10. März 2021, 07:00 Uhr

Hockey

Maren Zimmermann: Vom VfL in den Nationalkader

Der Deutsche Hockey-Bund hatte im Frühjahr 2020 zu einem Lehrgang für den U16-Nationalkader eingeladen. Jetzt steht Maren Zimmermann aber im Aufgebot der Schweiz. Die Ernst-Ludwig-Schülerin hat die EM-Teilnahme 2021 zum Ziel und wäre die erste Nationalspielerin, die der VfL Bad Nauheim hervor gebracht hätte.
10. März 2021, 07:00 Uhr

Lausanne am Genfer See in der Schweiz. Hier soll im Juli die U16-Europameisterschaft ausgetragen werden. Für Maren Zimmermann aus Bad Nauheim ein sportlich, aber auch emotional ganz außergewöhnliches Ziel. Im Kanton Waadt unweit vom Spielort entfernt, wohnen zahlreiche Verwandte der Teenagerin aus der Wetterau. Unterstützung vor Ort wäre ihr gewiss. »Das ist natürlich ein sehr schöner Zufall. Die Mentalität dort unten, die Stimmung - das ist sehr, sehr angenehm«, sagt die 15-Jährige, die sich im Herbst 2018 dem SC SAFO Frankfurt angeschlossen hat.

Die Woche ist - außerhalb der Corona-Pandemie-Monate - eng durchgetaktet. Viermal wöchentlich trainiert Zimmermann; mit der U16 des SC SAFO, dem U16-Kader des Hessischen Hockey-Verbandes in Rüsselsheim und - im Kreis ehemaligen Bundesliga-Spielerinnen - auch in der Damenmannschaft des SC SAFO, die aktuell in der Regionalliga vorne mitspielt und den Aufstieg in die 2. Bundesliga zum Ziel hat. Dazu kommen Spiele mit der U16 und der U18.

Irgendwann - so eine Perspektive und Fernziel zugleich - möchte Zimmermann in der Bundesliga Fuß fassen und ihr Studium durch den Sport finanzieren. »Aber bis dahin ist’s noch ein weiter Weg«, weiß Zimmermann, die aktuell die zehnte Klasse des Ernst-Ludwig-Gymnasiums besucht; mit einem Einser-Notenschnitt im übrigen, was angesichts der nun zunehmenden Lehrgänge durch » Swiss Hockey« bei schulischen Freistellungen sicher in die Karten spielt.

Als Siebenjährige hatte Zimmermann, deren Großmutter einst aus der Schweiz nach Hessen gekommen war, mit dem Hockeysport begonnen. In Bad Nauheim, im Waldstadion, unter Trainerin Annette Moeser beim VfL. Ihr Talent wurde schnell erkannt, ebenso rasch stieß sie im Klub an natürliche Grenzen. Der Wechsel nach Frankfurt mit 13 Jahren war der nächste logische Schritt - und ohne familiären Shuttleservice undenkbar. In Stadtteil Sachsenhausen wurde Zimmermann von Chris Faust, dem Trainer der Damen-Nationalmannschaft von Österreich, und jetzt von Corinna Zerbs, der 144-fachen Nationalspielerin der Alpenrepublik, gefordert und gefördert.

Zimmermann spielt in der Abwehr; in zentraler Position, quasi als Staubsauger und Aufbauspielerin zugleich. In der Regel mehr als 200 Ballkontakte pro Spiel rücken sie in eine Königsposition. Auf dem Feld ist sie der verlängerte Arm des Trainers. »Ich habe den Blick von hinten heraus, schaue, dass alle Mädels ihre Positionen halten, kenne die Erwartungen der Coaches und gebe die Kommandos, damit wir dies auf dem Feld umsetzen«, sagt die 1,67 Meter große Teenagerin.

Im April 2020 flatterte die Einladung des Deutschen Hockey-Bundes ins Haus. Zweimal musste der Lehrgang auf Grund der Corona-Pandemie verschoben werden. Dass Zimmermann auch über die schweizer Staatsangehörigkeit verfügt, hatte sich in der Szene längst herumgesprochen. Im Juli vergangenen Jahre haben die Eidgenossen Kontakt aufgenommen. Wenige Wochen später konnte sie dann schon beim Lehrgang in Tenero im Tessin überzeugen und wurde in den offiziellen Kader aufgenommen. Kleinere Defizite in der technischen Ausbildung gleicht Zimmermann Ausdauer, Spielintelligenz, Übersicht, Einsatz und Siegeswillen aus. »Ich mag die Mädels. Die Atmosphäre im schweizer Team ist sehr familiär«, sagt Zimmermann. Die Tür zurück in den DHB-Kader steht ihr als Jugendliche weiter offen. Erst im Damen-Bereich müsste sie sich festlegen, sofern sich dann noch weiter beide Verbände bemühen.

Gespielt wird bei der U16-EM in der Schweiz im übrigen im Hockey5s-Format mit einem Torwart und nur vier Feldspielern (auf rund einem Viertel des eigentlichen Feldes, mit Banden und fliegendem Wechsel). Das erhöht auf kleinem Feld das Tempo, kreiert mehr Torszenen, schafft mehr Spannung und soll kleinen Hockey-Nationen den besseren Anschluss an die Top-Nationen ermöglichen. »Das ist ein gang anderes Spiel, taktisch und auch von der Kondition her. Eine tolle Erfahrung und für mich etwas Neues. Aber ich mag das Spiel auf dem großen Feld lieber«, sagt Zimmermann. Erst ab der U19 wird in der Schweiz auf dem großen Feld gespielt.

Die letzten U16-EM hat die Schweiz auf Rang zwei abgeschlossen. Vielleicht reicht es diesmal ja zum Titel. Für Maren Zimmermann wäre dies gerade in der Heimat ihrer Ahnen wohl ein ganz besonderer Moment. FOTO: NICI MERZ

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