14. April 2021, 12:00 Uhr

Höhepunkt einer Aufholjagd

Der TSV Nieder-Mörlen ist lange das Aushängeschild des Kreises in Sachen Feldhandball. Umso schwerer fällt anfangs der Umstieg in die Halle. Doch mit einem Trainerwechsel kommt im Jahr 1977 die Initialzündung, die vor 40 Jahren in ungeahntem Erfolg gipfelt.
14. April 2021, 12:00 Uhr
Die Meistermannschaft des TSV Nieder-Mörlen im Jahr 1981: (hinten, v. l.) Hallenwart Erich Hartmann (†), Trainer Erwin Harz, (stehend, v. l.) TSV-Vorsitzender Georg Emanuel Möbs (†), Klaus Brauburger, Stefan Dietz, Sigbert Steffens, Helmut Gerbig, Gerhard Fauerbach, Markus Möbs, Jürgen Tuppi, Stefan Philipp, Heinrich Hofmann, Betreuer Josef Schätzle, (vorn, v. l.) Jürgen Feuerstein, Christoph Dietz, Jürgen Tobschall (†),Peter Brauburger, Benno Hofmann und Peter Hett. ARCHIVFOTO: GERNOT HEYDECKER

Drei Meistertitel innerhalb von vier Spielzeiten bescherten den Handballern des TSV Nieder-Mörlen und ihren Fans Jahre der Glücksseligkeit, die vor genau 40 Jahren, im Frühjahr 1981, ihren Höhepunkt fanden. Eine Zeitreise in die Vergangenheit:

Rückblick: Der TSV Nieder-Mörlen hatte angesichts seiner Erfolge auf dem Großfeld den Umstieg zum Hallenhandball verschlafen: Mitte der 1960er Jahre verbrachte man drei Spielzeiten in der höchsten hessischen Spielklasse und war Aushängeschild des Kreises. Daher hielt man bis Mitte der 1970er Jahre am Feldhandball fest. Während sich die Nachbarn aus Butzbach, Oppershofen, Münzenberg, Gambach und Kirch-/Pohl-Göns bereits nach oben in Verbands- und Oberliga verabschiedet hatten, dümpelte der TSV in der Hallenrunde 1976/77 im Mittelfeld der B-Klasse herum und duellierte sich mit den zweiten Mannschaften der Nachbarvereine.

Initialzündung: Besonders zwei herbe »Klatschen« gegen Butzbach taten weh. Beeindruckt von deren Spiel, aber auch dessen Trainer Erwin Harz, entschloss sich der von Ronald Meyer geführte TSV-Vorstand, auch angesichts des zu erwartenden Rückenwinds durch die neue Sporthalle, diesen Mann mit dem Auftrag eine neue Mannschaft aufzubauen, zu verpflichten.

Erfolgsfaktor: Trainer Erwin Harz war ein echter Glücksgriff. Er setzte auf schnellen, attraktiven Hallenhandball, war seiner Zeit um einiges voraus und bildete sich konstant weiter. So war er Teilnehmer an Seminaren der Freiburger Handball-Schule, wo sich Leute wie der spätere Bundesliga-Trainer Dr. Rolf Brack entwickelten und Experten wie der kürzlich verstorbene Trainerlegende im Frauenhandball, Dr. Jürgen Gerlach, referierten. Zu den ersten Amtshandlungen von Harz in Nieder-Mörlen gehörte es etablierte, ältere »Großfeld-Helden« auszusortieren und eine junge Mannschaft zusammenzustellen, die seinen Vorstellungen entsprach. Der sich in der Folge schnell einstellende Erfolg gab ihm Recht.

Erfolgsstationen / Teil 1: 1977/78 wird die Mannschaft Meister der B-Klasse Friedberg/Büdingen mit 36:4 Punkten und 330:178 Toren - klar vor dem HSV Butzbach mit 29:11 Punkten. Herausragende Spiele waren die beiden Siege gegen Rosbach II mit 24:4 und 25:5 und das 14:10 in Butzbach beim seinerzeitigen Tabellenführer.

Erfolgsstationen / Teil 2: 1978/79 gelingt auch die Meisterschaft der A-Klasse Friedberg/Büdingen mit 29:7 Punkten und 297:196 Toren. Dahinter folgten mit 22:14 Punkten der SV Rosbach und der HSV Butzbach. Höhepunkte waren das Spiel gegen Friedberg das nach 6:10-Pausenrückstand noch mit 17:10 gewonnen wurde, die beiden Erfolge mit 16:10 und 19:6 gegen Lokalrivale Ober-Mörlen und der 17:11-Sieg in Butzbach, mit dem die Meisterschaft gesichert wurde. Es folgte eine »Ruhepause« in der Saison 1979/80 mit dem achten Platz und dem Klassenerhalt in der Kreisliga Gießen/Marburg mit 13:23 Punkten und 239:264 Toren.

Erfolgsstationen / Teil 3: 1980/81 folgt die Meisterschaft in der Kreisliga Gießen/Marburg und der Aufstieg in die 1. Bezirksklasse mit 26:10 Punkten und 271:224 Toren vor Großen-Linden (24:12) und Rechtenbach (23:13). Herausragende Spiele waren der 15:9-Sieg in Södel, das 13:12 in Langgöns mit dem am fünften Spieltag die Tabellenführung übernommen wurde, der 21:15-Heimsieg am 16. Spieltag gegen Langgöns und das darauffolgende 20:12 gegen Dornholzhausen, mit dem der Meistertitel perfekt gemacht wurde.

Erfolgsgaranten: An allererster Stelle natürlich Trainer Harz, dessen Mannschaft sich durch außergewöhnlichen Zusammenhalt auszeichnete. Harte Arbeit in teilweise dreistündigen Trainingseinheiten sorgte für die Basis, und eine mit gesunder Härte operierende 3:2:1-Abwehr nötigte den Gegnern Respekt ab. Begeisterte Zuschauer, die wesentlich zum Erfolg beitrugen, wurden in der oftmals rappelvollen Halle mit der Mannschaft zu einer Einheit. Häufig gestaltete sich die »dritte Halbzeit« zum eigentlichen Höhepunkt eines Spieltags. Der gesamte Ort stand hinter seinen Handballern, die ausnahmslos aus »Mörler Jungs« bestanden. Überhaupt verlieh die im September 1977 eingeweihte Halle dem TSV-Handball einen großen Schub. Schnell pendelte sich der Zuschauerschnitt zwischen 100 bis 300 ein, bei Spitzenspielen war die Halle voll. Was die Mannschaft anbelangt sind aus einem tollen Kollektiv drei Schlüsselspieler hervorzuheben: Mit Peter Brauburger stand ein absoluter Ausnahmekönner im Tor, der sein Gehäuse regelrecht vernagelte und seiner Mannschaft vor allem in kritischen Phasen den nötigen Rückhalt gab. Im linken Rückraum glänzte Stefan Dietz. Er bestach nicht nur durch knallharte Würfe, die ein Drittel der erzielten TSV-Tore ausmachten, sondern überzeugte auch vor allem bei Kreisanspielen durch Auge, feines Händchen und Ballgefühl. Als wichtigster Spieler galt für alle jedoch »Käpt’n« Gerhard Fauerbach. Um einige Jahre älter als seine Mitspieler hatte er in der Abwehr die Chefposition inne und war im Angriff Dreh- und Angelpunkt.

Was blieb: Die in den Erfolgsjahren erreichte Zugehörigkeit zur Bezirksebene wurde bis zum im Jahr 2004 erfolgten Übergang des TSV Nieder-Mörlen in die HSG Mörlen verteidigt. Die Arbeit von Trainer Harz motivierte etliche seiner Spieler in den Folgejahren zur aktiven Mitarbeit im Verein, vor allem als Trainer im Jugendbereich.

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