01. Dezember 2020, 07:04 Uhr

Fußballer-Challenge

In die Berge und nach Berlin

Die Winterpause zieht sich für Amateure ohnehin immer. Die Pandemie verlängert diese Zeit des Stillstands. Viele Teams trotzen der Tristesse und setzen dabei auf (erlaubte) Gruppendynamik.
01. Dezember 2020, 07:04 Uhr

In sieben Tagen von Rockenberg auf die Zugspitze. Das hatten sich die A-Liga-Fußballer des TuS im November vorgenommen. Natürlich ging es nicht um die physische Präsenz auf Deutschlands höchstem Gipfel, sondern um die virtuelle »Besteigung«. 508 Kilometer spulte die Mannschaft von Interimstrainer Manuel Barufe insgesamt in der betreffenden Woche ab. So weit ist es von der Wetterau bis an die österreichische Grenze.

»Ich habe überlegt, wie wir den Monat noch mal nutzen können, ehe alle nur in den Seilen hängen. Laufen im November heißt vor allem auch, den inneren Schweinehund zu überwinden. Und das geht in der Gruppe leichter«, erklärt Barufe, der außerdem die Funktion des Abteilungsleiters in Rockenberg bekleidet.

25 bis 30 Spieler der ersten und zweiten Mannschaft beteiligten sich beim TuS an der Aktion. Gelaufen wurde einzeln oder zu zweit. Jede abgeschlossene Einheit dokumentierten die Kicker mit einem Screenshot ihrer Lauf-App und stellten diesen in die TuS-Chat-Gruppe bei WhatsApp. Da wurden dann die noch zu absolvierenden Kilometer heruntergezählt.

»Unsere Abschlussfahrt vor zwei Jahren ging auf die Zugspitze. Die Idee bei unserer Challenge war, diesen Trip zu wiederholen - virtuell, corona-konform und quasi emissionsfrei.« Als kleinen Ansporn versprach Manuel Barufe, zwei Kisten Kaltgetränke zu spendieren, wenn man endlich wieder beieinander sitzen darf.

Nebenbei wurde die Fangemeinde auf in den sozialen Medien immer auf dem aktuellsten Stand gehalten. »Auch wenn es zwischendurch nicht so aussah, als könnte die Mannschaft die 508 Kilometer gemeinsam schaffen, wurde gegen Mitte der Woche gelaufen, was das Zeug hält«, verrät der Rockenberger Spieler David Schwer, der sich beim TuS um die Social-Media-Inhalte kümmert. Der Trainer ging an dieser Stelle durchaus als Vorbild voran und spulte in seinem letzten Lauf immerhin 16,5 Kilometer ab. »Zwischendurch wurden bei einem Teamkollegen gleich zwei Augen zugedrückt. Seine 8,5 Kilometer lange Bierwanderung war ebenfalls gültig«, berichtet Schwer mit einem Augenzwinkern.

Am Ende war es Erik Neubauer, der die letzten Kilometer auf sich nahm, aber keinen Meter mehr lief als er musste. Ganz nach dem Motto: Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss.

Überraschung »am Brandenburger Tor«

Das positive Beispiel der Rockenberger hat Schule gemacht. Auch der KSV Bingenheim startete Anfang November eine ähnliche Challenge. »Wir dachten, wenn die Rockenberger auf die Zugspitze laufen, dann machen wir uns auf in die andere Richtung«, verkündet KSV-Coach Tobias Stete lächelnd. Und so schnürten sich bislang 22 Bingenheimer Akteure die Laufschuhe, um imaginär die 520 Kilometer nach Berlin zu bewältigen. Dabei haben sich die B-Liga-Fußballer für den Weg in die deutsche Hauptstadt bis zum Jahresende Zeit gegeben. Etwa 370 Kilometer sind bereits absolviert (Stand: 30. November) - gute Chancen also auf Erfolg.

»Am Brandenburger Tor« warten nicht nur Erfrischungen auf die Finisher, für die besten Läufer gibt es zusätzlich eine kleine Überraschung. »Das könnte zum Beispiel ein KSV-Trainingsanzug sein«, frohlockt Stete. An der Fitness dürfte es also nicht liegen, wenn die Bingenheimer ihren derzeit einstelligen Tabellenplatz in der B-Liga, Gruppe 1, nach dem Re-Start nicht halten können. Das jedenfalls ist das erklärte Ziel der Stete-Truppe, sollte der Spielbetrieb im neuen Jahr wieder anlaufen. Im Klassement steht man derzeit auf dem achten Rang.

Laufen für den guten Zweck

Sogar noch ein wenig mehr Aufwand betreibt der FC Germania Ortenberg, der den Fitness-Gedanken mit der guten Tat verbindet und aus der Challenge einen Spendenlauf gemacht hat. Vom 9. November bis 6. Dezember verfolgen etwa 40 Germanen das gemeinsame Ziel. Das liegt bei 6000 Euro, ist aber nicht komplett abhängig von den gelaufenen Kilometern, wie FC-Trainer Benjamin Böning zu verstehen gibt. »Wir haben für den Monat vier Großsponsoren gewonnen. Jeder davon sponsert jeweils eine Woche mit 500 Euro. Dazu kommen private Laufpaten.«

Die Kilometer-Zahl in die Höhe treiben sollen hauptsächlich die Kicker selbst. »Aber auch Spielerfrauen oder ehemalige Akteure machen mit«, sagt Böning. So hatte man nach zwei Wochen knapp 2000 Euro beisammen. Profitieren von dem Geld sollen je zur Hälfte die Jugendabteilung des Vereins aus dem Fußballkreis Büdingen und die Büdinger Tafel.

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