie die Borussia und ich sicher besser zur Eintracht als zur Borussia.« Aktuell ist der 52 Jahre alte Österreicher ohne Job. Aber offen für neue Herausforderungen. »Ich genieße es, auch mal Zeit für andere Dinge zu haben«, sagt er, »aber jetzt wäre ich auch langsam wieder bereit für einen neuen Job.« Das muss nicht unbedingt noch in diesem Jahr sein, spätestens aber zur nächsten Saison will er wieder arbeiten. Vor zwei Wochen habe er gerade ein Angebot, einen neuen Klub zu übernehmen, abgelehnt. »Es war nicht das Richtige«, sagt er.

Adi Hütter schaut sich viele Spiele im Fernsehen an, war zuletzt zweimal im Stadion bei RB Salzburg, wird demnächst auch beim Europapokal in Graz gegen Lazio Rom auf der Tribüne sitzen. Ganz besonders schaut er aber immer noch nach Frankfurt. Der Europapokalsieg der Eintracht unter seinem Nachfolger Oliver Glasner habe ihn »echt gefreut«, sagt er, »ich war begeistert vom Weg der Eintracht.« Einen ähnlichen Weg hatte die Mannschaft ja unter ihm drei Jahre zuvor auch schon eingeschlagen, als 2019 erst im Halbfinale im Elfmeterschießen beim FC Chelsea die Träume geplatzt waren.

Hütter, dessen Abgang aus Frankfurt und Wechsel nach Mönchengladbach unter einigem Getöse vonstatten gegangen war, immerhin hatte die Eintracht eine Ablösesumme von 7,5 Millionen Euro erhalten, ist froh, dass die Wogen längst geglättet sind. Er selbst hat seinen Frieden mit der Eintracht gemacht. »Ich habe damals Fehler gemacht«, räumt er ein, »es fällt mir nicht schwer, das einzugestehen.« Dass er auch mit Vorstandssprecher Axel Hellmann wieder ein gutes Verhältnis hat, ist ihm besonders wichtig. »Axel hatte mich zum Halbfinale gegen West Ham eingeladen, da war ich fast schon gerührt«, blickt er ein paar Monate zurück. Natürlich ist er in sein altes Wohnzimmer gefahren, in die Arena im Stadtwald, wo die Eintracht in der »Corona-«Saison 19/20 unter ihm kein einziges Spiel verloren hatte.

Zunächst hätten bei der Fahrt nach Frankfurt »gemischte Gefühle« vorgeherrscht. Wie würden die Fans reagieren? Wie schwierig könnte es werden, die einst so engen Kontakte wieder aufzufrischen? Unnötige Bedenken, wie sich schnell herausgestellt hat. »Ein einziger Fan hat rund ums Stadion sauer reagiert«, erinnert Hütter, »die allermeisten wollten Handy-Fotos oder Autogramme.« Auch die Fans der Eintracht haben mit dem ehemaligen Adler-Trainer ihren Frieden gemacht. Und er hat sich längst mit den Vorständen und Aufsichtsräten ausgesprochen. Bei Hütter selbst war es mehr als nur ein »Friedensschluss«, es hat sich eine Art Freundschaft entwickelt. »Die Eintracht ist bei mir im Herzen«, sagt er heute. Da hat einer auch emotional einen Fehler korrigiert.



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