17. Mai 2021, 07:00 Uhr

Fussball

Managen, beraten, spielen - Wie ein Wetterauer jeden Tage für den Fußball lebt

Fußball ist sein Leben: Julien Schmittberger kickt selbst, ist im Vorstand seines Heimatvereins aktiv, hat Fußball-Management studiert, arbeitet Vollzeit für den DFB und hilft Hessenligist Türk Gücü Friedberg.
17. Mai 2021, 07:00 Uhr
Das Homeoffice bestimmt momentan auch den Alltag des Niddaers Julien Schmittberger, der in der Sportlichen Leitung der U-Nationalmannschaften beim Deutschen Fußball-Bund in Frankfurt arbeitet. FOTO: PV

Ich lebe das«, sagt Julien Schmittberger über den Fußball und die vielen Facetten, in denen er seinen Lieblingssport Tag für Tag bearbeitet. »Der Großteil meines Lebens beschäftigt sich mit Fußball.« Als Jugendlicher fing er an, in Fußball-Camps zu arbeiten, um sein Feriengeld zu verdienen. Nach einem Master-Abschluss in »International Football Management« arbeitet er inzwischen in der Sportlichen Leitung der U-Nationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bund (DFB), kickt selbst für die FSG Ober-Schmitten/Eichelsdorf in der Kreisoberliga Büdingen, ist in seinem Heimatverein SV Eichelsdorf im Vorstand engagiert und unterstützt Hessenligist Türk Gücü Friedberg. Beim Besuch in unserer Redaktion spricht der 25-Jährige aus Nidda über…

…sein Studium: »Im Bachelor habe ich Sportmanagement studiert, im Master dann als erster Jahrgang gemeinsam mit nur einem Kommilitonen International Football Management. Wir hatten pro Trimester jeweils zwei Phasen, wo wir alleine unterrichtet wurden, der Rest waren BWL und Management in einer größeren Gruppe. Bei den fußballspezifischen Sachen ging es etwa um digitalen Fußball, um die Lieferketten von Fußballprodukten oder um Teammanagement aus Sicht des DFB - also genau das, was ich jetzt auch mache. Der Vorteil war, dass wir absolute Experten als Dozenten hatten, die man in einer so kleinen Gruppe perfekt löchern konnte, und die einem dann auch detaillierte Antworten gegeben haben. Das war insgesamt echt top - kann ich nur empfehlen. Ohne den Studiengang wäre ich wahrscheinlich auch nicht zum DFB gekommen.«

…seine Arbeit beim DFB: »Ich gehöre einer Stabsstelle aus sechs festen Mitarbeitern und Praktikanten an, zu der etwa auch der Referent von Oliver Bierhoff gehört. Wir kümmern uns um die U- und die Frauen-Nationalmannschaften, während die A-Nationalmannschaft ein eigenes Team hat. Da geht es noch einmal um viel mehr, denn ohne sie hätten wir alle keinen Job. In meinem Team sind unter anderem die Trainer-Tagungen, Statistiken und Terminkoordinationen mein Metier. Wir als Sportliche Leitung sind die Brücke zwischen Trainern und Teammanagement.«

…den deutschen Fußballnachwuchs: »Wir stellen etwa mit Blick auf die U 21 schon fest, dass uns Nationen wie Frankreich, England, Portugal, aber auch Niederlande oder Belgien einen Schritt voraus sind. Es geht also schon auch darum, jetzt den Anschluss nicht zu verlieren. Zu sagen, dass wir nicht mehr konkurrenzfähig sind, geht mir aber auch zu weit, aber die Qualität wie in den vergangenen Jahren haben wir nicht mehr, auch wenn wir das momentan noch in gewisser Weise kaschieren können. Wenn mit Leipzig ein Verein mit einem auf junge Spieler gemünzten Konzept ohne einen Deutschen in der Startelf im DFB-Pokal steht, dann sollte uns das schon zu denken geben.«

…die Wichtigkeit von Spielpraxis für junge Spieler: »Ich verstehe, dass eine zweite Mannschaft für Profi-Klubs ein Kostenfaktor ist. Aber als Verein ist man aus meiner Sicht ohne U 23-Mannschaft unattraktiver, da der Sprung aus der Junioren-Bundesliga gewaltig ist. Die Regionalliga und die 3. Liga sind attraktive Spielklassen mit vielen Traditionsklubs, bei dem man als junger Spieler auch merkt, dass das der Profibereich ist, bei dem sich aber noch entwickeln kann. Spielpraxis im Herrenbereich ist für junge Spieler enorm wichtig, deshalb bin ich persönlich ein Freund davon. Zudem bietet ein U 23-Team auch die Möglichkeit, verletzte Spieler wieder heranzuführen.«

…seine Rolle bei Türk Gücü Friedberg: »Der Kontakt kam im vergangenen Jahr über »Pilo« (Christopher Pilch, damaliger Co-Trainer, Anm. d. Red.), der mein Nachbar ist. Seitdem führe ich viele Gespräche mit Carsten Weber (dem Trainer, Anm. d. Red.), mit dem ich eine gewisse Chemie habe, weil wir beide eine Leidenschaft für den Fußball haben. Wir haben im vergangenen Jahr angefangen, perspektivisch über Mannschaft und Verein nachzudenken. So ist inzwischen eine Freundschaft entstanden, in der wir dem jeweils anderen einen anderen Blickwinkel bieten. Darüber hinaus unterstütze ich die Spieler, wenn nötig - bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche oder bei der Suche nach einem Job - bin einfach ein Ansprechpartner, gerade für Spieler aus dem Ausland. Ich versuche da zu sein, zuzuhören, nachzufragen oder zu unterstützen, wenn es nötig ist. Für mich hat es gleichzeitig den Vorteil, dass ich mein Netzwerk erweitern, gewisse Dinge erlernen und mit einem wirklich starken Trainer zusammenarbeiten kann.«

Heimat und Karriere gut verbinden

…seinen Blick auf Türk Gücü Friedberg: »Das ist ein richtig guter Klub, der in der besten Liga Hessens spielt - und das in unserer Wetterau. Das ist richtig cool, und das muss man mit diesen Mitteln erst einmal schaffen. Und es ist inzwischen auch eine Adresse, bei der man sich als Spieler wirklich für die Regionalliga empfehlen kann. Und genau das versucht der Verein auch zu sein. Am Ende soll es nämlich nicht so sein, dass ein Spieler sagt, er hat hier nur gut verdient, sondern er soll sagen, dass er auf einem hohen Niveau gespielt hat und gleichzeitig immer gut versorgt und unterstützt wurde, sodass er den Klub weiterempfehlen kann. Das ist der Anspruch und der Punkt, an dem wir uns abheben wollen. Ein nächster Schritt wäre aus meiner Sicht, dass man auch als Stadt den Mehrwert des Vereins erkennt. Es ist nicht selbstverständlich, dass man einen solch starken und familiär geführten Klub in der Region hat. Hier würde ich mir für beide Seiten ein stärkeres Miteinanderwünschen.«

…seinen Heimatverein SV Eichelsdorf: »Ich bin dort durch meine Familie sehr verwurzelt. Ich habe noch nie woanders gespielt - und ein Wechsel kommt für mich auch nicht infrage. Darüber hinaus bin ich beim SV Eichelsdorf schon länger im Vorstand. Ich spiele für mein Leben gern mit meinen Jungs Fußball und bin auch nicht dazu bereit, das momentan schon aufzugeben. Das ist mein Hobby, das mich auch ein Stück weit erdet.«

…seine Zukunft: »Grundsätzlich kann ich mir vorstellen, auch mal in den Vereinsfußball zu wechseln, aber in den kommenden Jahren sehe ich mich beim DFB, weil es für mich ein sehr interessantes Umfeld ist, in dem ich gute Einblicke kriege und sehr viel mitbekomme. Das ist das Beste, was mir passieren konnte - schließlich bin ich gerade erst 25 Jahre alt. Ich bin daher richtig zufrieden, zumal der DFB ein Top-Arbeitgeber ist. Für die Zukunft kann ich mir Vieles vorstellen, sehe mich aber letztlich auch auf lange Sicht hier in der Region, denn das ist meine Heimat.«

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