23. April 2021, 07:00 Uhr

Fussball-Schiedsrichter

In der Corona-Krise: Vom Ist-Zustand und der Herausforderung

Die Zahl der Fußball-Schiedsrichter nimmt ab. Im Interview spricht Kreisschiedsrichterobmann Rene Filges über den Ist-Zustand und die Rolle der sozialen Medien.
23. April 2021, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
René Filges

Rene Filges (Büdingen) ist der Schiedsrichterobmann im Fußballkreis Friedberg. Im Gespräch mit unserer Redaktion beschreibt er die Ist-Situation an bei den Amateuren an der Basis, spricht über die Rolle der sozialen Medien und erklärt, welche Auswirkungen überregionale Spielklassen auf die Spielleitung in Kreisligen haben.

Herr Filges, wie stellt sich für Sie als Kreisschiedsrichterobmann die Situation Kreis Friedberg aktuell dar?

Wie es tatsächlich aussieht, wird man erst merken, wenn es wirklich wieder losgeht. Momentan haben wir monatliche Online-Veranstaltungen, an denen rund die Hälfte der Schiedsrichter teilnimmt. Aber das sehe ich nicht als Maßstab. Wir hatten vor Beginn der Saison 2020/21 einige Kollegen, die aufgehört haben, teils ältere Unparteiische, die aufgrund der Corona-Pandemie nicht mehr pfeifen wollten. Vorm Weihnachtsfest habe ich mit fast allen unserer Schiedsrichter telefoniert, da kamen keine weiteren Absagen hinzu. Je länger wir aber von den Fußballplätzen fernbleiben, Sonntage mit der Familie verbringen oder neue Hobbys entdecken, umso mehr wird die Frage aufkommen, ob man überhaupt wieder mit demselben Aufwand pfeifen möchte.

Gibt es denn aktuell Angebote für Schiedsrichter?

Einmal monatlich gibt’s einen Online-Regeltest. Dazu hatten wir ein E-Sport-Turnier, wobei davon natürlich in erster Linie die jüngeren Schiedsrichter angesprochen werden. Kürzlich haben wir online einen Neulingslehrgang angeboten, der mit 15 Teilnehmern besetzt war; darunter aber auch Mitglieder anderer Fußballkreise. Einerseits ist diese Zahl im Vergleich zu vergangenen Zeit, als wir 25 oder auch mal 30 Teilnehmer hatten, nicht befriedigend, andererseits ist’s momentan aber auch schwierig, Menschen für dieses Amt zu begeistern. Man ist froh über jedes Interesse in Zeiten, da in sozialen Medien zumeist negative Berichte über Schiedsrichter verbreitet werden. Da überlegen viele zweimal, ob sie sich engagieren.

Welches Szenario droht im Fußballkreis?

Da möchte ich bei aufgeblähten überregionalen Spielklassen beginnen. Ab der Gruppenliga aufwärts wird im Gespann gepfiffen. Je mehr Spiele dort zu besetzen sind, umso mehr Personal fehlt in den unteren Ligen. Das zieht sich durch bis in die C-Klasse, die schon nicht mehr regelmäßig besetzt werden kann. Vereinzelt waren auch schon B-Liga-Spiele betroffen. Die Situation hatte sich zudem verschärft, wenn sonntags die Eintracht zu Hause spielt.

Wie stellt man sich für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Amateurfußball auf?

Prinzipiell sind wir einsatzfähig. Natürlich bleiben aktuell Fragen offen. Aufgrund der Pandemie haben wir beispielsweise vor der Saison 2020/21 bei Schiedsrichtern von der Kreisoberliga abwärts auf einen gemeinsamen Lauftest verzichtet und den Regeltest online abgenommen. Allerdings müssen auch Fragestellungen nach Testungen vor einem Spiel oder Impfungen geklärt sein. Momentan ist vieles nur Spekulation. FOTO: NICI MERZ



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