20. Februar 2021, 12:00 Uhr

Motorsport made in Butzbach

Ein Bruder, ein Cockpit, zwei Brüder, zwei Cockpits, drei Brüder, zwei Cockpits und ein Team-Manager. Der Butzbacher Rainer Dörr geht mit seinen drei Söhnen den nächsten Schritt im familieneigenen Motorsport-Team - und beschreitet neue Wege.
20. Februar 2021, 12:00 Uhr
Philipp_Keßler
Von Philipp Keßler
Motorsport als Familienbetrieb (v. l.): Team-Manager Robin Dörr, Fahrer Phil Dörr, Mutter Evelyn Dörr als Mitglied der Geschäftsführung, Teamchef Rainer Dörr und Ben Dörr als jüngster Fahrer gehen in der kommenden Saison unter anderem mit dem McLaren 570 S GT 4 in der ADAC GT 4 Germany an den Start. (Foto: KESSLER_P)

Auch wenn der Winter traditionell nicht die Hochsaison des Motorsports ist, gibt es aus heimischer Sicht ausgerechnet nun aufregende Neuigkeiten: Dörr Motorsport, das Team des Butzbachers Rainer Dörr, tauscht einen seiner beiden McLaren 570 S GT 4 gegen einen Aston Martin Vantage GT 4 ein - und sichert sich damit sowohl in der ADAC GT 4 Germany als auch in der eigenen über 20-jährigen Teamgeschichte ein Alleinstellungsmerkmal. Ebenfalls einzigartig: Neben Fahrer Phil Dörr, der in seine dritte Saison geht, und Team-Manager Robin Dörr stößt der 16-jährige Ben Dörr zum Team - und übernimmt als Rookie ein Cockpit. Im Interview erläutert Vater Rainer die Hintergründe der Entscheidungen des Rennstalls, der wie die Dörr Group als Händler für Premiumsportwagen seine Heimat in Frankfurt hat.

Herr Dörr, wieso haben Sie sich für den einzigen Aston Martin im Feld der ADAC GT 4 Germany entschieden?

Aston Martin gehört mit dem Standort Berlin seit 2020 zu unserer Dörr Group, wir haben die Straßenfahrzeuge in unserem Sortiment - da war es naheliegend, irgendwann auch mal Rennen auf Aston Martin zu fahren.

Zwei Fahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern bedeuten für ein Team neue Herausforderungen. Wie gehen Sie damit um?

Natürlich ist die Herausforderung in Sachen Logistik größer, schließlich brauchen wir nun sämtliche Ersatzteile für zwei unterschiedliche Autos. Aber der stellen wir uns gerne. Unser Team ist groß und gut, wir sind jetzt zwei Jahre mit den McLaren gefahren, sodass es hier nur noch um Nuancen geht. Ich sehe uns also insgesamt für die neue Saison gut aufgestellt.

Ihr gerade einmal 16 Jahre alter Sohn Ben bekommt ein Cockpit, mit Nico Hantke ist ein weiterer Rookie im Team. Ein Risiko?

Die GT 4 lässt 16-Jährige in den Cockpits zu, und die Fahrer werden insgesamt immer jünger. Unserer Erfahrung nach ist früher manchmal besser. Ben hat im vergangenen Jahr schon zu Testzwecken in einem GT 4 gesessen und dabei einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Genau wie Nico Hantke war er in den vergangenen Jahren zudem sehr erfolgreich im Kartsport. Wir trauen den beiden die GT 4 also zu. Aber natürlich sind zwei Rookies im Team eine Herausforderung - aber erstens aus unserer Sicht eine kalkulierbare und zweitens eine, die wir gerne angehen. Wir haben ihnen mit meinem Sohn Phil und Andreas Wirth außerdem zwei erfahrene Fahrer an die Seite gestellt, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Sie haben damit zwei Söhne in der Position als Fahrer, einen in der als Team-Manager und sind selbst Teamchef - funktioniert Motorsport als Familienunternehmen?

Das ist alles schon eine coole Geschichte. Gerade für Ben und Phil wird es interessant, schließlich sind sie bislang noch nie ein Rennen gegeneinander gefahren. Da müssen sie schauen, dass sie sich nicht hinterher die Köpfe einschlagen (lacht). Im Ernst: Alle gehen sehr professionell miteinander um, auch wenn auf der Rennstrecke natürlich um jeden Platz gefightet wird. Auch insgesamt haben wir im Team keine Streitereien, sondern legen Wert auf ein harmonisches Miteinander. Wir als Eltern üben auf unsere Söhne keinen Druck aus. Sie können also entspannt fahren - und wenn sie am Ende oben stehen, ist das gut, wenn nicht, ist aber auch alles in Ordnung.

Wie lautet nach Platz fünf in der Teamwertung im Vorjahr die Zielsetzung für die neue Saison?

Wir wollen mit dem Aston Martin und dem erfahrenen Fahrerteam im Kampf um die Meisterschaft auf jeden Fall ein Wörtchen mitreden. Was die Rookies angeht: Die müssen erst einmal lernen, von ihnen dürfen wir nicht zu viel erwarten. Je nachdem, wie sie eingruppiert werden, könnten sie aber um den Rookie-Titel mitfahren. Ein Ausrufezeichen traue ich aber beiden Autos und alle Fahrern jederzeit zu.

Die Coronavirus-Krise macht auch vor dem Motorsport nicht halt. Wie blicken Sie auf die Lage?

Wir planen - wie alle anderen auch - aktuell eine Saison ohne Zuschauer. Das ist natürlich schwierig, weil der Motorsport auch eine Plattform für uns als Firma ist. Wir verkaufen schließlich Autos für die Straße, die man auf der Rennstrecke sehen kann. Und natürlich sind Gäste an der Strecke auch für viele andere Teams in Sachen Sponsoring wichtig. Doch solange der Fußball keine Zuschauer hat, wird der Motorsport sicher auch keine haben. Wir planen - je nach Corona- und Wetterlage - aktuell mehrere Testfahrten in Frankreich und Italien im März und April, ehe die Saison im Mai dann startet.

Ihr Sohn Ben hat sich unter anderem auch durch die Dörr Driving School, in der sie talentierte Kartfahrer in den GT-Sport bringen, entwickelt. Behalten Sie diesen Weg bei?

Auf jeden Fall. Wir werden das Programm weiterhin verfolgen, denn der Weg über ein Kart in ein Rennauto ist ein guter. Die Jungs zeigen bereits in jungen Jahren eine gute Performance - das hat man in den vergangenen Jahren schon gesehen. Dafür ist die Dörr Driving School eine ideale Plattform.

Können Sie sich vorstellen, den Schritt in die GT 3, die Königsklasse des Tourenwagensports, zu gehen?

Aktuell nicht. Wir haben uns zwar im vergangenen Jahr ein GT 3-Fahrzeug angeschafft und werden eventuell in diesem Jahr vereinzelt Einsätze fahren, aber da ist noch nichts spruchreif. Fest steht, dass die Kosten beim Wechsel von GT 4 zur GT 3 geradezu explodieren. Besonders in der aktuellen Situation ist es aber schwierig, dafür Sponsoren zu finden. Wir würden den Weg nur gehen, wenn wir finanziell dafür auch gut aufgestellt sind.



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