28. Oktober 2021, 12:17 Uhr

Handball

Wetterauer Bezirksoberligisten gehen mit vielen Fragezeichen in die Saison

Mit der HSG Mörlen, der MSG Florstadt/Gettenau und der HSG Wettertal starten drei Wetterauer Handball-Mannschaften in die Bezirksoberliga. Am Wochenende kommt es gleich zum Derby.
28. Oktober 2021, 12:17 Uhr
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Von Harold Sekatsch
Die HSG Mörlen geht mit folgendem Kader in die Saison (hinten, v. l.): Lars Rossin, Alexander Schmidt, Sebastian Alt, Julius Wulf, Bernhardt Dietz, Tobias Anhäuser, Fabian Klug; Mitte (v. l.): Trainer Kevin Dannwolf, Jonathan Nader, Lukas König, Mika Berger, Lukas Krauße, Dario Walke, Co-Trainer Marvin Menges, Physiotherapeutin Anna Svensson-Rossin; vorne (v. l.): Niklas Otto, Luca Schätzle, Edwin Braun, Nick Breitenfelder, Niklas König, Sebastian Bischof, Lars Berlich. Es fehlen Athletiktrainer Alexander Löwe und Birgit Schneider (Physio). FOTO: PRIVAT

Neuland betreten die Handballer der Bezirksoberliga Gießen in der Saison 2021/22, die am Wochenende eröffnet wird. Dabei gehen insgesamt 15 Mannschaften an den Start, die erstmals in zwei Staffeln aufgeteilt sind. In der Gruppe 2 haben es die HSG Wettertal, die HSG Mörlen und die MSG Florstadt/Gettenau mit dem TSV Lang-Göns, der HSG Kleenheim-Langgöns II, der HSG Linden II und mit der SG Rechtenbach zu tun. In Gruppe 1 spielen die anderen Vereine aus dem Landkreis Gießen mit Vertretern aus den Kreisen Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf. Gespielt wird zunächst jeder gegen jeden mit Vor- und Rückrunde. Die jeweils vier bestplatzierten Mannschaften jeder Staffel bestreiten anschließend die Aufstiegsrunde. Dabei werden die gegen die ebenfalls qualifizierten Mannschaften derselben Gruppe erzielten Punkte und Tore »mitgenommen«, sodass in der »Playoff-Runde« nur Spiele gegen die Teams aus der jeweils anderen Hauptrunden-Gruppe ausgetragen werden. In der Abstiegsrunde, in der alle anderen Mannschaften an den Start gehen, gilt diese Regelung analog. Auch die Auf- und Abstiegsrunden werden mit Hin- und Rückspielen ausgetragen.

Der Meister steigt am Ende in die Landesliga auf, der Zweite spielt Entscheidungsspiele gegen den Zweiten der Bezirksliga Wiesbaden/Frankfurt. Die Zahl der Absteiger ist variabel und soll so gestaltet werden, dass in der Saison 2022/23 die Regelstärke 14 Mannschaften beträgt. Andere Regelungen greifen dann, wenn durch Ab- und Aufstieg die Maximalstärke von 16 Teams erreicht (nur drei Absteiger) bzw. überschritten (mehr als drei Absteiger) wird.

Die Hauptrunde wird am 20. Februar 2022 abgeschlossen, am 5. März starten Auf- und Abstiegsrunde, die am 14. Mai beendet sein sollen. Die Aufstiegsspiele des Vizemeisters werden am 20. und 22. Mai ausgetragen. Die Relegation entfällt.

In Gruppe 2 gehört der TSV Lang-Göns zu den Teams, die vorne erwartet werden. Die zweiten Mannschaften der HSG Linden und der HSG Kleenheim/Langgöns könnten ebenfalls oben mitspielen. Aber für beide gilt: Die personelle Situation ist direkt abhängig von den ersten Mannschaften. Rechtenbach setzt derweil nach drei Abgängen auf die Jugend. In dieser Staffel wollen die drei Wetterauer Vertreter bestehen. Die MSG Florstadt/Gettenau scheint sich in personeller Hinsicht verbessert zu haben. Die HSG Wettertal hat mehrere Akteure an die eigene »Zweite« abgegeben. Und die HSG Mörlen hat ihren Kader nach dem Abschied einiger Stammspieler massiv verjüngt.

Mit dem späten Start in die Meisterschaftssaison wollten die Verantwortlichen im Verband und Bezirk den Vereinen mehr Zeit für die Vorbereitung einräumen, auch, wie es im Sommer der damalige Bezirksvorsitzende Kai Gerhardt erläutert hat, um nach so einer langen Wettkampfpause »das sicherlich vorhandene Verletzungsrisiko so gering wie möglich« zu halten. Nun erhoffen sich nicht nur die Handballer, dass die befürchtete Infektionswelle flach bleibt, damit die Rückkehr zur Normalität bei allen notwendigen Einschränkungen zumindest in elementaren Bereichen möglich ist. »Wir hoffen, dass die Saison zu Ende gespielt wird«, sagt Torben Wegner, Trainer der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen III. Diesem Wunsch dürften sich wohl alle anschließen.

Florstadt/Gettenau: Viel Spielpraxis

»Die Vorbereitung verlief gut«, berichtet Thorsten Dietzel, Trainer der MSG Florstadt/Gettenau. Nach der langen Handballpause hat er seine Spieler relativ früh zum Training gebeten, um mögliche Defizite abzustellen. »Die Pause von eineinhalb Jahren hat ihre Spuren hinterlassen«, räumt Dietzel dann auch ein. Um der Mannschaft wieder mehr Wettkampfpraxis zu vermitteln, wurden verstärkt Trainingsspiele ausgetragen, wobei die Ergebnisse nicht im Vordergrund gestanden hatten. Drei Zugänge bei einem Abgang meldete die MSG. »Der Kader ist größer geworden«, freut sich der Trainer. Alexander Briesen von der TG Friedberg, Max Jankowetz vom TSV Södel und Aron Kling aus der eigenen Jugend sollen mithelfen, dass die Mannschaft »homogener wird«. Hierauf legt der Trainer besonderen Wert.

Mit welchen Zielen die MSG in die neue Runde geht, ließ Dietzel offen. »Das ist schwer zu definieren«, sagt er mit Blick auf die 18-monatige Unterbrechung. Zum Saisonauftakt am Samstag (20 Uhr) erwartet Florstadt/Gettenau gleich die HSG Wettertal zum Wetterau-Derby. Auch im nächsten Heimspiel 14 Tage später hat es die MSG mit einem weiteren Rivalen aus der Nachbarschaft zu tun. Dann gastiert die HSG Mörlen in der Florstädter Sporthalle. Die erste Standortbestimmung spätestens dann abgeschlossen sein, und für die MSG wird - wie für alle anderen Teams - der Punktspielalltag einkehren.

HSG Mörlen: Großer personeller Aderlass

Seit rund eineinhalb Jahren ist Kevin Dannwolf Trainer der HSG Mörlen. Allerdings hat er noch nicht einmal bei einem Punktspiel seiner Mannschaft auf der Bank gesessen. Auf den »neuen« Coach der Mörler kommt eine sicher alles andere als leichte Aufgabe zu, denn bei der HSG hat eine Zäsur stattgefunden. Erfahrene Spieler, Leistungsträger und erfolgreiche Torjäger gehören nicht mehr dem Kader an. Bei der HSG setzt man nunmehr ganz auf den eigenen Nachwuchs. Und so ist man vorsichtig bei der Nennung des Saisonziels: »Ganz klar: Klassenerhalt«, erklärt Dannwolf, der auf eine Vorbereitung zurückblickt, die er mit »hop und top« bewertet. Das Wichtigste: »Die Jungs ziehen mit«, ergänzt er. Denn der Ligaverbleib ist das eine Ziel, andererseits sieht er die Weiterentwicklung der Mannschaft als eine der vordringlichen Aufgaben an. So hatte der Coach die Spieler schon früh zum Training versammelt, in dem besonderer Wert auf die »handballtechnische Belastung« gelegt wurde und wird. Die Zeit ohne Punktspiele hat sich sicherlich bemerkbar gemacht. Mit einem Altersdurchschnitt von ca. 22 Jahren dürfte die HSG Mörlen eine der jüngsten Mannschaften der Bezirksoberliga stellen. Die Spieler, so eine Vorgabe der Vorbereitung, sollen als Team zusammenwachsen, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Mörlen ist am Wochenende noch spielfrei und steigt am 6. November mit einem Heimspiel gegen die SG Rechtenbach in die Runde ein.

HSG Wettertal: Keine optimale Vorbereitung

»Die Vorbereitung war nicht optimal«, berichtet Wettertals Trainer Sven Tauber und konkretisiert: »Mit Julian Schremmer, Andreas Boller, Freddy Noll, Michel Görlach, Tom Kneissl, Timo Metzger, Danny Hendrischke und Bardo Raab fielen gleich mehrere Spieler über Wochen aus. Aus diesem Grund war ein Einspielen nicht möglich.« Ein anderer Aspekt, der eine optimale Vorbereitung erschwerte: »Da man wieder reisen durfte, wurde diese Option sehr oft gezogen«, stellte Tauber fest. Das hatte zur Folge, dass dem Übungsleiter häufig nur eine »tiefe einstellige Zahl an Spielern« im Training zur Verfügung stand. »Sogar Freundschaftsspiele mussten abgesagt werden. Das gab es bisher nicht, so lange ich bei Wettertal bin.« Und auch in den ausgetragenen Begegnungen lief nicht alles nach Wunsch. So konnten die Testspiele nur mit Anleihen aus der A-Jugend und der zweiten Mannschaft stattfinden. »Erst jetzt lichten sich die Reihen im Lazarett«, verrät der Wettertaler Trainer.

Taubers Einschätzung zum Abschneiden einer Mannschaft in der Liga ist aber bestenfalls verhalten optimistisch. »Bei einem kompletten Kader dürfen wir sicherlich von den Top drei unserer Staffel träumen«, befindet der Coach. »Der aktuelle Stand sagt allerdings, dass dieses Vorhaben auch schwer werden könnte.«



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