23. Juli 2021, 07:00 Uhr

Leichtathletik

Linus Krüger - die große Portion Motivation

Die Corona hat es vor allem für Sportler ohne Kaderstatus schwer gemacht. Ein Dortelweiler Leichtathlet verlor dieses Privileg letzten November. Er kämpfte sich dennoch zur DM-Qualifikation.
23. Juli 2021, 07:00 Uhr
Linus Krüger vom SV Fun-Ball Dortelweil (Mitte) hängt sich beim Sprint auf dem Friedberger Burgfeld voll rein. Während Corona ist er auch ohne Kaderstatus motiviert geblieben. FOTO: PRIVAT

Ligen und Profi-Lizenzen sucht man in der Leichtathletik vergebens. Linus Krüger hat noch nicht mal Kaderstatus, dafür verfügt der Sprinter vom SV Fun-Ball Dortelweil aber über eine große Portion Eigenmotivation. So hat er unlängst zwei DM-Normen geknackt.

Krüger ist erst am 3. Juni ins Wettkampfjahr eingestiegen. Dennoch ist er derzeit schnellster Hesse in der U20 über 100 Meter: Mit 10,95 Sekunden belegt er Platz 30 in der DLV-Bestenliste. Die Norm für die Deutsche Jugend-Meisterschaft in Rostock ist erreicht. In seiner Paradedisziplin, den 200 Metern, steht der 19-Jährige derzeit mit 22,19 Sekunden auf Platz 25 der deutschen Bestenliste. Die Teilnahme an den nationalen Titelkämpfen war aber trotz guter Ergebnisse lange nicht sicher.

Trainer Thomas Stewens erklärt: »Vor Corona war es ausreichend, wenn die Athleten die Normzeiten knacken. Mit Beginn der Pandemie wurden die Starterfelder für die DM verkleinert: Das Erreichen der Normen alleine ist momentan nicht ausreichend.«

Zusätzlich erfolgt die Qualifikation über ein Ranking: Im 100-Meter-Lauf sind 40 Teilnehmer zugelassen, im 200-Meter-Lauf 32. Für Krüger bedeutete das konkret: Zittern bis zuletzt und ein Wettkampf nach dem anderen, um sich in der Platzierung weiter nach vorne zu arbeiten. »Glücklicherweise hat der DLV im Zuge der sinkenden Coronazahlen die Anzahl der Startplätze wieder erhöht«, sagt der erfolgreiche Zehnkämpfer Stewens. Nach dem Sommersportfest in Sulzbach (19. Juni) befand sich der junge Fun-Baller an 33. Position der Bestenliste über 200 m und hätte damit kein Startrecht für die »Deutschen« gehabt. Am 10. Juli pulverisierte er dann in Wetzlar seine Bestzeiten über beide Sprintstrecken und katapultierte sich auf einen sicheren DM-Platz der Rangliste.

Training bei Regen und Schneematsch

»Ich bin beeindruckt, wie Linus das noch hinbekommen hat«, sagt Stewens. Sein Schützling gehört zu den Athleten, die im November 2020 Pandemie-bedingt aus dem Fördersystem herausgeflogen sind: Kein Kader- und Elitestatus und damit kein Zugang zu Trainingsstätten und Wettkämpfen. Während andere bei Regen und Kälte im Winter die Kalbacher Halle nutzen konnten, ging Linus Krüger allein oder in einer Zweier-Gruppe in den Bad Vilbeler Stadtwald.

Der Dortelweiler Nachwuchsathlet ist kein Einzelfall: In der Leichtathletik ist ein Ligasystem nicht vorhanden. Profi-Lizenzen können nicht gekauft werden. Damit mussten talentierte und motivierte Sportler mehr oder weniger in Eigenregie trainieren, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollten.

»Wir haben auf der Straße Markierungen zwischen 50 und 300 m gemacht«, blickt Stewens zurück. »Dass Sprinten bei kalten Temperaturen schwierig ist und Verletzungsgefahren birgt, ist nichts Neues.« Ihre Kraft trainierten die Dortelweiler indes in einer Garage mit Gewichten und Langhanteln. Der Trainer korrigierte aus der Entfernung.

Während andere aufgrund des Kader- oder Elitestatus an Wettbewerben teilnehmen konnten, bestritt Krüger nach neunmonatiger Wettkampfpause am 3. Juni sein erstes Rennen. »Jeder Wettkampf ist wichtig, um sich zu steigern. Durch den späten Einstieg hatte Linus weitere Nachteile im Vergleich zu Kaderathleten«, so Stewens. »Umso erfreulicher, dass sich sein Training in Eigenregie gelohnt hat!«

»Corona-Loch« beim TSV FB-Fauerbach

Sorgen um die Entwicklung macht sich auch Lars Hiernoymi, Vorstand Leistungssport für Leichtathletik beim TSV Friedberg-Fauerbach. Er spricht vom »Corona-Loch« in den Jugendklassen der Fauerbacher Talentschmiede. »Corona hat den Jugendlichen ohne Kaderstatus die Perspektive genommen.« Monatelanges Einzeltraining ohne das Ziel einer Wettkampfteilnahme oder der sozialen Kontakte, die durch die Trainingsgruppen gegeben sind, haben zu einem Schwund in der U20 und U18 geführt. »In diesem Jahr sind es bei uns so wenige Jugend-DM-Teilnehmer wie lange nicht mehr«, bedauert Hieronymi. »Top-Athleten gehen uns verloren. Ich wünsche mir von Verbänden und Politik, dass die Breite mehr gefördert wird. Nur eine stärkere Breite macht die Spitze besser.«

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