07. Oktober 2021, 07:00 Uhr

Eishockey

Warum die NHL einen Jugendtrainer der Roten Teufel fördert

Murat Pak, Nachwuchstrainer beim Eishockeyverein Rote Teufel Bad Nauheim, wurde in ein Förderprogramm mit NHL-Coaches aufgenommen.
07. Oktober 2021, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Murat Pak hat einst selbst für den EC Bad Nauheim gespielt. Heute ist der 47-Jährige Teil des Ärzte-Teams und coacht im Nachwuchsbereich. FOTO: CHUC

Erst wurde präsentiert, dann diskutiert - online natürlich. Hier das Trainer-Team von Minnesota Wild aus der National Hockey League (NHL), das detailliert seinen Plan für die Saison-Vorbereitung vorgestellt hat, dort eine Handvoll Eishockey-Übungsleiter; darunter Murat Pak, Nachwuchscoach von den Roten Teufeln Bad Nauheim. Der 47-jährige U9-Trainer mit türkischen Wurzeln ist als einer von fünf Coaches in ein Projekt von der NHL-Trainergwerkschaft (NHLCA) und dem Verein »Hockey is Diversity« (HiD) aufgenommen worden. Das Ziel: die Förderung von Minderheiten im Eishockey.

»Gemeinsam mit der NHLCA hoffen wir, ein Umfeld für Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und ethnischen Hintergründen zu schaffen, in der Inklusion und Diversität Normalität ist und gelebt wird. Unser Ziel ist es, den Einstieg in den Trainerberuf für Menschen, die in unserem Sport unterrepräsentiert sind, zu erleichtern«, sagt Martin Hyun, der HiD-Gründer und -Geschäftsführer.

Hyun spielte in der Saison 2004/05 für die Krefeld Pinguine und war der erste asiatischstämmige Profi in der Deutschen Eishockey-Liga. Er sei oft Zielscheibe von Rassismus gewesen, berichtete er später. Und deshalb habe er 2010 den Verein Hockey is Diversity gegründet.

Vier Deutsche und ein Franzose dürfen nun an Förderprogrammen mit Trainer und Trainerinnen aus der besten Eishockey-Liga der Welt teilnehmen. Die Programme gibt es in den USA seit 2020 - und die Themenpalette ist vielfältig. Sie reicht von strategischen Maßnahmen zum Team-Buildung, über die Vermittlung von Selbstvertrauen, taktischem Agieren in Über- und Unterzahl, Verhalten mit und ohne Puck bis zur Spielkontrolle in der neutralen Zone.

Hyun selbst hatte Kontakt zu Pak aufgenommen und diesen im Sommer zum DEL-Future-Camp der besten deutschen U13 bis U15-Spieler in Garmisch-Partenkirchen eingeladen, wo Pak - der im nächsten Schritt die Trainer-B-Lizenz anstrebt - unter DEL-Nachwuchskoordinator Uli Liebsch Teil des Übungsleiterteams war und sich für eine Förderung im Mentoren-Programm empfehlen konnte. »Im U9-Bereich geht es in erster Linie draum, die Kinder mit spielerischen Elementen im Zaum zu halten. Da ist die Aufgabenstellung bei den Jugendlichen schon eine ganz andere. Es hat riesigen Spaß gemacht und war eine tolle Erfahrung«, sagt Pak, der in der Saison 1994/95 unter Trainer Ricki Alexander 27 Spiele fürden EC Bad Nauheim in der damaligen 1. Liga Nord bestritten hat.

Heute ist der Zahnarzt (»Praxis Alte Musikschule) in seiner fünften Saison als Nachwuchscoach bei den Roten Teufeln (Laufschule, U7, jetzt U9) tätig. »Das ist meine absolute Leidenschaft, gerade das Training mit den Kindern, denen man eine Ausbildung für das Leben mitgeben kann.«

Er selbst habe einst auf und abseits des Eises auch schon Erfahrungen mit Rassismus gemacht, von Gegenspielern, von Zuschauern, einmal selbst von einem Trainer. »Wenn ein Trainer hinter deinem Rücken sagt, den brauchen wir nicht fördern, das ist ein Türke, dann tut das schon weh«, sagt Pak, der die Profis des EC Bad Nauheim zudem als Teil des Ärzte-Teams betreut und auf diesem Weg den Trainern auch immer wieder über die Schulter schauen kann.

Einmal monatlich werden Pak und seine Trainer-Kollegen künftig ihren Mentoren aus der NHL und den stärksten nordamerikanischen Nachwuchsligen zugeschaltet und von diesen gefordert und gefördert.



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