23. Oktober 2021, 12:37 Uhr

Fußball

HFV passt Hygienekonzept an - Leben für die Vereine wird leichter

Das Hygienekonzept 2.0 ist da. Der Hessische Fußball-Verband passt seine Mustervorgaben für die Klubs an. Erleichterungen gibt’s vor allem bei der Kontaktverfolgung und der Sportheimnutzung.
23. Oktober 2021, 12:37 Uhr
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Von Christoph Sommerfeld
Der Sportplatz des SVP Fauerbach: Absperrungen und Wegemarkierungen können weitgehend entfallen. Das Spielfeld ist ab sofort als Rote Zone zu kennzeichnen. FOTOS: PM

Der Hessische Fußball-Verband hat vor wenigen Tagen eine neue Fassung seines Hygienekonzepts herausgegeben, die sich an den behördlichen Gegebenheiten orientiert. Es ersetzt die erste Version vom 29. Juli 2020. Die »Bild-Zeitung« hat in ihrer eigenen Art einen Artikel dazu verfasst und diesen mit der Überschrift »Mega-Lockerungen für Amateur-Klubs« versehen. Wenngleich diese Headline eine nicht unwesentliche Übertreibung darstellt, darf man doch festhalten, dass die Vereine von ein paar Erleichterungen profitieren und an Spieltagen nun nicht mehr den Personaleinsatz bzw. Zeitaufwand betreiben müssen wie bisher.

Wir geben einen Einblick in die Änderungen des Konzepts und haben mit drei Vereinsvertretern aus der Region gesprochen. Im Gespräch zeigte sich zwar einerseits der Unterschied zwischen Theorie und Praxis, andererseits aber auch eine gewisse Sensibilität der Klubfunktionäre. So ist man aufseiten der Vereine weit entfernt von unreflektierten Meckertiraden gegenüber den offiziellen Stellen und erkennt die schwierige Situation an, die auch der Verband zu meistern hat.

Kontaktverfolgung - Eine der wesentlichen Änderungen. Die Kontaktdatenerfassung der Zuschauer ist nicht mehr verpflichtend, sondern nur noch optional. Der HFV empfiehlt weiterhin die Nutzung der Luca App. Der Heimverein muss die Sportplatzbesucher darauf hinweisen, dass sie ihre Daten ab sofort freiwillig angeben. Am Eingang könnte künftig wieder nur der Kassierer stehen und kein Datenerfasser mehr.

Die SKG Erbstadt will weiterhin den QR-Code für die Luca App aufhängen. »Auch die Listen behalten wir erstmal bei, damit sich auch Besucher ohne Handy registrieren können, wenn sie möchten«, verrät Sascha Metzner, Sportlicher Leiter und Hygienebeauftragter beim Friedberger C-Ligisten. Besonders die Vereine mit offenem Sportgelände atmen auf. »Wir haben den Platz vor jedem Heimspiel neu eingezäunt, um überhaupt einen Ein- und Ausgang zu schaffen. Das war viel Arbeit«, macht Andre Schmidt klar. Er ist Vorsitzender beim SV Bruchenbrücken und kann sonntags nun ein paar Leute weniger einplanen.

Absperrungen - Im Zuge der neuen Zoneneinteilung werden Spieler, Betreuer und sonstige Offizielle nicht mehr von den Zuschauern getrennt. Die neue Grüne Zone (bisher Zone 3 / Publikumsbereich) ist für alle Besucher der Sportstätte frei zugänglich. Der HFV erklärt in seinen FAQs zum Konzept, dass auch die Übergänge von den Kabinen zum Platz zur Grünen Zone gehören. Damit könnten Absperrbänder und Wegeführungen auch innerhalb des Sportgeländes weitgehend wegfallen.

Vereinsheim - Beim SVP Fauerbach beschränkte sich die Sportheimnutzung bis zum vergangenen Sonntag weitgehend auf die Kabinenbelegung durch die Sportler. »Ein Getränkeverkauf fand nur außerhalb statt, Essen wird erst seit Kurzem angeboten. Der Zugang zu den Toiletten war über einen separaten Eingang möglich«, erklärt Andreas Kattenberg, Vorsitzender und Frauen-Trainer beim SV Philippseck. Die Fußballer nutzten in der Umkleide lange Zeit Masken und zogen sich in Gruppen um. Jetzt darf das Clubhaus wieder von allen Besuchern betreten werden - allerdings unter 3G-Regeln. »Das hat uns die Stadt Butzbach genehmigt«, sagt Kattenberg. Das Hygienekonzept des HFV sieht vor, dass das Sportheim als Gelbe Zone (bisher nicht vorhanden) ausgewiesen werden kann. Der Zutritt erfolgt nur mit Berechtigung.

Für die SKG Erbstadt bedeutet dieser Teil der Konzeptänderung dagegen nicht viel Neues. »Wir konnten den Gastrobereich im Sportheim schon vor der Konzeptanpassung nutzen. Der Klub betreibt dort offiziell eine Gaststätte«, klärt Sascha Metzner auf.

Kabine - Neben Grün und Gelb gibt’s noch die Rote Zone (bisher Zone 1 und 2 / Innenraum/Spielfeld und Umkleide), in die weiterhin nur die am Spiel beteiligten Personen gelangen können - Negativnachweis (3G) im Gebäude vorausgesetzt. Der HFV schreibt in seinen Auslegungshinweisen: »Wenn der Zugang zu den Toiletten beispielsweise über einen Flur an den Kabinen vorbeiführt, dann genügt es nunmehr, die Kabinen als Rote Zone zu markieren und den Flur als Grüne Zone zu belassen.« Das war so bisher nicht möglich. Frank Illing, beim HFV der Vorsitzende des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung, konkretisierte bei »Bild«: »Somit können auch Toiletten, die im Kabinengang liegen, wieder von allen genutzt werden.« Illing macht aber auch klar, dass die Kabine mit dem Konzept-Update nicht zur Partylocation wird: »Dort soll sich umgezogen und kurzweilig aufgehalten werden.«

Zur Wahrung des Mindestabstands schreibt der Verband weiterhin das Umziehen in wechselnden Gruppen oder alternativ die Maskenpflicht vor. Andreas Kattenberg, der auch als Schiedsrichter aktiv ist, gibt einen Einblick in die Praxis: »Ich habe es in dieser Saison nicht immer wahrgenommen, dass sich Mannschaften in Gruppen umziehen oder in der Kabine Masken tragen. Dennoch geben sich die Vereine große Mühe, die Vorgaben umzusetzen.« Das HFV-Konzept ist hier teilweise strenger als behördliche Vorgaben.

Trikots, Bälle, Flaschen - Trikots müssen nicht mehr auf 60 Grad gewaschen werden, Bälle nicht mehr desinfiziert werden. Eine allgemeine Leibchenausgabe im Training ist weiterhin nicht möglich. Jeder Spieler nutzt sein eigenes Hemd und ist auch für dessen Reinigung zuständig. In Erbstadt hat man bislang auf die heiße Trikotwäsche verzichtet. Das gibt Metzner ehrlich zu. Die Bälle bei der SKG waren mit Nummern beschriftet, sodass jeder sein Spielgerät hygienisch halten konnte. Damit könnte nun Schluss sein. Die Bärenschweizer folgten derweil schon den Waschhinweisen aus dem alten Konzept vom Juli 2020. »Meine Schwester kümmert sich seit einiger Zeit bei uns um die Trikots. Sie hat die auch mal wärmer gewaschen«, erinnert sich Andre Schmidt.

Keine Vorgaben macht der Hygieneplan des Verbands indes zur Trinkflaschennutzung, die vor allem in der Halbzeitpause zum Problem werden könnte, wenn sich üblicherweise mehrere Akteure dieselbe Pulle teilen. »Wir haben auch die Flaschen markiert für jeden Spieler. Es dauerte immer recht lange, das vorzubereiten. Andere Vereine nutzen Becher. Bei uns gibt’s jetzt kleine Wasserfläschchen, damit nicht so viel weggeschüttet werden muss,« erklärt Metzner.

Sonstiges - Wer im »Kleingedruckten« liest, entdeckt auch den Passus über Fahrgemeinschaften im neuen Hygienekonzept. Der bleibt als Empfehlung erhalten. Demnach sollte die Anreise - sowohl zum Training als auch zum Spiel - mit mehreren Fahrzeugen oder gar individuell erfolgen. Fahrgemeinschaften sind also zu minimieren. Definitiv zu unterlassen ist nach wie vor das Spucken und Naseputzen auf dem Sportplatz.



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