25. April 2021, 21:07 Uhr

Fussball

Trotz Lockdown: Warum dieser Karbener dennoch auf dem Fußballplatz steht

Der Amateurfußball ruht seit fast sechs Monaten. Felix Feuerbach aus Karben steht dennoch auf dem Platz. Der 22-Jährige leitet als Schiedsrichter Nachwuchsspiele von Eintracht Frankfurt.
25. April 2021, 21:07 Uhr
Felix Feuerbach

Die Spielvorbereitung beginnt am Vortag; etwas anders als üblich. Mit einem Corona-Test. Dieser ist, mit negativem Resultat natürlich, verpflichtend, um das Leistungszentrum in Frankfurt-Riederwald überhaupt betreten zu können. Hier läuft der Ball wieder; unter besonderen Hygienmaßnahmen. Der Nachwuchs von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt trainiert und spielt - und Felix Feuerbach ist mittendrin. Der Karbener ist Schiedsrichter. In den vergangenen Wochen leitete er Matches der U15-Mannschaft gegen den SV Darmstadt 98, Borussia Mönchengladbach und den 1. FC Saarbrücken. »Ich bin sehr froh über diese Möglichkeit«, sagt der 22-Jährige aus der Schiedsrichtervereinigung Friedberg. Hinter den Verbandsliga-Referees Marcel Cholewa, Marvin Roos, Christian Steib und Lars Wacker zählt Feuerbach mit acht weiteren Unparteiischen zum Kreis der Gruppenliga-Schiedsrichter.

In Innenräumen des Funktionsgebäudes hat er ausschließlich Kontakt zu seinen beiden Assistenten, wobei er an der Linie unter anderem auch von seinem jüngeren Bruder Tim unterstützt wird. Die Passkontrolle erfolgt digital. Erst am Spielfeldrand wird der Mund/Nasen-Schutz abgelegt. Auf dem Platz selbst ist die Pandemie weitgehend verdrängt. »Jeder ist getestet. Das gibt ein gutes Gefühl. Und dass man eher mal Abstand hält, hat man sich aus dem Alltag ohnehin schon angeeignet.« Jugendspiele - gerade auf diesem Leistungslevel - seien in der Regel einfacher zu leiten. »Das ist weniger knifflig als bei den Senioren. Die Kommunikation wird eher angenommen. Man muss nicht erst durch das Zücken von Karten ein Zeichen setzen.«

Die Konzentration bei seinen derzeitigen Einsätzen als Spielleiter könne somit komplett auf das Geschehen gerichtet sein - und ist dort auch erforderlich. »Ja«, räumt der Kaufmann für Büromanagement ein, »etwas ungewohnt« sei es schon noch. Lauftraining und Regelkunde allein können die fehlende Praxis und die Routine auf dem Fußballplatz nun mal nicht ausgleichen. »Da geht’s uns Schiedsrichtern aber nicht anders als allen anderen auf dem Feld und an der Seitenlinie. Auch da spürt man eine gewisse Anspannung. Jeder will sich beweisen.«

Vor neun Jahren hatte Feuerstein einen Neulingslehrgang absolviert. Das Schiedsrichterwesen, die Spielleitung im Gespann - das hatte den jungen Kicker der KSG 1920 Groß-Karben schon in jungen Jahren fasziniert. »Ich bin immer am Ball geblieben, habe viele Menschen kennengelernt und empfinde große Freude als Schiedsrichter. Es prägt die Persönlichkeit, und man entwickelt sich als Mensch weiter.« Negative Erfahrungen könne er ganz gut ausblenden. »Beleidigungen zielen ja auf meine Entscheidungen, nicht auf mich persönlich ab. Und irgendjemand sieht’s immer anders. Das lasse ich gar nicht an mich heran.«

Im Sommer 2020 Jahres ist Feuerstein in den Perspektivkader für die Gruppenliga aufgerückt, fühlte sich gut vorbereitet für die Herausforderung, der er sich mit Ehrgeiz stellt. »Mittelfristig möchte ich mich in Richtung Verbandsliga orientieren. Da fehlt mir jetzt natürlich eine Saison«, sagt er. Vor dem abrupten Saisonende war Feuerbach noch auf eine Handvoll überregionale Einsätze gekommen; in der Gruppenliga Wiesbaden ebenso wie in der Staffel Frankfurt-Ost. Jetzt zählt er zu den Privilgierten, die trotz der Pandemie - wenn auch in reduziertem Umfang - ihrer Leidenschaft nachgehen können.

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