21. Oktober 2021, 07:00 Uhr

Fussball-Kreisliga B

TSV Ostheim: Wie ein Torwart plötzlich zum Torjäger wird

Dennis Müller ist der etamäßige Torwart beim Fußball-B-Ligisten TSV Ostheim. In dieser Saison hat der 30-Jährige aber auch zwölf Treffer erzielt.
21. Oktober 2021, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Torwart Dennis Müller hilft in dieser Saison aus Personalmangel im Angriff des B-Ligisten TSV Ostheim aus - und hat in sechs Spielen zwölf Treffer erzielt. FOTO: JAUX

Dennis Müller ist Torwart. Und das im Grunde genommen schon ein ganzes Fußball-Leben lang. Für TSV Ostheim spielt in der Kreisliga B, Gruppe 1. Jetzt aber sorgt der 30-Jährige in den gegnerischen Strafräumen für Furore. Zweimal eingewechselt, viermal in der Start-Elf - Müller kommt in dieser Zeit auf sage und schreibe zwölf Saisontreffer. »Es läuft, warum auch immer«, sagt Müller. So sei aus der Not heraus »etwas Gutes entstanden«.

Auf der Torwart-Position - so hatte der Klub geplant - sollten Müller und Neuzugang David Banu ihre Einsätze erhalten. Müller stand zu Saisonbeginn in den August-Begegnungen zwischen den Pfosten und hatte sich dann absprachegemäß »auf gemütliches Zuschauen von der Seitenlinie« eingestellt, als er plötzlich als Felspieler einspringen musste. Der kleine Kader erfordert eben Improvisation.

Nach einem Kurz-Einsatz in Wisselsheim kam er gegen Melbach zur zweiten Spielhälfte - und traf. Mit zwei Toren führte er im darauffolgenden Spiel, seinem Start-Elf-Debüt, seine Mannschaft zum 3:1-Erfolg gegen Bingenheim, erzielte beim 1:5 in Rödgen den Ehrentreffer, traf viermal beim 6:2 beim SV Staden II und konnte dann gar nachlegen: Fünf Tore beim 9:1-Sieg gegen Hoch-Weisel II.

»Irgendwie stehe ich immer richtig. Ich weiß aus meiner Torwart-Erfahrung heraus, wo ein Stürmer sein muss.« Zweimal schon war der Rechtsfuß sogar per Kopf erfolgreich, zuletzt wurde er für einen spektakulären Seitfallzieher von seinen Mitspielern gefeiert. Müller bleibt zugleich realistisch. »Das war gegen Mannschaften aus den hinteren Tabellenhälfte.«

Mit der Frage, auf welcher Position er sich denn nun wohler fühle, tut sich der Butzbacher erkennbar schwer. »Man sieht das Spiel ja aus zwei völlig unterschiedlichen Perspektiven. Ich hätte mir nie vorstellen können, mal nicht als Torhüter zu spielen.« Als Keeper verspüre er mehr Druck, könne sich keine Fehler erlauben. »Aber wenn ich vorne mal vorbei schieße, dann heißt’s sowieso: ›Ach, der ist ja auch eigentlich nur Torwart‹. Dann warte ich einfach auf die nächste Chance.« An eine Rückkehr zwischen die Pfosten denkt beim TSV Ostheim aktuell niemand. Dafür läuft’s einfach zu gut.

Lukas Kuhn hat mehr als die Hälfte der Müller-Tore vorbereitet. »Er weiß, wo ich stehe, und schießt mich an«, lacht der Top-Fünf-Torjäger der gesamten Spielklasse.

Mit dem TSV Ostheim belegt er aktuell Platz sechs im Klassement, vorne werden der FSV Dorheim, der VfR Butzbach, Ajax Rödgen und der SV Echzell wohl den Meister unter sich ausmachen. »Wir wollen auf einen einstelligen Tabellenplatz. Und das sollte auch drin sein.« Ganz gewiss, wenn Torwart Müller weiterhin so trifft.



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