18. Mai 2015, 11:33 Uhr

TG Friedberg sorgt für Tollhaus am Seebach

Die TG Friedberg hat den Klassenerhalt in der Handball-Landesliga geschafft. Hier der Spielbericht zu der nervenaufreibenden Partie.
18. Mai 2015, 11:33 Uhr
Riesenstimmung auf dem Friedberger Parkett, auf dem die TG-Cracks (v.l. Jörn Mangels, Dennis Müller, Tim Schäfer, Marco Zinnel) nach dem Erfolg gegen Eddersheim den Klassenerhalt bejubeln. (Foto: Chuc)

Trainer Gert Eifert wusste gar nicht wohin mit seiner Freude und jubelte ausgelassen, Dennis Müller stimmte »Humba, Humba« an, Alexandra, die Freundin von Torwart Radu Balasz, stürmte auf das Spielfeld und herzte ihren Mann, später in der Kabine wurde zur passenden Musik nur mit Handtuch bekleidet Bob gefahren und lautstark gesungen. Etwas über ein Jahr nach der Partynacht von Friedberg hat es in der Halle am Seebach die nächste emotionale Auflage gegeben, wobei es Gemeinsamkeiten und Unterschiede gab. Dieses Mal ging es für die
TG Friedberg um den Klassenerhalt, nicht um den Aufstieg – doch es kam erneut zum Happyend. Nur wesentlich nervenaufreibender. Denn während vor zwölf Monaten die Bezirksoberliga-Meisterschaft mit einem letztlich lockeren Sieg klargemacht wurde, musste die Eifert-Sieben dieses Mal bis zum Schluss hart arbeiten. Nach dem 33:32 (17:18)-Erfolg gegen die TSG Eddersheim hat die TG den Klassenerhalt aus eigener Kraft geschafft. Rund 500 Fans feierten nach einem der wohl stimmungsvollsten Partien der vergangenen Jahre – denn auch der gegnerische Anhang unterstützte seine Mannschaft lautstark und durfte am Ende den Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Bezirksoberliga bejubeln.

Bei Niederlage der ersten Mannschaft steigt die Zweite definitiv auf – diese kuriose Konstellation lag wie ein Damoklesschwert über der Partie. Wie würde die TSG Eddersheim agieren, für die es zum Saisonabschluss um nicht mehr ging? Wie lange hält sie dagegen? Oder zieht sie voll durch, weil man den Aufstieg der Zweiten nicht unbedingt möchte? Die Antwort: 58 Minuten verlangten die Gäste den Friedbergern alles ab, führten zu Beginn der zweiten Halbzeit sogar mit vier Toren (25:21/40.) und ließen auch nicht locker, als Friedberg den Ausgleich hergestellt hatte (26:26/46.). Erst fünf Minuten vor Schluss führte die TG erstmals nach dem 14:13 wieder (31:30), und in die letzten zwei Minuten ging es im Gleichschritt (32:32). Dann verwarf der starke TSG-Rechtsaußen, bis dahin mit einer starken Quote, leichtfertig, TG-Kapitän Steffen Rosenschon traf zum 33:32 und verwandelte damit die Arena in ein Tollhaus, und 24 Sekunden vor Schluss ließ Eddersheim die Chance auf den Ausgleich durch Zeitspiel liegen – drei Szenen, in denen die Gäste nicht die letzte Konsequenz zeigten, die sie 58 Minuten lang ausgezeichnet hatten. Die Gesichter einiger Eddersheimer zu diesem Zeitpunkt verrieten: Eine Niederlage macht uns gar nichts.

Friedberg hatte allerdings die Möglichkeiten, schon früher die Partie in die gewünschte Richtung zu lenken. Alleine Dennis Müller hatte nach Tempogegenstößen gleich dreimal lange Zeit, sich die Ecke auszusuchen – und scheiterte; technische Fehler luden Eddersheim zum Torewerfen ein, und auch Torhüter Radu Balasz hat schon bessere Spiele gezeigt. Doch ihn zeichnete aus, dass er nach seiner Pause auf der Bank (14. bis 36.) stärker zurückkam und das Niveau von Daniel Weber aufnahm, der nach seiner Einwechslung einige starke Paraden zeigte.

Insgesamt formulierte es Gert Eifert nach dem 60-Minuten-Krimi treffend: »Es war ein interessantes Spiel mit dem glücklicheren Ende für uns. Wir haben es uns selber schwer gemacht, auch wenn uns Eddersheim alles abverlangt hat. Aber unsere Einstellung war top, wir hatten nicht die Hosen voll wie in anderen Partien der Rückrunde. Wir hätten bei einer Niederlage den Klassenerhalt nicht verdient gehabt, die Rückrunde war nicht gut«. Ein Spieler meinte dazu: »Ein Pferd springt nicht höher, als es muss«. Vor zwei Wochen war klar, dass die TG wohl zwei Siege zum Abschluss benötigt – mit zwei Ein-Tor-Erfolgen wurde das Ziel Klassenerhalt auf dem letzten Meter erreicht.

Zwei Spieler stachen zum Abschluss heraus: André Avemann agierte weite Teile des Spiels auf Außen und erzielte sechs Tore in den ersten 20 Minuten (am Ende acht Treffer); und Marco Zinnel hatte maßgeblichen Anteil an der Aufholjagd, er traf zwischen der 34. und 54. Minute satte sieben Mal (insgesamt elf Treffer).

TG Friedberg: Balasz (1.-14./36.-60.), Weber (14.-36.); Wolf (4), Zinnel (11), Rosenschon (2), Kahabka (1), Ploner (1), Jonscher, Kammel, Mangels, Schäfer (1), Müller (5), Avemann (8/2).

TSG Eddersheim: Scheffer, Fritz; Solbach (5), Pappisch (10), Becker (4), Pohle, Maus (4), Eckert (3), Strick, Rudolph, Weigand (2), Wyrwich, Sternberger (2).

Steno: Schiedsrichter: Arnold/Göthmann (Otzberg). – Strafmin.: 4:8. – Siebenmeter: 2/2:4/4. – Zuschauer: 500. Michael Wiener

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Am Spielfeldrand:

Die treuen Spielerfrauen: Über den Klassenerhalt der Friedberger Handballer freuen sich nicht nur Mannschaft und die Verantwortlichen, sondern natürlich auch die Spielerfrauen. Sie haben es zur Gewohnheit werden lassen, vor jeder Auswärtsfahrt am Spielort (oder einem benachbarten Örtchen) gemütlich einen Kaffee zu trinken oder in Wiesbaden noch kurz shoppen zu gehen. Spielt man nur in Münzenberg, Vollnkirchen oder Oppershofen, ist das Feeling bei diesen Ausflügen natürlich ein ganz anderes. Im Vordergrund stand aber immer die Unterstützung ihrer Männer. Und das haben sie, wie von den Spielern zu hören war, immer vorbildlich gemacht. Insbesondere bei einem Ausflug in die Wiesbadener Kante, als auf der A5 eine Vollsperrung war und sämtliche »Teamfahrzeuge« dort im Stau standen. Da ein Teil der Mannschaft von Taxen und herbeieilenen Friedbergern auf einer naheliegenden Brücke eingesammelt wurde, mussten einige Frauen wildfremde Gefährte Richtung Breckenheim steuern. Aber auch diese Aufgabe haben sie mit Bravour gemeistert.

***

Wo war Pit Schubert?: Peter Schubert ist der Mister Handball in Friedberg. Er fiebert mit, moderiert, schreibt für das Stadionheft, engagiert sich in allen Belangen für die Mannschaft, ist bei jedem Heimspiel vor Ort, fiebert und leidet in jeder Sekunde mit – aber am Mikrofon stets mit Fassung. Doch am Samstag war »Pit« Schubert im Urlaub. Vielleicht wollte er einfach nur seine Nerven schonen.

***

Tollhaus am Seebach: An die Stimmung in der Halle werden sich die Zuschauer vom Samstag sicherlich noch lange erinnern. Selten wurde von Beginn an jeder Treffer so frenetisch bejubelt, selten war auch der gegnerische Anhang so lautstark und wollte die La-Ola-Welle durch die ganze Halle peitschen. Wie schön, dass am Ende beide Mannschaften feierten. (mw)

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