04. November 2021, 12:00 Uhr

Sportehrenpreis

Wie Hans-Günther Trott zum »Mr. Tennis der Wetterau« wurde

Hans-Günther Trott ist das Gesicht der Tennis-Szene in der Wetterau - und das seit nun fünf Jahrzehnten. Zuerst als Spieler, später als Trainer und Funktionär. Der Wetteraukreis hat das so außergewöhnliche Engagement jetzt mit dem Sportehrenpreis gewürdigt.
04. November 2021, 12:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Hans-Günther Trott (links) wird von Landrat Jan Weckler mit dem Sportehrenpreis des Wetteraukreises ausgezeichnet. FOTO: NICKOLAUS

Landrat Jan Weckler, im Plenarsaal des Wetteraukreises der Gastgeber am Dienstagabend, sprach von einer »besonderen Ehrung«. Ja, der mit 2500 Euro dotierte Sportehrenpreis wurde in diesem Jahr zum 20. Mal vergeben, und ja, zum ersten Mal wurde der Tennis-Sport in den Mittelpunkt gerückt. Mit der Wahl von Hans-Günther Trott entschied sich die Jury, in der auch die WZ-Sportredaktion vertreten ist, zugleich für einen Menschen, der wie kaum ein anderer eine Sportart in der Wetterau über Jahrzehnte hinweg geprägt hat und auch heute noch auf allen Ebenen des Hessischen Tennis-Verbandes (HTV) aktiv - und zugleich in einem besonderen Maße - mitwirkt: der »Mr. Tennis der Wetterau«, wie Weckler sagte.

Trott ist seit elf Jahren Präsident im Tenniskreis Wetterau/Hochtaunus (zuvor 25 Jahre lang Kreisspielleiter), ist Spielleiter, Sportwart und stellvertretender Vorsitzender im Bezirk Wiesbaden und seit neun Jahren Leiter des Spielbetriebs auf Landesebene. Er ist Trainer am Kreisstützpunkt in Rosbach und am Bezirksstützpunkt in Eschborn, leitet private Übungsstunden beim Ober-Mörler TC und dem TC Friedrichsdorf und fungiert ab und an als Oberschiedsrichter. Vom HTV hatte Trott, der von vielen in Anlehnung an seinen Vornamen nur »HG« gerufen wird, die Goldene Ehrennadel mit Platinrand erhalten.

»Die Auszeichnung nun mit dem Sportehrenpreis ist aber noch einmal eine andere Hausnummer, weil sie über den Tennis-Tellerrand hinausgeht und mehr als eine rein fachliche Auszeichnung ist«, sagt Trott, der vor den rund drei Dutzend Gästen sichtlich überwältigt war. Langjährige Wegbegleiter wie Bruno Kuczinski, Conny Stetzer oder Zsolt Ferdinand - um nur einige Namen aus der regionalen Szene zu nennen - waren zur Auszeichnung geladen.

Mit Rod Laver auf dem Court

Als rückblickend außergewöhnlichste Erfahrung nennt Trott eine Trainingswoche mit Rod Laver. Der Australier gewann in seiner Karriere insgesamt 198 Einzeltitel, erreichte 286 Finals (Allzeit-Rekorde) und verbrachte im Herbst seiner Karriere eine Woche in Bad Nauheim, wo er täglich mit dem damals jungen Trott im Kurpark trainierte. Laver ist heute unter anderem Namensgeber des Center Courts in Melbourne.

Die Laudatio auf den Preisträger wurde von Norbert Florczyk vom TC Friedrichsdorf gehalten, der einerseits den Trottschen Einsatz beim Bau der Tennishallen in Nieder-Rosbach und Ober-Mörlen hervorhob, andererseits dessen Umgang mit Kindern und Jugendlichen unterstrich. Selten habe er den Nachwuchs mit so viel Spaß und gleichzeitig so viel Ehrgeiz arbeiten sehen. »Hans-Günther ist bestimmend, respektvoll und in seiner Art freundlich zugleich«, betonte Florczyk, dessen Sohn Sebastian einst von Trott zum Nachwuchs-Hessenmeister geformt worden war.

Als Teenager hatte Trott seine Liebe zum Tennis entdeckt; eine Leidenschaft, die ihn bis heute nicht losgelassen hat, eine »Entscheidung für das Leben«. Eine Entscheidung, die seine Frau Gabi mit Toleranz und Akzeptanz mittrage, wie er sagt.

Balljunge war er im Kurpark von Bad Nauheim, hatte genau hingesehen, wenn sich die Herren-Riege in den langen weißen Hosen zum Match verabredet hatte. 50 Pfennig, mal eine Kugel Eis gab’s zur Belohnung. Georg Kowarek, der Verwalter der Anlage, hatte ihn immer mal wieder auf den Platz gelassen. Mit 21 Jahren wurde er Sportwart beim TC Rot-Weiß. Tennis boomte in dieser Zeit, öffnete sich, »nicht erst in der Ära Becker/Graf«, sagt er heute. In der Region hatte sich Trott schnell einen guten Namen gemacht als Spieler und Trainer. Zunächst in Bad Nauheim, wo er geboren wurde, später in Rosbach und Ober-Mörlen. Mit Rot-Weiß Gießen spielte er einst in der Regionalliga, später auch in Bad Nauheim. »Die Faszination hat mich nie losgelassen. Und ich will den Sport auf allen Ebenen unterstützen und vorantreiben«, sagt er.

Es sei der Umgang mit jungen Menschen, der ihn selbst jung halte, der Stolz auf die, die einst durch seine Hände gegangen waren und Erfolg haben feiern können. Und es sei die Freude, am Mannschaftswettbewerb mit einer harmonischen, ehrgeizigen Truppe teilzunehmen.

Motiviert sei er noch immer wie zu Beginn. Und so lange er auf dem Court und am Schreibtisch seine Leistung bringe, solange ihm niemand »Opa, bleib zu Hause« nachrufe, so lange wolle er auch weitermachen.



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