07. September 2022, 22:21 Uhr

Ein Pechvogel im Glück

07. September 2022, 22:21 Uhr
TSU
Rassiges Kopfballduell in einem unter dem Strich verdientenDervby-Remis: Yassine Maingad (links) vom FC Gießen hat es hier mit Fernwalds Julian Bender zu tun. Foto: Bär

. Solche Geschichten schreibt der Fußball manchmal: Das sagte Daniyel Bulut, Coach des FSV Fernwald nach dem Hessenliga-Derby gegen den FC Gießen. Er meinte damit seinen Spieler Nils Schäfer. Für den begann der Mittwochabend, sagen wir es vorsichtig, suboptimal. Als eingefleischter Eintracht-Frankfurt-Fan verpasste er die Premiere der Adler in der Champions League und war dann auch nur für die Ersatzbank vorgesehen.

FSV Fernwald - FC Gießen 1:1

Weil aber David Siebert mit Leistenproblemen kurzfristig passen musste, rückte Schäfer in die Startelf. Und dabei blieb es nicht: In der 44. Minute erzielte er mit einer fulminanten Volleyabnahme den Ausgleich zum 1:1 für seine Farben. Da wird es der 19-Jährige sicherlich verschmerzen können, das 0:3-Königsklassendebüt der Eintracht verpasst zu haben. Schäfers Treffer bedeutete zugleich den Endstand, mit dem beide Trainer letztlich einverstanden waren.

»Wir können mit dem Punkt leben. In den ersten zehn Minuten waren wir sehr passiv. In der Folge haben wir es geschafft, präsenter und aktiver zu sein. Wir waren dem 2:1 in der zweiten Halbzeit ein gutes Stück näher, das ist uns dieses Mal nicht gelungen. Gut ist gewesen, dass wir nicht die Nerven verloren und voll auf Sieg gespielt haben, sondern es weiter kontrolliert versucht haben, denn Fernwald hat frische Leute gebracht und bei Tempogegenstößen mussten wir sehr aufpassen«, resümierte Gießens Übungsleiter Daniyel Cimen. »Wir sind zufrieden mit dem Unentschieden. Bis zum 0:1 hatte Gießen nur wenige Chancen. Wir sind aus dem Schock herausgekommen und konnten das 1:1 vor der Pause machen. Das Wichtige in der zweiten Hälfte war für uns, stabil zu stehen. Unsere Konter haben wir nicht optimal ausgespielt. Wenn wir da cleverer sind, kann vielleicht noch einmal etwas entstehen«, bilanzierte Cimens Gegenüber Bulut die abgelaufenen 90 Minuten, in denen die rund 400 Zuschauer in der Anfangsphase eine Fernwalder Mannschaft erlebten, die mit Vorteilen agierte.

Benders Hochkaräter

Resultat war ein echter Hochkaräter von Julian Bender, der in der sechsten Minute ein klasse Zuspiel von Brian Mukasa hervorragend annahm und verarbeitete, ehe er die Kugel aus hervorragender Ausgangsposition über den Querbalken drosch. Der FCG benötigte einiges an Anlaufzeit, bevor Denis Mangafic und Co sich im Vorwärtsgang besser in Szene setzen konnten. Dabei lenkte FSV-Keeper Pierre Kleinheider den Aufsetzer von Yassine Maingad um den Pfosten (28.). 60 Sekunden darauf fiel das Gießener Führungstor »aus einem Kuddelmuddel, da hatten wir das Glück des Tüchtigen«, wie es Daniyel Cimen beschrieb. Aus dem Gewühl fand Maingad die Lücke und beförderte das Leder in die Maschen. Danach verfehlte ein Kopfball von Francesco Calabrese um Haaresbreite den Kasten der Fernwalder, die eine Zeigerumdrehung vor der Pause den Spielstand egalisierten. Die stark getimte Flanke von Bender nahm Schäfer satt und kompromisslos aus der Luft - 1:1. »Da haben wir mal einfach gespielt und nicht kompliziert«, lobte Daniyel Bulut seine Schützlinge für diese Aktion. Der zweite Durchgang gehörte über weite Strecken den Gästen, doch erwies sich dieses optische Plus als brotlose Kunst. Im und am Strafraum haperte es am finalen Punch. Hereingaben von Stürmer Leonid Alkulinin und Wessam Abdel-Ghani rauschten durch den Fünfer sowie Calabreses Schuss am Ziel vorbei. Und nachdem der Kopfstoß des eingewechselten Connor Filsinger ebenfalls keinen Jubel nach sich zog, war das Unentschieden im Nachbarschaftsduell perfekt. Ein unaufgeregtes Match insgesamt, so ganz anders als das in den Schlussminuten dramatische 3:2 für die Gießener im Hinspiel vor fünf Wochen. Ein junger Mann wird es wohl dennoch länger in Erinnerung behalten: 1:1-Torschütze Nils Schäfer, der sich auch darüber hinaus freuen kann: Wenn die Frankfurter Eintracht in einer Woche wieder in der Champions League antritt, hat sein FSV Fernwald spielfrei.

FSV Fernwald: Kleinheider - Burger, Goncalves (72. Kaguah), Muhic, Bender - Hendrich, Hofmann - Schäfer, Mukasa (81. Dursun), Grönke (74. Markiewicz) - Solak (53. Woiwood).

FC Gießen: Lapcic - Assar, Kireski, Fink, Abdel-Ghani - Mangafic, Vural (81. Hagley), Beal (66. Mahmuti) - Maingad (70. Filsinger), Akulinin, Calabrese.

Tore: 0:1 Maingad (29.), 1:1 Schäfer (44.). - Schiedsrichter: Rolbetzki (Schröck). - Gelbe Karten: Hendrich / Beal, Fink. - Zuschauer: 400.



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