28. April 2021, 07:00 Uhr

Gruppenliga Frankfurt-West

Wie der SKV Beienheim sein Image zum Programm gemacht hat

Beienheim dürfte einer der kleinsten Orte in der Region sein, der im überregionalen Fußball vertreten ist. Damit der SKV dort auch weiterhin eine gute Rolle spielt, sind nun die Weichen gestellt worden.
28. April 2021, 07:00 Uhr
Da geht’s lang: Trainer Matthias Tietz und die Verantwortlichen des Gruppenligisten SKV Beienheim verfolgen ihre Philosophie, vermehrt auf junge Spieler aus der Wetterau zu setzen, bei ihren Planungen für die kommende Spielzeit. (ARCHIVFOTO: CHUC) (Foto: A. Chuc (www.chuc.de))

Es ist das Image vom kleinen Dorfverein, bei dem Kameradschaft und soziales Miteinander noch eine Rolle spielen, bei dem Mannschaft, Verein und Fans noch eine Beziehung zueinander haben und bei dem nach dem Spiel auch noch gemütlich ein Bier getrunken wird, das Stefan Raab so an seinem SKV Beienheim mag - und pflegt.

Auch deshalb gibt es mit Blick auf die neue Saison »einen kleinen Umbruch«, wie der Pressesprecher des Klubs aus dem Reichelsheimer Stadtteil es ausdrückt. Denn das Konzept, mehr auf Spieler aus dem heimischen Landkreis zu bauen, werde konsequent weiterverfolgt. Das geht nicht ohne Veränderungen: Aufgrund der räumlichen Distanz schnüren Leistungsträger wie Admir Pllana und Serge Mouzong künftig ebenso nicht mehr ihre Fußballschuhe beim SKV wie Adrian Suarez. Auch Erkan Gök, der nach einer neuen sportlichen Herausforderung sucht, und Raabs eigener Ziehsohn Timon Wolf (FC Kaichen) verlassen den Verein.

Mit Jan Eiser (SV Steinfurth) und Jan Henry Schäfer (A-Jugend Karbener SV) kommen zwei junge Spieler hinzu, 17 Akteure aus dem Vorjahr haben ihre Verträge verlängert. Rund um die Erfahrenen wie Andrei Dogot, Maxi Espositio, Ante Paradzic, Cristian Bodea, Bogdan Muntean oder Dominik Reichardt sollen laut Raab »lauter junge Wilde« ihren Weg in Beienheim gehen. Nach langer Pause wieder dabei sind auch Darius Rienmüller und Karim Döring. Zudem könnte es in den nächsten Wochen noch den einen oder anderen Neuzugang geben, erklärt Raab, ohne jedoch Namen zu nennen. Sein Zwischenfazit: »Ich sehe uns sehr gut aufgestellt. Wir haben eine gute Mischung, und die Spieler kommen alle aus unserem Beritt. Wir haben eine gute Mannschaft zusammen, auf die ich mich schon freue.«

Bilkenroth coacht die »Zweite«

Auch im Trainer-Team gibt es Neuigkeiten: Während Chefcoach Matthias Tietz, dessen »Co« Erhard Geck und Torwarttrainer Christian Belzer dem Klub erhalten bleiben, kehrt mit Sascha Bilkenroth ein »Beienheimer Urgestein« (Raab) als neuer Übungsleiter für die zweite Mannschaft zurück, sodass »Interimslösung« Uwe Fey sich künftig wieder ganz auf seine Aufgaben als Vorsitzender des Spielausschusses konzentrieren kann. Denn - auch das ist Raab wichtig: »Wir wollen den Fußballsport mit jungen Leuten, die zu uns passen, weiter ausbauen. Dazu gehört, in der Gruppenliga und in der A-Liga Fußball zu spielen. Und alleine das ist aus meiner Sicht schon eine riesige Leistung.«

Natürlich gehe das nicht ganz ohne finanzielle Mittel, aber Raab betont, dass der Verein trotz Corona-Krise und fehlenden Einnahmen aus Veranstaltungen oder gastronomischen Angeboten durch den Ausbau von Werbebanden rund um den Beienheimer Sportplatz nach wie vor solide aufgestellt sei. Das Gehaltsgefüge innerhalb der Mannschaft sei zwar manchmal ein »Drahtseilakt«, aber letztlich gehe es ums Leistungsprinzip, aber auch um Wertschätzung und Kommunikation. »Vor solchen Gesprächen habe ich keine Angst. Man braucht eben Häuptlinge und Indianer. Das ist überall so. Mir ist dabei nur wichtig, offen und mit Wertschätzung miteinander zu kommunizieren«, sagt Raab.

Keinen Hehl macht er aus seiner Wertschätzung für Trainer Tietz, der sich im vergangenen Sommer nach gut zweijähriger Pause von Raab zurück an die Seitenlinie hat lotsen lassen. »Er macht hier einen guten Job, ist sehr engagiert, ein im positiven Sinne Verrückter«, sagt Raab über den Coach, der seinen Kontrakt bereits im Dezember verlängert hatte und sich nicht zu schade ist mitzuhelfen, den Sportplatz wieder auf Vordermann zu bringen.

Tietz will »für Furore sorgen«

Seine Mannschaft versucht der studierte Sportwissenschaftler derweil mit Fitnesseinheiten via »Zoom« bei Laune zu halten. »Ich habe mir Leon Goretzka als Vorbild genommen und möchte stärker als je zuvor zurückkommen. In dieser Corona-Zeit ist jeder ein Stück weit seines eigenes Glückes Schmied«, sagt er, macht sich aber keine Illusionen, dass die Schere beim Leistungsvermögen der Spieler beim Restart »sehr weit auseinandergehen wird« und damit auch das Verletzungsrisiko steigt. Und auch wenn außerdem der Kontakt auf diese Art und Weise längst nicht so gut wie in der Kabine sei, sei es doch »besser als nix«.

Nichtsdestotrotz hat Tietz weiterhin »richtig Bock« auf den SKV Beienheim, nachdem sein Comeback im Wetterauer Fußball durch den zweiten Lockdown im Herbst nach nur elf Spielen jäh unterbrochen worden war. »Dafür kann natürlich keiner etwas, weshalb ich die Situation auch so annehme. Aber natürlich wünsche ich mir, dass es endlich wieder richtig losgeht und wir mal wieder eine ganz normale Saison haben«, sagt Tietz.

Er möchte die Erwartungshaltung im Vergleich zum Vorjahr »ein bisschen runterschrauben«, nachdem man aufgrund einiger großer Namen im Kader »ein bisschen blauäugig« in die Spielzeit gegangen sei und die sportlichen Resultate nicht immer gestimmt hätten. Auch deshalb findet er die Annullierung der Spielzeit nicht schlecht, weil »es so eine tolle Möglichkeit gibt, diesmal alles besser zu machen«, sagt er. Sein Ziel: »Wir wollen in der Gruppenliga für Furore sorgen.«

Das hofft auch Raab. Er ist überzeugt, dass die Leute »hungrig sind, mal wieder rauszukommen« und nicht nur Spieler und Trainer nach »Amateurfußball lechzen«. Das Credo für den Klub bleibe weiter, »ehrlichen Sport« zu betreiben und anzubieten. Aus seiner Sicht ist es »doch schön, dass es das noch gibt, dass man in einem kleinen Dorf wie unserem leistungsbezogen Fußball spielen kann.«

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