16. April 2021, 07:01 Uhr

Tennis

Warum eine Grand Slam-Finalistin für den TC Bad Vilbel aufschlägt

Die Meldeliste ist ein schon Hingucker. Jennifer Brady, Nummer 13 der Welt, führt in Bad Vilbel die Reihe von sechs Spielerinnen aus den Top 100 an. Ende Mai geht der Tennisclub aus der Quellenstadt als Titelverteidiger in die Saison 2021 der Damen-Bundesliga.
16. April 2021, 07:01 Uhr
Jennifer Brady hatte vor wenigen Wochen das Finale der Australien Open in Melbourne erreicht. Jetzt steht die US-Amerikanerin im Bundesliga-Kader des TC Bad Vilbel. FOTO: IMAGO (Foto: DAVE HUNT via www.imago-images.de (www.imago-images.de))

Das ist ein wahrer Coup! Jennifer Brady führt beim TC Bad Vilbel die Meldeliste für die Bundesliga-Saison 2021 an. Die US-Amerikanerin hatte erst vor wenigen Wochen mit der Final-Teilnahme bei den Australien Open in Melbourne den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert und wird in der Tennis-Weltrangliste aktuell auf Position 13 geführt. Brady ist eine von insgesamt sechs WTA-Top-100-Spielerinnen, die in der Brunnenstadt zur Verteidigung des Titels aus dem Jahr 2019 verhelfen sollen. Der Saisonstart mit sieben Klubs ist für 30. Mai geplant, also vier Wochen später als ursprünglich vorgesehen. Und Brady - das sagt der TCBV-Vorsitzende Dirk Hinkel - wäre »bestimmt nicht gemeldet worden, wenn wir sie nicht wirklich auch einsetzen wollen. Ob und wie oft das möglich ist, wird man sehen.«

Hoffnung auf Zuschauer

Marcello Craca, Ex-Profi und Chef-Trainer beim TC Bad Vilbel, spricht von einem »sehr gut besetzten Kader«, gibt aber »unzählige Faktoren« zu bedenken, die die Saison beeinflussen können - in erster Linie Verschiebungen in den Turnierkalendern von WTA und ITF und die entsprechende Verfügbarkeit der Spielerinnen. Wer also in den drei Heimspielen (6. Juni Dresden-Blasewitz, 3. Juli München und 17. Juli Waldau Stuttgart) sowie den drei Auswärtspartien (30. Mai Marienburg, 10. Juli Aachen und 24. Juli Essen) tatsächlich zum Einsatz kommt, ist Spekulation - Turniere und die Aussicht auf Punkte und Preisgeld haben Priorität.

Den Termin-Kalender haben die Bundesligisten ganz bewusst gestreckt und das Saisonende in den Sommer verschoben. Zwar ist der Spielbetrieb dem »Profi- und Spitzensport« zuzuordnen und genießt während der Pandemie einen gewissen Sonderstatus, doch soll die Planung an Zeit und damit an Sicherheit gewinnen. Ausnahmslos sind die Klubs auf Top-Positionen mit Spielerinnen aus Polen, Tschechien, der Slowakei und Belgien besetzt, die in aller Regel erst zum Spieltag aus allen Himmelsrichtungen anreisen.

Zum zweiten hoffen die Klubs, vor Zuschauern spielen zu können, schließlich nehmen sie viel Geld in die Hand. »Wir wollen der Region und natürlich auch unseren Mitgliedern etwas bieten, dem Nachwuchs Anreize schaffen, Werbung für den Sport betreiben, den Sponsoren eine Plattform ermöglichen und uns als Verein präsentieren. Das sind wesentliche Kriterien und Motivation für uns«, sagt Hinkel als Präsident des rund 800 Mitglieder starken Vereins.

»Durch die Verschiebung haben wir die Chance, vor Zuschauern spielen zu können, massiv erhöht. Und ein Spielbetrieb ohne Fans und Mitglieder auf der Anlage ergibt in meinen Augen keinen Sinn.« Das wird innerhalb der Bundesliga-Vereine großteils, aber auch nicht überall so gesehen.

Die Personalie Brady hat Craca als Chef der Bundesliga-Mannschaft über Michael Geserer eingefädelt. Der wiederum ist Trainer der US-Amerikanerin, hatte in der Vergangenheit für die Herren 40 des TCBV aufgeschlagen und mit der Mannschaft mehrfach die Deutsche Altersklassen-Meisterschaft gewonnen.

Herzstück erhalten

Brady ist unter allen für 2021 gemeldeten Bundesliga-Spielerin die im WTA-Ranking Bestplatzierte. Hinter Brady sind Marie Bouzkova (Tschechien/WTA-Rang 50), Polona Hercog (Slowenien/WTA 57), Kaja Juvan (Slowenien /WTA 91), Kirstin Flipkens (Belgien/WTA 92) und Jasmine Paolini (Italien/WTA 98) als weitere Top-100-Spielerinnen für Bad Vilbel gemeldet. Im 18er-Kader finden sich unter anderem auch Lesley Kerkhove, Antonia Lottner, Bibiane Schoofs, Jule Niemeier und die Usingerin Mara Guth, die bereits 2019 beim Titelgewinn eingesetzt worden waren. Nicht mehr dabei sind unter anderem Johanna Larsson, die ihre Laufbahn beendet hat, sowie Tatjana Maria, die kürzlich zum zweiten Mal Mutter wurde. Deutsche Top-Spielerinnen wie Laura Siegemund (WTA 56/Essen), Julia Görges (WTA 70), Andrea Petkovic (WTA 80/beide Dresden), Mona Barthel (WTA 101/Waldau) oder auch Anna-Lena Friedsam (WTA 116/Essen) finden sich in den Kadern der Konkurrenz. Das dürfte jedoch auch eine Preisfrage sein.

»Im Vorjahr haben wir uns, die Vorbereitungen betreffend, quasi umsonst warmgelaufen. Unsere Partner haben wir an Bord gehalten und um das Herzstück unserer Meistermannschaft einen guten Kader gebaut. Jetzt wünschen wir uns, wieder spielen zu können«, sagt Hinkel. Die Premieren-Saison 2019 hatte teils 400 Zuschauer auf die Anlage an der Huizener Straße gelockt.

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