Lokalsport

Rund um OFC-Spiel: Bierstreit am Bieberer Berg

Beim Testspiel des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach durfte nur im VIP-Bereich Alkohol ausgeschenkt werden. Und dort wurde der Konsum auch noch beschränkt.
02. August 2021, 12:00 Uhr
Redaktion

Achim Enders ist Vorsitzender eines Offenbacher Vereins (DJK Blau-Weiss Bieber) und hat als solcher alle Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung mitgetragen. Die Familie ist geimpft, in seiner Firma gelten Hygieneregeln. »Ich habe mich nie beschwert. Das geht aber zu weit. Ich hielt das erst für einen Scherz. Das ist absurd. Das ist Schwachsinn«, sagt er.

Sein Groll richtet sich gegen das Gesundheitsamt. Die Behörde hatte verfügt, dass beim Test zwischen Kickers Offenbach und Rot-Weiss Essen nur im Business-Bereich Alkohol getrunken werden darf und dort nur zwei Bier (0,5 Liter) oder zwei Gläser Wein (0,25 Liter) pro Person. Der OFC war dagegen juristisch vorgegangen. Erfolglos.

Enders, der per VIP-Ticket (100 Euro) im Stadion war und dort zudem Besitzer einer Loge (25 000 Euro pro Saison) ist, hat für die Einschränkung »kein Verständnis«. Er sei »der Erste, der Maßnahmen akzeptiert«, wenn die Inzidenz (aktuell klar unter der 35er-Grenze) zu hoch sei. Aber in der aktuellen Phase könne man nicht derart in die Rechte der Leute eingreifen. Das sei »Willkür«.

Bei der Stadt Offenbach sowie beim Verwaltungsgericht Darmstadt sieht man das anders. Das Gesundheitsamt habe insgesamt »sehr wohlwollend« agiert. So darf der Erstligist Eintracht Frankfurt das Stadion beim Test gegen St. Etienne zum Beispiel nur zu einem Fünftel füllen, beim OFC war es mehr als ein Drittel. Allerdings gibt’s in Frankfurt keinerlei Beschränkung beim Alkoholkonsum im VIP-Bereich. In der hessischen Schutzverordnung seien die Vorgaben nicht immer exakt formuliert, heißt es. Was ein Gesundheitsamt als Empfehlung betrachtet, wird von einem anderen als Verpflichtung interpretiert. Die Behörden müssten abwägen und seien stets bemüht, Kompromisse zu finden, stellt Fabian El Cheikh, Sprecher der Stadt Offenbach, klar.

Man kenne die wirtschaftlichen Interessen des Vereins und sei auf diesen zugegangen. Die Beschränkung des Alkoholkonsums stelle »das mildere Mittel« im Vergleich zum Verbot dar.

Enders sieht aber genau diese wirtschaftlichen Interessen nicht genügend berücksichtigt. Denn die Bewirtung mache bei VIP- und Logen-Preisen einen nicht unerheblichen Anteil aus. »Wenn die Leute nicht bekommen, was sie erwarten, ist der OFC der Leidtragende. Am Ende geht der Verein kaputt«, sagt er. Falls sich an den Beschränkungen nichts ändere, werde er seine Traditions-Loge, die als Treff für einstige Kickers-Spieler dienen soll, kündigen. Logen werden auch für Geschäftstreffen genutzt. Da könne man nicht Getränke-Gutscheine verteilen.

Enders stört sich vor allem daran, dass die Entscheidung des Gesundheitsamtes »weltfremd und praxisfern« sei. Im VIP-Bereich würden sich die Leute nicht permanent in die Arme fallen. »Bei zwei Bier ist man der Regelung zufolge offenbar noch zurechnungsfähig, ab drei nicht mehr. Diese Argumentation verstehe ich nicht. Mit solchen Aktionen liefert man Querdenkern Material, das sind Brandmittel.«

Und noch etwas versteht er nicht: »Warum schränkt man die Leute im VIP-Bereich, die einiges an Kohle zahlen, ein, während man in der Kneipe vorm Stadion fünf Bier trinken kann?« Die Stadt verweist darauf, dass für Großveranstaltungen wie Fußballspiele andere Regel gelten als für Gastronomie, wo weniger Leute zusammentreffen.

Diese Argumentation hatte Thomas Sobotzik, Geschäftsführer des OFC, bereits kritisiert. »Im Biergarten oder auf dem Wochenmarkt kann ich zehn Bier bestellen und eine Flasche Whiskey dazu kaufen«, sagte er. »Fußballfans werden als minderbemittelt hingestellt, weil man der Meinung ist, dass sie sich pauschal besaufen und dann an keine Regeln halten.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-wz/rund-um-ofc-spiel-bierstreit-am-bieberer-berg;art1435,746198

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