28. August 2021, 07:00 Uhr

»Aus vollster Überzeugung«

Karbener Fußballer Harez Habib stellt Benefizspiel für Afghanistan auf die Beine

Harez Habib hat derzeit viel zu tun. Der Coach des Kreisoberligisten TSG Ober-Wöllstadt ist mitten in der Organisation für das Benefizspiel, das er für seine Heimat Afghanistan auf die Beine stellt.
28. August 2021, 07:00 Uhr
Mit den Trikots des KSV Hessen Kassel und der afghanischen Nationalmannschaft aus seiner Vergangenheit präsentiert der Karbener Harez Habib (Mitte) mit den KSV-Vorständen Jens Rose (l.) und Daniel Bettermann im Kasseler Auestadion das Benefizspiel für seine afghanische Heimat, das am 8. September steigen soll.

Harez Habib hat es geschafft: Er wird ein Benefizspiel für seine afghanische Heimat auf die Beine stellen. »Der Startschuss war schon einmal geil«, sagte Habib, nachdem er am Mittwoch die letzten Weichen gestellt und abends beim Regionalliga-Spiel des KSV Hessen Kassel gegen den VfB Stuttgart II auch schon die Werbetrommel gerührt hatte.

Auf Initiative des 39-Jährigen wird am Mittwoch, 8. September (18 Uhr), im Kasseler Auestadion eine Auswahl von Allstars des Regionalligisten KSV Hessen Kassel, für den Habib früher selbst gespielt hat, auf eine Auswahl ehemaliger und aktueller afghanischer Nationalspieler, die in Deutschland wohnen, sowie bekannter Afghanen aus Hessens Amateurspielklassen treffen. »Das sind alles Jungs, die ich persönlich kenne und mit denen ich teilweise schon zusammengespielt habe. Die fußballerische Qualität steht außer Frage«, sagt Habib. »Es werden zu jeder Zeit 22 geile Kicker auf dem Platz stehen.« Er selbst wäre einst mit dem KSV fast in die 3. Liga aufgestiegen und lief seinerzeit auch 16-mal für die Nationalmannschaft auf, wobei er vier Tore erzielte.

Besondere Verbundenheit durch die Zeit bei der Nationalmannschaft

Aus dieser Zeit rührt auch eine zusätzliche persönliche Verbindung: Habib, der Afghanistan mit seinen Eltern im Alter von drei Jahren verließ und in Nordhessen eine neue Heimat fand, reiste als Fußballer für das Nationalteam in seine Heimatstadt Kabul. »Dieser Besuch hat etwas mit mir gemacht«, sagt Habib. Ein Teil der Familie von ihm und seiner Frau Giti lebt heute noch in dem zentralasiatischen Land - und ist damit direkt von der Machtübernahme der Taliban infolge des Abzugs der internationalen Truppen betroffen. »Ich habe Kontakt mit meiner Cousine in Kabul. Sie berichtet von Unsicherheit und Ungewissheit, von der Stille auf den Straßen. Sie traut sich selbst nicht mehr raus, vor allem nicht als Frau«, sagt Habib. »Das alles macht mich unendlich traurig.«

Auch deshalb soll der Erlös dem Afghanischen Frauenverein e. V. und dem Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e. V. zugutekommen. »Frauen und Mädchen sowie die Ortskräfte sind von der aktuellen Situation am meisten betroffen«, begründet Habib. Die aktuell große mediale Aufmerksamkeit spiele ihm »traurigerweise« in die Karten, »aber ich möchte mit dem Spiel vor allem zeigen, dass ich nicht einverstanden mit dem bin, was dort passiert«. Aber: Er möchte aus seinem Event definitiv keine politische Veranstaltung machen: »Ich lasse nicht zu, dass das Spiel instrumentalisiert wird.«

Spendenkonto ist bereits eingerichtet, Tickets ab dem Wochenende

Habib, der inzwischen längst in Karben heimisch geworden ist und den einst neu gegründeten FC Karben bis in die Gruppenliga Frankfurt-West geführt hatte, hofft auf mindestens 1000 Zuschauer im Auestadion und einige mehr am eigens vom KSV-Partner »Sport total« zur Verfügung gestellten Livestream. Tickets für die Partie kosten zehn Euro, eine Familienkarte gibt es für 20 Euro. Am Wochenende sollen die Tickets online vorbestellbar sein. Der gesamte Betrag werde ebenso wie die Einnahmen aus dem Livestream gespendet, sagt Habib. Zusätzlich ist ein Spendenkonto eingerichtet, auf das mit entsprechendem Verwendungszweck ebenfalls Geld eingezahlt werden kann (Kontoinhaber: Verein zur Förderung des Jugendfußballs in Kassel; IBAN: DE61 5205 0353 011 8227 98; BIC: H EL AD EF 1K AS).

Habib ist schon jetzt begeistert von der Unterstützung seiner Idee durch den KSV: »Jens Rose und Daniel Bettermann waren sofort dabei, haben alles in Bewegung gesetzt. Der KSV als Zugpferd und das Auestadion als Location sind ideal für dieses Spiel.« Zusammen mit den beiden Vorstandsmitgliedern hatte er am Mittwoch im Auestadion eine Pressekonferenz samt Fototermin gegeben. Es folgten Interviews im Livestream und vor den Fans im Stadion. Für Jens Rose war es keine Frage, dass er seinen Ex-Spieler unterstützt: »Der Sport hat hier eine Chance, völlig unpolitisch zu helfen. Es geht um die Menschen, die jetzt Hilfe brauchen und die nichts für all das können. Dieses Spiel ist eine gute Sache. Darum machen wir das.«

Prominente Unterstützung durch den KSV Hessen Kassel

Auch die Mannschaften nehmen Form an. »Ich bin begeistert, wer bereits alles zugesagt hat«, sagt Habib voller Vorfreude. Darunter sind etwa KSV-Rekordstürmer Thorsten Baueroder und andere Publikumslieblinge, mit denen der aktuelle Coach des Friedberger Kreisoberligisten TSG Ober-Wöllstadt in der KSV-Traditionsmannschaft aktiv ist. Ebenfalls dabei ist der aktuelle KSV-Trainer Tobias Damm: »Da musste ich nicht überlegen. Wenn wir eine Chance haben zu helfen, dann bin ich dabei.«

Für Habib bedeutet das alles aktuell auch viel Stress. »Seit zwei Wochen ist die Belastung Wahnsinn«, sagt er. »Aber ich mache das von Herzen und aus voller Überzeugung. Ich mache das mit Freude. Das ist alles nichts im Vergleich zu dem, was unsere Freunde und Familien in Afghanistan gerade durchmachen müssen.«

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