10. April 2021, 07:55 Uhr

Hotel-Quarantäne vor DEL-Playoff-Start?

10. April 2021, 07:55 Uhr

Yasin Ehliz, Stürmer des EHC München, hatte nach dem 4:3-Sieg gegen Wolfsburg am Donnerstagabend noch das Bedürfnis, mit zwei Spielern aus dem Gäste-Team privat zu plauschen. Er legte seine Eishockey-Montur in der Münchner Kabine ab und ging in Shorts und Turnschuhen übers Eis auf die Wolfsburger Seite. Dort das Treffen: Drei Männer, die einen Kreis bildeten, jeder mit Maske im Gesicht und mit Abstand zueinander. Zuvor im Spiel waren sie sich näher gekommen - und ungeschützt gewesen. Doch sobald nicht gespielt wird, heißt es: Maske auf, AHA-Regeln beachten.

Die Eishockey-Branche hält sich daran. Auch die Wolfsburger Spieler und Betreuer, sie alle stapften mit FFP2-Masken zum Mannschaftsbus, und wer das aus der Kabine mitgebrachte Essen (Pasta, Salat) nicht in der aerosolhaltigen Luft des Doppelstöckers zu sich nehmen wollte, suchte sich bei knapp über null Grad einen einsamen Platz im Betriebshof der Münchner Olympia-Eishalle. Mülltonnen und Treppen mussten herhalten als Tische.

Die Selbstdisziplin ist ebenso hoch wie die Testfrequenz (in der DEL zuletzt pro Spieler und Monat 24-mal Stäbchen in Rachen oder Nase), trotzdem wird das Coronavirus im Eishockey weiterverbreitet. Die dramatischen Geschichten häufen sich, international und in Deutschland: Vancouver Canucks in der NHL - 18 Fälle, einige erwischte die brasilianische Mutante P1. Norwegen - Ligabetrieb ohne Meister abgebrochen. Schweiz - Hauptrunde nicht zu Ende gespielt, SC Bern fünfmal in Quarantäne.

In der DEL beginnen die Playoffs im Schnellformat »Best of three am 20. April. Am kommenden Montag werden die Sportlichen Leiter der Klubs (acht qualifizieren sich) über eine Absicherung des Spielbetriebs beraten. Der Gedanke, die Playoffs (bis spätestens 7. Mai) in einer »Bubble« auszutragen, also an einem Ort, wurde verworfen, »das wollten die Klubs nicht«, so der bei der DEL für den Spielbetrieb zuständige Jörg von Ameln. Diskutiert wird nun das Modell Team-Quarantäne. Von Ameln: »Es verpflichtend zu machen ist schwierig, denn es wäre ein massiver Eingriff in das Leben der Spieler. Aber wir empfehlen die Teamquarantäne dringend.« Sie sähe so aus: Am besten ab Freitag, 16. April, sollen sich die Mannschaften in Hotels, die sie exklusiv belegen oder in denen sie sich von anderen Gästen und dem Personal isolieren können, begeben. »Einzelzimmer, kein Zimmerservice, Handtücher vor die Tür«, so Jörg von Ameln über den zu erwartenden Alltag, der auch von einem noch strengeren Testregime (nur PCR) bestimmt wird und dem Ratschlag, die Kontakte der Spieler untereinander einzuschränken: »Teambesprechungen ins Freie verlegen oder über Video abhalten.«

Vermieden werden soll eine Playoff-Entscheidung dadurch, dass ein Gesundheitsamt ein Team aus dem Verkehr zieht. Eine Ausnahme erlaubt die DEL nur zu Beginn: Kann ein Klub zum ersten Viertelfinale nicht antreten, würde es als verloren gewertet, doch wäre er zum zweiten von der Quarantäne befreit, könnte er noch einsteigen. Ab Halbfinale jedoch wäre bei einem Eingriff des Gesundheitsamts Schluss.

GÜNTER KLEIN

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