31. März 2021, 16:00 Uhr

Handball

Handballbegeisterung seit 100 Jahren

Im Juli 1921 wurde beim TSV Butzbach ein damals neues Sportangebot geschaffen. 100 Jahre später haben die Handballer erneut mit einer Pandemie zu kämpfen. Ein bewegter Kurz-Rückblick.
31. März 2021, 16:00 Uhr
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Die Schülermannschaft des TSV Butzbach aus dem Jahr 1924, vorne v.l.: Robert Kraft, Alfred Heyd, Ludwig Größmann. In der Mitte v. l.: Kurt Adler, Heini Fisch, Loth. Maletzke. Hinten v. l.: Bernd Kohr, E. Müller, Rud. Maletzke, W. Müller, H. Steinhäuser. FOTO: PV

Was haben Bernhard Kempa und die Handball-Abteilung des TSV Butzbach gemeinsam? Zumindest die Zeitspanne von 100 Jahren, die seit ihrer jeweiligen Geburtsstunde vergangen sind. Während der Pionier und Erfinder des berühmten Trickwurfes Ende 1920 in Oberschlesien geboren wurde, waren es handballbegeisterte Turner, die im Juli 1921 in Butzbach ihre eigene Abteilung aus der Taufe hoben. Sie schufen mit der damals neuen Mischung aus Torball, Fußballfeld und Hockeyschusskreis einen Meilenstein im heimischen Sportangebot.

Der Berliner Turnrat Max Heiser hatte vier Jahre zuvor, im Oktober 1917 beim Treffen des Frauenturnens in Berlin, zwei von drei alternative Spielideen von der Tagesordnung gestrichen. Übrig blieb Handball als »nettes Bewegungsspiel von untergeordneter Bedeutung«. Es war anfangs für Frauen konzipiert, weil gemäß damaliger Auffassung Umsicht und Schnelligkeit, statt roher Gewalt auf dem Spielfeld entscheiden sollten. Schnell fand aber auch die Männerwelt Gefallen daran und die Erfolgsgeschichte einer neuen Sportart war vorprogrammiert.

Zwei Schutzpolizisten brachten den Trend in der Folge von einer Preußischen Fortbildung für Leibeserziehung mit in die heimische Wetterau und inspirierten den Turnverein Butzbach, eine Handball-Abteilung zu gründen.

Über die Jahre bis hin zum zweiten Weltkrieg spielten die TSV-Handballer eine bedeutende Rolle in der heimischen Region mit vielen Gaumeisterschaften.

In den 1950er Jahren formierte sich nach der Kriegsdepression schnell eine blühende Abteilung, die sich in den 1960er Jahren in die Spitzengruppe des Bezirkes mauserte, um dann nach einer Aufstiegsserie zwei Jahre in der Bundesliga zu spielen. Der kollektive Austritt einer Mannschaft mit Bildung des HSV Degerfeld stellt ebenso einen Eckpfeiler der weiteren Abteilungsgeschichte dar, wie die Gründungen der HSG Kirch/-Pohl-Göns/Butzbach im Jahre 2002 und der seit 2020 bestehenden HSG Butzbach. Mit dieser neuen Kombination schlägt der Handball in Butzbach in seinem Jubiläumsjahr ein vielversprechendes Kapitel auf. Leider ist es den Sportlerinnen und Sportlern der HSG seit Mai letzten Jahres Corona-bedingt nicht möglich, den neuen Butzbacher Handballclub auf dem Parkett zu vertreten.

Die aktuellen Hürden für den Breitensport sind hinlänglich bekannt, denn es gibt zwischen der sportlichen Gründerzeit und dem diesjährigen Jubiläum eine weitere Parallele: Eine Virus-Pandemie. War es in den Jahren 1918 bis 1920 eine Form der Influenza, die weltweit grassierte und Millionen Todesopfer forderte, muss der TSV Butzbach nun das Coronavirus mit all seinen Herausforderungen und Folgen bewältigen.

Pläne für Festlichkeiten und Großveranstaltungen sind bereits seit Längerem durchkreuzt. Vorhaben für den Sommer und Herbst beinhalten viele Konjunktive. Keine leichte Aufgabe, für alle die, die den Sport lieben und würdigen wollen. In diesem Jahr kann es mit Blick auf Impferfolge und Mutanten nur kurzfristige und spontane Konzepte für Feierlichkeiten geben. Die Verantwortlichen werden sich alle Mühe geben, Corona-konforme Lösungen für Sommer und Herbst zu finden.



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