07. Juni 2021, 20:22 Uhr

Leichtathletik-DM in Braunschweig

Schwierige Gemütslage für Wetterauer Top-Leichtathleten nach der DM

Ein zweiter Platz, zweimal Rang vier und eine Top-Ten-Platzierung: Die vier Wetterauer Starter sind nach den Titelkämpfen der deutschen Leichtathleten unterschiedlich zufrieden.
07. Juni 2021, 20:22 Uhr
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Von Tanja Weber
Der Knackpunkt im 1500-Meter-Rennen bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig (v. r.): Der spätere Sieger Robert Farken (SC DHfK Leipzig) zieht am Dauernheimer Lukas Abele (SSC Hanau-Rodenbach) vorbei, Marc Tortell (Athletics Team Karben), Homiyu Tesfaye (TSV Pfungstadt) , Amos Bartelsmeyer (Eintracht Frankfurt) und Marius Probst (TV Wattenscheid) machen die restlichen Plätze unter sich aus. (Foto: BEAUTIFUL SPORTS/KJPeters via www.imago-images.de (www.imago-images.de))

Kein Wetter für Sprinter, aber ideale Bedingungen für die 1500-Meter-Läufer: Bei den deutschen Meisterschaften der Leichtathletik in Braunschweig, ausgetragen als Teil der Großsportveranstaltung »Die Finals«, feierte Steven Müller (LG ovag Friedberg-Fauerbach) den deutschen Vizetitel über 200 Meter. Mit der Zeit war er allerdings nicht zufrieden. Marc Tortell (Athletics-Team Karben) lief derweil in einem stark besetzten 1500- Meter-Rennen persönliche Bestzeit. Er wurde genau wie sein Teamkollege Christian von Eitzen (800 Meter) Vierter. Der Dauernheimer Lukas Abele (SSC Hanau-Rodenbach) führte fast bis zur letzten Runde mutig das 1500-Meter-Feld an, platzierte sich am Ende aber »nur« auf Rang zehn.

Steven Müller: Hoffen auf eine bessere Zeit in Athen

Müller war als zweifacher Titelverteidiger angereist. Bei den Meisterschaften im Stadion von Eintracht Braunschweig herrschten insbesondere am Sonntag kühle Temperaturen, dazu gab es immer wieder kräftige Regenschauer. Auch während der beiden Läufe des in Kassel lebenden Sprinters. Am Sonntagabend ging es für ihn mit einer Silbermedaille und dem Vizemeistertitel nach Hause. »Das ist in Ordnung«, bilanzierte sein Trainer Otmar Velte nach den beiden Rennen, wenngleich Müller über die Zeit selbst nicht mehr groß sprechen wollte. In 21,15 Sekunden finishte er nach der halben Stadionrunde. Vorgenommen hatte sich das Erfolgsduo Müller/Velte eine Zeit um die 20,40 oder 20,50 Sekunden. Doch Deutschlands beste Sprinter blieben größtenteils und teilweise auch sehr deutlich hinter den Erwartungen zurück oder waren vereinzelt auch gar nicht erst angetreten.

In den vergangenen vier Jahren hat der WM-Teilnehmer in Reihen der LG ovag zweimal den Titel und zweimal die Silbermedaille gewonnen - eine beeindruckende Konstanz. Gold ging in Braunschweig in 20,89 Sekunden an Owen Ansah. Der Hamburger ist mit seinen 20 Jahren zehn Jahre jünger als Steven Müller, der erst noch etwas älter als Quereinsteiger überhaupt zur Leichtathletik gekommen war. »Owen hat verdient gewonnen, er war klar der Bessere an diesem Wochenende«, erklärte Velte. »Er gewinnt seinen ersten Meistertitel in einem Alter, wo Steven noch nicht mal an die Leichtathletik gedacht hat.« Dafür, dass Müller im Vergleich zu vielen Kollegen erst einige wenige Jahre im Sprint dabei ist, habe er schon sehr viel erreicht. Müller gibt auch den Traum von den Olympischen Spielen in Tokio noch nicht auf. Als Nächstes startet er in Athen - hoffentlich bei besserem Wetter und mit einer besseren Zeit.

Christian von Eitzen: Wieder nur der undankbare vierte Platz

Nachdem das Halbfinale über 800 Meter am Samstag aufgrund geringer Teilnehmerzahl wegen coronabedingter Einschränkungen entfiel (nur Berufs- und Kaderathleten waren teilnahmeberechtigt), startete Christian von Eitzen mit der viertschnellsten in diesem Jahr in Deutschland gelaufenen Zeit (1:46,90 Minuten) von Bahn acht ins Rennen. Die Favoriten belauerten sich bei mittelschnellem Tempo von Anfang an und von Eitzen hatte 200 Meter vor dem Ziel eine ungünstige fünfte Position. Trotz seines guten Endspurts, bei dem er den Vorjahressieger Marc Reuther (Eintracht Frankfurt) noch verdrängen konnte, reichte es - wie im Vorjahr - in 1:48,28 Minuten nur für den undankbaren vierten Platz. Es gewann der Jahresschnellste Marvin Heinrich (Eintracht Frankfurt) in 1:47,62 Minuten. »Ich bin mit meiner taktischen Leistung nicht zufrieden, da es diesmal mit einer Medaille hätte klappen sollen«, sagte er nach dem Rennen. Nächste Woche geht es für den ATKler nach Finnland, wo er bei den Paavo Nurmi Games, einem Meeting der Continental Tour Gold, in Turku erneut über seine Paradestrecke antreten will.

1500 Meter: Lukas Abele legt vor, Marc Tortell zieht nach - und verpasst nur knapp das Podium

Nur 40 Minuten später stand Teamkollege Marc Tortell über 1500 Meter an der Startlinie. Im schnellsten Meisterschaftsrennen aller Zeiten sortierte sich Tortell unmittelbar nach dem Start hinter dem späteren Sieger Robert Farken (SC DHfK Leipzig/3:34,64 Minuten) ein. Nach einer sehr schnellen Anfangsrunde von 56,28 Sekunden führte Lukas Abele aus Dauernheim das wie an einer Perlenschnur auseinandergezogene Feld bis 1000 Meter an. Dort übernahm Farken die Spitze, dicht gefolgt von Tortell, dem deutschen Hallenrekordhalter Homiyu Tesfaye (TSV Pfungstadt) sowie dem bis dahin Jahresbesten Amos Bartelsmeyer (Eintracht Frankfurt) und Vorjahressieger Marius Probst (TV Wattenscheid). Mit einer phänomenalen Schlussrunde sicherte sich Farken den Sieg mit Meisterschaftsrekord und Olympianorm. Tortell wurde für sein couragiertes Rennen mit neuer persönlicher Bestzeit (3:37,41 Minuten) belohnt, obwohl er im Schlussspurt noch von Probst (3:35,88 Minuten) und Bartelsmeyer (3:36,40 Minuten) abgefangen wurde. »Trotz des vierten Platzes bin ich mit dem Rennverlauf sehr zufrieden. Bestzeit zu einem so frühen Saisonzeitpunkt hätte ich nicht erwartet«, sagte Tortell, der im Winter verletzungsbedingt mehrere Monate außer Gefecht gesetzt war und erst im Februar mit seiner Saisonvorbereitung beginnen konnte. Erst wenige Tage zuvor war er beim Meeting Iberoamericano in Huelva (Spanien) die zweitbeste Zeit seiner Sportlerkarriere gerannt: 3:38,95 Minuten. Auch für ihn stehen im Juni noch Starts im Ausland an, bei denen er sich international messen kann.

Abele hatte im Vorfeld mit Achillessehnen- und Knieproblemen zu kämpfen. »Als es in Pfungstadt vor einer Woche lief, bin ich mutig angegangen«, sagt der Dauernheimer. »Dies war auch mit unserem Bundestrainer Georg Schmidt so abgestimmt.« Das Ergebnis: 2:25 Minuten für die ersten 1000 Meter, dann kam der Mann mit dem Hammer. Mit 3:47,50 finishte der 23-Jährige auf Platz zehn. »Das war okay für mich, mehr ging nicht. Aber es hat sich für das Team gelohnt. Mit Robert Farken ist jetzt in Tokio ein deutscher 1500-Meter-Läufer am Start«, bilanziert Abele. »Das 1000er-Durchgangstempo hat sich gut angefühlt und ich weiß, dass ich die 3:40 knacken kann.«



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