25. Februar 2021, 07:00 Uhr

Reha-Sport REHA-SPORT BEIM TSV

Herzsportgruppe des TSV Friedberg-Fauerbach »vermisst das Zusammensein«

Online-Training ist en vogue. Was aber, wenn das aus mehreren Gründen nicht möglich ist? Und wie wirkt sich der Lockdown aus, wenn neben der gesundheitlichen die soziale Komponente fehlt?
25. Februar 2021, 07:00 Uhr
Im Moment ist die Rückkehr zu den gewohnten Übungsstunden im Verein nicht möglich. Auch für Herzsportgruppen ist der Lockdown ein harter Schlag. FOTOS: DPA/PRIVAT

Michael Hammann leitet seit zwei Jahren die Herzsportgruppe beim TSV Friedberg-Fauerbach. Für ihn ist die derzeitige Situation eine besondere Herausforderung. Gleiches gilt aber auch für seine Schützlinge. Denn schließlich soll in einer solchen Gruppe die Gesundheit stabilisiert und verbessert werden. Was also tun in Zeiten von Corona?

Wer das Angebot einer Herzsportgruppe wahrnimmt, hat entweder eine entsprechende Operation hinter sich oder leidet an einer Herz-Erkrankung. Ein Beispiel: Nach einem Klinik-Aufenthalt geht es in die stationäre Reha. Danach erfolgt die ambulante Nachsorge. Das bedeutet, er oder sie sucht sich einen Verein, der eine entsprechende Zulassung des Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbands (HBRS) hat, eine Herzsportgruppe anzubieten - wie der TSV Friedberg-Fauerbach.

Seit 30 Jahren Herzsport beim TSV

»Wir haben Ende Oktober vergangenen Jahres die letzte Stunde gehabt und uns erst einmal von den Teilnehmern verabschiedet«, erinnert sich Michael Hammann. Es sei gerade in der Herzsportgruppe sehr schwierig, Kontakt zu halten. Ein Teil der Aktiven sei schon über 20 Jahre zusammen in der Gruppe, die Altersspanne reiche von 45 bis 90 Jahre. »Die einen haben E-Mail und Messenger-Dienste, die anderen nicht, das macht es kompliziert.«

25 bis 30 Menschen kommen regelmäßig zu den Stunden, die Gruppe umfasst insgesamt über 50 Personen. »Dieses Angebot gibt es seit 30 Jahren. Wir haben also dieses Jahr Jubiläum. Da sind viele Freundschaften entstanden«, sagt Hammann. Ein Miteinander, das nun seit geraumer Zeit so nicht mehr stattfinden kann.

»Donnerstags von 19 bis 20.30 Uhr in der vereinseigenen Halle, dieser Termin war eigentlich in den Stein gemeißelt«, sagt der lizensierte Übungsleiter Hammann, der in diesem Zusammenhang auch Dr. Wolfgang Pilz lobt, der einer der Mitinitiatoren der Herzsportgruppe gewesen sei und diese auch bis heute mit viel Engagement begleite.

Aktuell also ruht der Herzsport. Ein Online-Training ist nicht möglich. »Wir müssten quasi jedem Teilnehmer einen Arzt mit auf die Couch setzen, das ist unmöglich«, sagt Hammann. Dazu kommt, dass die Leistungsspanne groß ist. »In der Halle kann ich das steuern. Das ist sehr individuell. Mann muss aufpassen, wen man wie fordern kann. Den einen oder anderen muss man auch einmal bremsen. All das ist im Online-Training nicht möglich, sagt der Übungsleiter, der die Gruppe normalerweise gemeinsam mit Anette Kirsch-Altena betreut. Im Sommer gab es ein Zeitfenster - zwischen dem ersten und dem zweiten Lockdown -, in dem man gemeinsam Gesundheitssport machen konnte. »Die Zeit haben wir auch genutzt«, erinnert sich Hammann. Man sei beim TSV in der glücklichen Lage, über eine große Halle zu verfügen. »Dazu kommt noch ein separater Raum. In Kombination mit unserem Hygienekonzept konnten wir also auch Herzsport anbieten.«

Bei grünem Licht sofort bereit

»Es galten strikte Regeln, auf die sehr genau geachtet wurde. Schließlich haben wir es mit Risikopatienten zu tun«, erklärt Hammann. Daher gab es auch Menschen, die lieber nicht an den Übungseinheiten teilgenommen haben. »Wir haben versucht, maximale Sicherheit anzubieten. Aber jeder durfte natürlich selbst entscheiden, ob er oder sie unter diesen Umständen mitmachen wollte oder nicht.«

Dass die Einheiten beim TSV 90 statt den üblichen 60 Minuten dauern, ist laut Hammann übrigens eine Besonderheit: »Es hat sich bewährt, damit wir alle Inhalte auch gebührend abdecken können - Cardio-Training, Gymnastik und Bewegungsspiele.«

Das alles fällt im Moment weg. »Das ist eine schwierige Situation für alle. Aber die Leute wissen, wie sie sich zu Hause in Bewegung halten können. Trotzdem vermissen alle die gemeinsamen Stunden. »Das ist immer wieder Thema in unserer Chat-Gruppe.« Denn zum gesundheitlichen Aspekt kommt natürlich auch der soziale: »Es fehlt auch der Kontakt zu den anderen Teilnehmern. Es ist eine gewachsene Gruppe, die auch gemeinsam viel außerhalb der Sport-Einheiten unternimmt. Weihnachtsfeier, Grillfest, Wanderungen - um nur einiges zu nennen. Wir vermissen alle das Zusammensein.« Sollte man von den Entscheidungsträgern grünes Licht für die Fortsetzung der Herzsport-Einheiten bekommen, »sind wir sofort bereit«.

*

Wer nicht in der WhatsApp-Gruppe der Herzsportler ist, aber gerne am Austausch teilnehmen möchte, der kann sich laut Michael Hammann an die TSV-Geschäftsstelle wenden (Telefonnr.: 06031/62300).

Hendrijk Broistedt ist Abteilungsleiter Reha-Sport beim TSV Friedberg-Fauerbach. Die Herzsportgruppe hat aus seiner Sicht einen sehr hohen Stellenwert im Vereinsleben. »Reha-Sport an sich ist schon ein wichtiges Angebot zur Erhaltung der Gesundheit. Herzsport hat dabei noch einmal eine Sonderrolle: Allein schon die Tatsache, dass diese Gruppe seit 30 Jahren bestehe, zeige die Bedeutung. »Dabei geht es nicht um kurzfristige Hilfe, sondern darum, dass die Teilnehmer dem Sport langfristig verbunden bleiben.«

Die derzeitige Situation sei für den gesamten Reha-Sport hart. »Normaler Reha-Sport ist auch online möglich. Da gibt es Alternativen. Im orthopädischen Bereich haben wir das zum Beispiel. Allerdings haben wir hier nur Teilnehmer dabei, die dem Übungsleiter bekannt sind. »Da nehmen wir derzeit keine neuen Verordnungen auf, damit der Übungsleiter weiß, auf welchen Teilnehmer er wie eingehen muss.« GÄD

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