20. Juni 2022, 08:33 Uhr

Fußball

SC Dortelweil: Mit Taktikwechsel zum Titel

Der SC Dortelweil kehrt in die Verbandsliga zurück. Das Erfolgsrezept der Mannschaft von Coach Frank Ziegler hat einige Zutaten. Gleich zu Beginn der Saison stellte der Trainer die Taktik um.
20. Juni 2022, 08:33 Uhr
LAB
Der SC Dortelweil krönt eine hervorragende Saison mit dem Meistertitel in der Gruppenliga Frankfurt-West. Ab August geht’s für Trainer Frank Ziegler und seine Akteure um Verbandsliga-Punkte. FOTO: STROHMANN

Abpfiff in Dortelweil an einem Freitagabend, der SCD verliert mit 1:3 gegen die Sportfreunde Friedrichsdorf. Die erste Niederlage im letzten Saisonspiel. Doch es spielt keine Rolle mehr: Der Aufstieg und die Gruppenliga-Meisterschaft stand bereits seit der Vorwoche fest - und so war Party angesagt. Manch einer konnte nicht gleich abhaken, dass man soeben gegen den Vizemeister leer ausging. Auch Trainer Frank Ziegler wurmte vor allem die schwache erste Halbzeit. Doch mit etwas Abstand konnte auch er die Niederlage gelassener betrachten - und einsehen, dass sie nur ein winziger Ausrutscher in 36 sonst souveränen Partien war.

Begonnen hatte die Saison ebenfalls gegen die Sportfreunde - mit einem 2:2 am 15. August. Nach außen zeigte man sich damals zurückhaltend. Man stapelte tief, wusste um die starken Friedrichsdorfer und deren finanzielle Mittel. Doch intern war lange klar, wo die Reise hingehen soll: »Es gab praktisch vor der Saison nur ein Ziel. Das haben wir auch schon vor drei Jahren anvisiert«, sagt Ziegler. Man wollte den Aufstieg.

Jetzt hat man ihn. Genau zehn Jahre, nachdem der Mannschaft dieser Erfolg schon mal gelungen war. Nach dem Aufstieg aus der Kreisoberliga marschierte Dortelweil einst durch in die Verbandsliga. Ziegler war als Spieler dabei und kann die beiden Aufstiege miteinander vergleichen: »Ich habe damals alles etwas lockerer erlebt. Als Spieler hat man weniger Verantwortung, jetzt als Trainer erlebt man so etwas intensiver. Vor zehn Jahren waren wir zudem nach unserem KOL-Aufstieg erstmal der Underdog, wir hatten nicht die Dominanz. Jetzt waren wir ja Favorit«, berichtet er, erkennt dennoch auch Parallelen: »Es war damals wie heute eine super Gemeinschaft. Der Teamgeist war stark ausgeprägt«.

Mit Robin Dobios im Sturm und René Gübler im Tor prägten 2011/12 zwei Stützen die Mannschaft. Jetzt heißen diese Akteure Marvin Strenger und Yannick Rühl. Strenger holte sich mit 45 Treffern die Torjägerkanone in der Weststaffel der Gruppenliga. Rühl hielt als Kapitän das Team zusammen. Patrick Eiwanger sorgte für Ordnung in der Abwehr, Dominik und Oliver Steffen legten die Bälle auf. Aber nicht nur Strenger verwertete sie vorne: Immerhin fünf Dortelweiler Spieler haben mehr als zehn Treffer erzielt. Damit war der Club offensiv schwer auszurechnen.

Fitnesslevel spielt wichtige Rolle

Die Truppe aus dem Bad Vilbeler Stadtteil wirkte sehr homogen, mit einem guten Maß an Erfahrung und von Ehrgeiz getrieben. »Wir haben viele Fußballer aus der näheren Umgebung, die schon in der Jugend zusammengespielt haben«, erklärt Team-Manager Hans Wrage. Doch Teamgeist ist nicht alles: Das Trainerteam um Ziegler und »Co« Julian Mistetzky legte Wert auf ein erhöhtes Fitnesslevel. In Zusammenarbeit mit Physiotherapeutin Nicole Steppan behandelte man Verletzungen, arbeitete präventiv und brachte die Mannschaft schon vor der Saison auf einen guten konditionellen Stand.

Während der Spielzeit war Anpassungsvermögen gefordert. Die ursprüngliche Idee, den Gegnern weitgehend den Ball zu überlassen und dann Räume bei Kontern zu nutzen, funktionierte nicht. Denn die defensiven, mitunter gar ehrfürchtigen Konkurrenten stellten sich lieber hinten rein. »Die Jungs sind daran gewachsen und haben gelernt, sich im Eins-gegen-eins auf engem Raum durchzusetzen«, blickt Ziegler zurück. Man profitierte vom variablen Spiel von Neuner Marvin Strenger und dessen guter Kooperation mit Oliver Steffen und Moritz Feiler. Mit jedem Sieg tankte die Mannschaft mehr Selbstvertrauen. Die drei Punkte wurden Sonntag für Sonntag zur Selbstverständlichkeit. Und die Offensive blieb ein Sieggarant: Nur zweimal erzielte man in 36 Begegnungen kein Tor - bei den torlosen Unentschieden gegen den FC Karben und den FSV Friedrichsdorf.

Jetzt hat man eine Weile, um alles sacken zu lassen. Am ersten Sonntag im August geht es dann aber los mit der Verbandsliga. Man wird sich in vielen Belangen noch um ein My steigern müssen. Man wird physisch zulegen, das Aufbauspiel stabilisieren und Fehler minimieren müssen. Man wird wieder lernen müssen, zu verlieren. Das kam in den letzten zwei Jahren kaum vor. Dem Spielstil will der SCD auch eine Etage höher treu bleiben - auch wenn man es nicht auf »Hurra-Fußball« anlegen kann. Das Team bleibt soweit zusammen. Lediglich Joshua Bell (FSG Burg-Gräfenrode) und Maximilian Bamberg (Ziel unbekannt) verlassen den Club.

Ziegler ist sich bereits sicher, dass die Vorbereitung nicht optimal wird. Man möchte nicht zu früh anfangen, sondern dem Fußball erstmal drei Wochen fernbleiben. Dann steht eine kurze, intensive Vorbereitung auf die erste Verbandsliga-Saison seit zehn Jahren an. Der direkte Wiederabstieg - wie damals - soll unbedingt vermieden werden.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos