Lokalsport

»Teuflisches« Trio für Deutschland

Nicht einmal 20 Jahre alt - und schon ein echtes Karriere-Highlight: Mit Simon Gnyp, Maximilian Glötzl und Julian Chrobot wollen gleich drei Profis in Diensten des EC Bad Nauheim Deutschland bei der U 20-WM in Kanada vertreten. Zwei der Kölner Förderlizenzspieler war das im vergangenen Jahr noch verwehrt worden.
09. Dezember 2020, 12:00 Uhr
Philipp Keßler
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Die besten Nachwuchsspieler der Welt zum Turnier im Mutterland des Eishockeys: Die U 20-WM im kanadischen Edmonton (25. Dezember bis 5. Januar) ist gerade in Nordamerika ein Großereignis - schließlich stehen dort nicht selten die NHL-Stars von Morgen auf dem Eis. Deutlich wird dies auch daran, dass das Turnier mit zehn Teams als eines der wenigen internationalen Veranstaltungen trotz Coronavirus-Pandemie durchgeführt wird - unter hohen Sicherheitsvorkehrungen, Ausschluss der Öffentlichkeit und mit Spielern, Schiedsrichtern, Betreuern und Co. in einer Blase, für rund drei Wochen abgeschirmt vom Rest der Welt. Auch die deutsche Auswahl wird per Charterflug von Zürich nach Edmonton fliegen.

Mitten drinnen wollen auch drei Förderlizenzspieler des EC Bad Nauheim sein: Die Verteidiger Maximilian Glötzl und Simon Gnyp sowie Angreifer Julian Chrobot, die sich durch gute Leistungen beim Turnier Hoffnungen auf DEL-Einsätze bei ihrem Stammverein Kölner Haie machen. Besonders ist die Lage vor allem für Gnyp und Glötzl, die bereits im vergangenen Jahr die Aussicht auf die wichtigsten Titelkämpfe im internationalen Nachwuchseishockey hatten, dann aber am letzten Tag vor dem Start vom Bundestrainer doch wieder nach Hause geschickt worden waren.

Wir stellen das »teuflische« Trio für Deutschland vor:

Maximilian Glötzl (18 Jahre, 9 Spiele für den EC Bad Nauheim): Für den gebürtigen Schongauer soll sich das Drama um die U 20-WM des vergangenen Jahres nicht noch einmal wiederholen. »Simon und ich haben uns noch im Bus auf der Heimfahrt geschworen, dass uns das nicht noch einmal passiert«, sagt Glötzl heute. »Das ist für mich ein zusätzlicher Ansporn, es in diesem Jahr ins finale Team zu schaffen.« Und die Chancen sind sicher nicht schlechter geworden: Der beim EC Peiting groß gewordene Verteidiger, der in diesem Jahr auf der Liste der europäischen Talente für den NHL-Draft stand, allerdings nicht gepickt worden war, hat in bislang neun Spielen (4 Assists) für die Wetterauer seine Klasse unter Beweis gestellt.

Auch für den 1,89 Meter großen Verteidiger ist die U 20-WM ein »absolutes Top-Event«, von dem er vermutet: »Wenn es nicht in Kanada wäre, hätte es vielleicht gar nicht stattgefunden.« Umso schöner sei dies, denn »die U 20-WM ist mit Olympia und der Herren-WM das größte in unserem Sport - es ist für uns drei in jedem Fall das Highlight der bisherigen Karriere.« Entsprechend hätte er und seine Teamkollegen auch seit Sommer daraufhin gearbeitet.

Julian Chrobot (19 Jahre, 7 Spiele für den EC Bad Nauheim): »Wir fahren mit einem guten Gefühl zur WM«, sagt der Augsburger - angesichts seiner beeindruckenden Statistik von vier Toren in sieben Spielen für den ECN verständlich. Der 1,82 Meter große Stürmer schnürte ausgerechnet im Derby gegen Kassel mit seinem ersten Profi-Treffer und dem zweiten Tor in der Verlängerung gleich zu Beginn der Saison ein Ausrufezeichen setzen, dem er einen weiteren Doppelpack beim 7:1 gegen Heilbronn folgen ließ. »Die Kooperation mit Bad Nauheim ist eine gute Sache«, sagt er - und erzählt dann vom Kassel-Spiel: »Ein bisschen überrascht war ich schon, als ich in der Overtime aus Eis sollte, aber ich finde gut, wie der Trainer das macht - und es hat ja auch geklappt.« Gemeinsam mit EC-Eigengewächs Leon Köhler, Jan Luca Sennhenn und Glötzl wohnt der Linksschütze in Nieder-Weisel in einer WG: »Dadurch ist alles vertraut und heimatlich«, sagt er - ist er doch schließlich erst zur Vorbereitung nach Bad Nauheim gekommen. »Ich bin hier gut reingekommen, auch wenn Profi-Eishockey vor allem taktisch noch einmal etwas ganz anderes ist. Dadurch, dass ich aber früher schon immer mal in Köln mittrainiert habe, war es kein riesiger Sprung, denn gerade von der Geschwindigkeit war ich schon gut dabei.«

Simon Gnyp (19 Jahre, 50 Spiele für den EC Bad Nauheim): Der Verteidiger aus dem Landkreis Altötting weiß, wie es sich anfühlt, den Adler auf der Brust zu tragen: Sämtliche U-Nationalmannschaften hat er seit der U 16 durchlaufen, stand außerdem für das »Top-Team Peking«, eine deutsche U 23-Auswahl, im November beim Deutschland-Cup auf dem Eis. Dennoch sagt er: »Das wird ein Riesen-Event - auch wenn mit Zuschauer sicher noch deutlich mehr los gewesen wäre. Es ist eine Ehre, für Deutschland zu spielen und sich mit den besten Nachwuchsspielern der Welt messen zu dürfen.« Erfahrung im internationalen Schlagabtausch hat er schon: Mit der U 18-Auswahl schaffte er einst den Aufstieg in die Top-Division - und durfte seinerzeit als Kapitän auch den Pokal in Empfang nehmen. »Das war schon Wahnsinn«, erinnert er sich.

Der 1,80 Meter große Verteidiger, der es im EC-Trikot bislang auf zehn Scorerpunkte (5 Tore/5 Assists) bringt, ist bereits im zweiten Jahr in der Kurstadt. »Die Förderlizenz ist absolut positiv, hier werden wir gefördert und bekommen Eiszeit«, sagt der ehrgeizige Linksschütze über sein Engagement in Bad Nauheim. Auch über seinen neuen Trainer Hannu Järvenpää hat er nur lobende Worte: »Ich mag, wie er Eishockey versteht, wie er mit uns jungen Spielern umgeht und wie er uns Vertrauen schenkt. Er will uns immer besser machen und entsprechend sind wir aktuell auch top in Form.«

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