26. Mai 2021, 07:00 Uhr

Fußball

Ungewollter Neuanfang beim SV Gronau

Corona, Hochwasser, Trainerwechsel - den SV Gronau hat es hart erwischt, ein personeller Umbruch ist die Folge. Doch deshalb wollen die Kicker den Gruppenliga-Status noch lange nicht aufgeben.
26. Mai 2021, 07:00 Uhr
Beim SV Gronau wird es vor dem Saisonstart vor allem darum gehen, wieder eine Einheit zu formen. Sportlich zählt derweil nur der Klassenerhalt in der Gruppenliga. ARCHIVFOTOS: CHUC/BORN

Es war der 8. Juni 2019, als dem SV Gronau der Sprung in die Fußball-Gruppenliga Frankfurt-West gelang. Das 2:0 gegen die favorisierte SG Westend war ein Husarenstück der Mannschaft von Trainer Florian Schwing. Knapp zwei Jahre und zwei abgebrochene Spielzeiten später gehören die Kicker aus dem Bad Vilbeler Stadtteil zwar weiter der niedrigsten überregionalen Spielklasse an - ihre Sorgen sind aber deutlich größer geworden, die Aufstiegseuphorie ist verflogen.

Hochwasser in der Corona-Krise

Die Corona-Krise hat den Verein hart getroffen, Einnahmen aus Festen und von Heimspielen fehlen, das Klubhaus ist Anfang des Jahres vom Hochwasser heimgesucht worden und muss nun aufwendig saniert werden, Aufstiegstrainer Schwing ist zudem aus privaten und beruflichen Gründen nach vier erfolgreichen Jahren zurückgetreten. Die Folge: Der Erstmannschaftskader hat rund zehn Abgänge zu verkraften. »Wir sind gezwungen, unsere Mannschaft neu aufzustellen«, gibt Stephan Firla, der Spielausschussvorsitzende, unumwunden zu. »Das ist sehr unbefriedigend.« Aber einige Spieler hätten mit ihren Leistungen in den vergangenen zwei Spielzeiten eben auch Begehrlichkeiten geweckt, bei anderen sei es schlicht die weite Fahrt, die in der Krise mehr als früher ins Gewicht falle. »Diese Entwicklung finde ich persönlich sehr schade, aber wir müssen nun eben versuchen, wieder jungem, talentierte Spieler aus dem näheren Umfeld zu verpflichten, die sich in der Gruppenliga versuchen wollen«, sagt Firla und gibt sich kämpferisch: »Wir wollen eine Mannschaft aufstellen, die die Liga halten kann.«

Ein freiwilliger Rückzug, wie er noch bis 6. Juni möglich ist, kommt für den ehemaligen SVG-Spieler, der selbst den Weg aus der B-Klasse bis in die Gruppenliga mitgemacht hat, aber nicht infrage: »Der Weg nach oben war schwierig genug. Wir sind nicht bereit, das herzuschenken, indem wir jetzt kampflos absteigen«, sagt er, betont aber auch, dass er wisse, dass die Pandemie seinem Klub mit Saisonabbruch und -annullierung schon zum zweiten Mal infolge den Klassenerhalt gesichert habe. Im vergangenen Jahr hatte es für die Gronauer mit 23 Punkten aus 22 Spielen und Rang 13 noch ganz gut ausgesehen, in diesem Jahr wäre der Klassenerhalt bei sieben Punkten aus zwölf Partien und Rang 17 schon deutlich schwieriger zu realisieren gewesen. In der kommenden Saison soll die Liga dann aber endlich aus eigener Kraft gehalten werden.

Dafür stünden laut Firla dank der »hervorragenden Arbeit« seines Teams um Marcel Erb und David Ahäuser aktuell 16 bis 17 Spieler unter Vertrag, mit weiteren potenziellen Zugängen sei man in den Gesprächen schon sehr weit - ebenso wie mit einem neuen Coach, der außerdem bereits in die Kaderplanungen eingebunden sei. Konkrete Namen lässt sich der SVG-Spielausschussvorsitzende nicht entlocken, verspricht stattdessen Neuigkeiten bis Anfang Juni.

Großer Einsatz für das Klubhaus

Aktuell geht Firla von einem Saisonstart im August oder September aus. Bis dahin sei das Klubhaus - dank des großen Einsatzes von Gesamtvorstand und Förderverein sowie etlicher Spenden aus der Bevölkerung - hoffentlich fertig renoviert und Rasen- und Kunstrasenplatz wieder im gewohnt guten Zustand. »Die Anteilnahme und Unterstützung war außergewöhnlich. Das ist wirklich sehr schön, denn es ist wichtig, dass das Klubhaus als Mittelpunkt für den Gesamtverein wieder hergerichtet wird«, sagt Firla. »Alle sind sehr aktiv gewesen, sodass es aktuell gut aussieht, dass wir zum Saisonstart wieder das Rundum-Paket an Fußball in Gronau bieten können.«

Bevor es jedoch wieder richtig losgeht, möchte Firla Spielern, Trainern und Betreuern einen behutsamen Trainingsstart mit langsamem Leistungsaufbau ermöglichen, um das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten. Da das aktuell aber noch nicht möglich sei, hätten sein Team und er im Hintergrund immerhin den Vorteil, die neue Spielzeit inklusive Kader »in aller Ruhe« planen zu können. Das Ziel: »Wir müssen zusehen, dass die zehn Leute, die sofort gesagt haben, dass sie bleiben, mit den Neuzugängen an ihrer Seite die Möglichkeit haben, eine gute Rolle in der Gruppenliga zu spielen. Die Qualität dafür ist definitiv da«, sagt Firla.

Dennoch sehnt auch er sich nach Normalität - und weniger Hiobsbotschaften als in den letzten Monaten. »Ich will nach vorne schauen, nicht zurück. Es macht weiterhin Spaß, auch wenn es aktuell schwierig ist. Aber im Ehrenamt gibt es einfach auch mal Jahre, die etwas ernüchternd sind«, sagt Firla, der aber seinen Verein gerade in Sachen »Team hinter dem Team« hervorragend aufgestellt sieht. Für alles andere sei man »auf einem guten Weg« - für das dritte und hoffentlich erste komplette Gruppenliga-Jahr in der jüngeren Vergangenheit.

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