09. März 2021, 19:01 Uhr

Fussball

OFC-Trainer Ristic: Klare Ansprache, klare Vorstellungen

69 Tage ist Sreto Ristic Trainer beim Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach. In zehn Spielen ohne Niederlage führte er den Klub in Windeseile auf Platz zwei. Wie aber ist ihm das gelungen? Der Versuch einer Erklärung.
09. März 2021, 19:01 Uhr
Zehn Siege in Serie: Kickers-Trainer Sreto Ristic nimmt Ronny Marcos in den Arm.

Der Knall am vorletzten Tag des alten Jahres war groß. Kickers Offenbach hatte mit der Beurlaubung von Trainer Angelo Barletta für Erstaunen gesorgt. Das noch größer wurde, nachdem Geschäftsführer Thomas Sobotzik Sreto Ristic als Nachfolger präsentiert hatte. Ein Ex-Profi, der bis dato aber kaum Erfahrung als Cheftrainer hatte, sollte es richten? »Nachdem wir bei der internen Analyse zu dem Ergebnis gekommen sind, dass die Mannschaft für ihre weitere Entwicklung einen neuen inhaltlichen Impuls benötigt, musste die Entscheidung jetzt getroffen werden«, erklärte Sobotzik bei der Vorstellung.

Er kennt Ristic als Spieler - beide waren einst bei Union Berlin unter Vertrag - und auch in der gemeinsamen Zeit beim Chemnitzer FC. »Sreto ist ein absoluter Fachmann und eine Persönlichkeit«, umschrieb er den weltgewandten Schwaben: »Er war in den letzten Jahren in diversen Konstellationen sehr oft das Hirn hinter dem jeweiligen Cheftrainer, der sehr detailliert taktische Strategien entworfen und der jeweiligen Mannschaft vermittelt hat.«

69 Tage später kann Sobotzik für sich in Anspruch nehmen, dass seine Entscheidung richtig war. Der Impuls zeigte Wirkung. Ristic hat es mit seinem Assistenten Marijan Kovacevic in kürzester Zeit geschafft, sich im Verein, in der Mannschaft und bei den Fans Respekt und Anerkennung zu verschaffen. Viel Zeit blieb ihm dafür nicht. Corona-bedingt gab es keine Wintervorbereitung. Sein erstes Training absolvierte er am 2. Januar, am 9. Januar stand das erste Pflichtspiel an - das 4:1 bei Eintracht Stadtallendorf.

Verbindliche Art

»Er hat eine stets klare Art und Sicht«, sagt Marco Fritscher. Der Rechtsverteidiger betont aber auch, »dass der Trainer eine intakte Mannschaft übernommen hat«. Eine, die von Ristics Vorgänger Barletta nach einem großen Umbruch geformt worden war, gut in die Saison startete, dann aber nach der ersten Corona-Pause schlechter rauskam. »Wir haben also schon unsere Täler gemeinsam durchschreiten müssen und sind daran gewachsen«, so Fritscher.

Ristic konzentriert sich seit Amtsantritt auf das Wesentliche. »Ich habe ja keine Zeit, lange nachzudenken«, sagt er immer wieder mal. Seine verbindliche Art kommt an, auch seine Vorstellung von kontrolliertem Ballbesitzfußball hat die Mannschaft schnell angenommen. Das gelingt ihm, weil er es nicht als Floskel erachtet, sondern als wesentliches Erfolgsmoment, sich immer nur auf das nächste Spiel, die nächste Aufgabe zu konzentrieren. »Wir reden nicht, was übernächste Woche ist, sondern sind immer ganz klar auf die nächste Aufgabe fokussiert«, sagt Fritscher.

Auch taktisch hat Ristic sehr behutsam, aber inhaltlich klar ersichtliche Vorgaben gegeben. Über allem steht die Kontrolle über Spiel und Gegner. Augenscheinlich ist das verminderte Risiko beim Anlaufen des Gegners. Die Außenverteidiger stehen weniger hoch als noch im alten Jahr, die Innenverteidiger dagegen sollen tunlichst nicht auf Außen Löcher stopfen müssen.

Zugute kommt Ristic dabei, dass Sobotzik in Winterzugang Charles Elie Laprevotte einen Glücksgriff als Sechser landete. Der Franzose (28) ist das Schmiermittel zwischen Defensive und Offensive, ein Musterbeispiel dafür, was Ristic auf dem Feld erwartet: Positionstreue.

Mit Wortwitz

Klare Strukturen abseits des Platzes, klare Aufgaben im Training - dazu eine Sprache, die klar, unprätentiös, gelegentlich aber auch mit großem Wortwitz rüberkommt, auch damit punktet Ristic in seinen ersten zwei Monaten. »Dein Englisch ist schlechter als Dein Deutsch«, witzelte er jüngst in einer Pressekonferenz mit dem polnischen Abwehrchef Sebastian Zieleniecki, der herzhaft mitlachte.

Auch im Trainer- und Betreuerstab kam Ristics Art schnell gut an. »Er zieht alle mit ins Boot«, lobt Chefscout Ramon Berndroth den 45-Jährigen. Der Routinier, der selbst über einen unheimlichen Erfahrungsschatz verfügt, ist zuweilen selbst überrascht, was Ristic in der täglichen Arbeit, vor allem aber bei er Analyse von Spielen herausliest. »Er sieht unheimlich viel«, lobt Berndroth.

Doch auch der 68-Jährige vergisst nicht zu betonen, was Ristics Vorteil war. »Den Umbruch begonnen hat Angelo Barletta, Sreto hat eine Basis vorgefunden.« Was er auf dieses Fundament gebaut hat, verdient allerdings ungeachtet des Ausgangs der Saison Respekt. Schon jetzt hat er mit der Serie von zehn Spielen ohne Niederlage eine Duftmarke gesetzt, die vor ihm letztmals Rico Schmitt gelang. 2013/2014 blieb der Sachse elf Punktspiele in Folge unbesiegt, in der Meistersaison 2014/15 dann sogar 30 Spiele. Das kann Ristic bei 17 ausstehenden Partien nicht mehr schaffen, wohl aber das Sehnsuchtsziel aller, die es mit den Kickers halten: den Aufstieg in die 3. Liga.

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