11. Mai 2014, 22:48 Uhr

TG Friedberg mit Ritt ohne Ende

Die Erfolgswelle, sie brach einfach nicht. Die TG Friedberg war nach Anlaufschwierigkeiten – beim Saisonziel Mittelfeld immer noch ein guter Start – aufgesprungen, und zwar im November. 12:6 Punkte hatte die TG auf dem Konto, und die unglaubliche Serie sollte mit einem Sieg gegen Münzenberg/Gambach beginnen.
11. Mai 2014, 22:48 Uhr
Ein emotionaler Trainer: Gert Eifert beim Abpfiff am letzten Spieltag. (Foto: Nici Merz)

16 Siege und nur eine Niederlage später stand der Meister der Handball-Bezirksoberliga fest. Die TG hatte es geschafft, erstmals in der Vereinsgeschichte verlässt das Kreisstadt-Team den Bezirk und steigt in die Landesliga auf. Die Meisterstory mit Zeitstrahl und dem Meister-ABC:

Architekt des Erfolges ist Gert Eifert. Der 50-Jährige kehrte vor der Saison nach Friedberg zurück, knüpfte an seine letzte erfolgreiche Spielzeit bei der TG 2010/11 an und führte das Team zur Meisterschaft. »Ein gesicherter Mittelfeldplatz wäre für mich okay gewesen«, blickt Eifert auf das gesteckte Saisonziel zurück. Pustekuchen. Friedberg war nach fünf Siegen aus den ersten sechs Spielen sofort oben dabei und setzte nach der Niederlage in Langgöns im November zum Sturmlauf an. Nur einmal, bei der Niederlage in Heuchelheim, holte die TG nicht zwei Punkte. Alle knappen Spiele gingen an die Kreisstädter – Lohn des harten und akribischen Trainings unter Gert Eifert. »Wir nutzen unsere zweimal zwei Stunden Trainingszeit pro Woche voll aus und haben stets sehr gut trainiert. Darum haben wir uns am Ende durchgesetzt«, glaubt Eifert, der keinen breiten Kader zur Verfügung hatte. Im Tor musste gelegentlich gar Handball-Ruheständler Ralf Hägele aushelfen, da Boris Langer einige Male aufgrund seiner Rückenprobleme passen musste und Eric Zerulla aus beruflichen Gründen kaum Zeit für das Training hat. Zudem fiel Kreisläufer Christian Lebeau aufgrund diverser Blessuren monatelang aus. »Dafür haben sich einige Jungs stark verbessert, wie beispielsweise Fabian Wolf und Marcel Jonscher«, lobt Eifert das Duo.

In der Landesliga hat sich die TG den Klassenerhalt zum Ziel gesetzt. Während Fabian Wolf (Studium in Köln) und Boris Langer (Karriereende) nicht mehr zur Verfügung stehen, kehrt Artur Belz aus Hüttenberg zurück. Dazu verstärken Dennis Müller (als Ersatz für Wolf), Jonas Kinski (ausgebildet in der Hüttenberger Jugend) und Daniel Jacobi (Linkshänder) den Friedberger Kader. Handlungsbedarf besteht noch insbesondere auf der Torhüterposition.

Die Friedberger Saison kompakt

28. September: Nach dem Auftaktsieg in Oppershofen folgt sogleich die erste Niederlage in Grünberg/Mücke. Doch Friedberg erholt sich schnell und marschiert durch den goldenen Oktober mit vier Siegen.

16. November: Drittes Spiel in Folge ohne Sieg. Friedberg verliert beim Titelfavoriten in Langgöns, nachdem die Mannschaft von Gert Eifert zuvor zwei Heimremis gegen Wettenberg II und Mainzlar erzielte.

21. Dezember: Friedberg feiert zum Jahresabschluss in Vollnkirchen beim 35:23 den höchsten Saisonsieg. Nach der Hinrunde liegt die TG auf Rang drei, einen Punkt hinter Wettenberg II und Langgöns.

26. Januar: Das Eifert-Team gewinnt trotz früher Roter Karte gegen Jöran Mangels in Wettenberg mit 30:29 und distanziert den Konkurrenten auf drei Punkte.

23. Februar: Nach neun Siegen in Serie verliert die TG in Heuchelheim glatt mit 19:26. Eifert: »Das Spiel musste kommen. Da ging gar nichts. Wir haben aber nicht damit gehadert, sondern haben einfach weitergemacht«.

22. März: Gipfeltreffen in der Halle am Seebach. Langgöns kommt mit einem Punkt Vorsprung – und geht nach dem 22:25 mit einem Punkt Rückstand. 600 Zuschauer sehen eine starke Leistung der TG im »Endspiel«. Noch vier Siege bis zum Titel.

29. März: Nun sind die Friedberger die Gejagten, sie haben den Druck. Das erste Spiel nach der Eroberung der Tabellenführung beeindruckt Trainer Eifert, die TG gewinnt 35:28 bei der HSG Münzenberg/Gambach. Noch drei Siege.

5. April: 22:18 gegen Vollnkirchen. Eifert: »Ein Ritt auf der Rasierklinge, der Gegner hat uns das Leben schwer gemacht.« Noch zwei Siege.

26. April: Vor dem Spiel zittert die TG, es ist die vermeintlich letzte Hürde bei der Wundertüte in Södel. »Sie haben uns keinen Zentimeter geschenkt«, sagt Eifert. 27:22 gewinnen Steffen Rosenschon und Co. Noch ein Sieg.

3. Mai: Der Vorletzte kommt. Dilltal bereitet der TG lange Kopfschmerzen, führt sogar einige Male in der zweiten Halbzeit. Angeführt von Marco Zinnel dreht die TG zwischenzeitlich auf und kann schon vor dem Abpfiff feiern. Die lange Partynacht beginnt.

Die Meistersaison der TG Friedberg von A bis Z:

Abwehrvarianten: Gert Eifert ließ zunächst häufig im 6:0-Verbund decken, später öfter im 3:2:1 mit dem Vorgezogenen Mangels oder Zinnel. »Wenn es nicht läuft, habe ich eben umgestellt. Dann muss der Gegner sein Angriffsspiel anpassen«, sagt Eifert. Ein Sonderlob in der Defensive geht an Christian Lebeau und Jöran Mangels. »Sie haben die Abwehr zusammengehalten«.

Boris Langer: Der außergewöhnliche Torhüter. Einstellung und Leistung stimmen immer. Quälte sich dreimal in der Woche mit Schmerzen aus der Halle. Macht an Spieltagen morgens Gymnastik, um seinen lädierten Körper in Form zu bringen. Ein unglaublich wichtiger Rückhalt.

Co-Trainer: War bisher Oliver Kuchler. Er hörte nach Saisonende aus beruflichen Gründen auf. Eifert bedauert dies. »Sehr schade. Er war immer zuverlässig und loyal. Seine Ruhe passte gut zu meinem Temperament, das hat sich gut ergänzt«. Die Suche nach Kuchlers Nachfolger läuft.

Dino der Bezirksoberliga: Vergangenheit. Die BOL-Uhr der Friedberger ist abgelaufen. Seit Einführung dieser Klasse war die TG dabei, nun geht es eine Stufe höher. Eifert: »Das zeigt die Beständigkeit des Vereins. Aber es ist wichtig, auch mal einen Schritt nach oben zu machen.«

Eifert, Gert: Der Meistertrainer. Auch unter H, U und X ein Thema. Seine Spieler schätzen ihn als ehrgeizig, menschlich und authentisch. Kein Schleifer; streicht aber auch mal das obligatorische Fußballspiel zum Trainingsauftakt, wenn ihm die Leistung am Vorwochenende partout nicht gefallen hat.

Fans: Sorgen immer für tolle Stimmung in der Halle am Seebach, insbesondere beim Gipfeltreffen und beim »Meisterspiel« am letzten Spieltag. Für Eifert sind das »Erlebnisse, die das Handballer-Herz höher schlagen lassen«. Nun hofft er, dass die Zuschauer diese Unterstützung auch in der kommenden Saison liefern. Wenn es wahrscheinlich nicht so erfolgreich läuft. »Die Kreisstadt hat noch mehr Potenzial«.

Gipfeltreffen: 22. März. Anwurf 18.30 Uhr. Tollhaus Halle am Seebach. Friedberg stürzt den Spitzenreiter und übernimmt selbst die Führung. 25:22 heißt es am Ende. Die Wende im Meisterschaftskampf.

Herzensangelegenheit: Ist die TG Friedberg für Gert Eifert. Er war hier Spieler, Spielertrainer, Trainer. »Ich fühle mich hier heimisch, meine Familie auch. Ich komme gerne hierher«.

Identifikation mit dem Verein: Stimmt beim Trainerteam, stimmt bei den Spielern. Siehe J.

Jugendarbeit: Hervorragend. Fast alle Akteure aus dem 2012/13er-Kader spielen seit der Jugend in Friedberg. Einige Akteure wie Steffen Rosenschon sind schon seit Jahrzehnten bei der TG. Der Übergang dauert manchmal, kann aber auch während einer Saison vollzogen werden. Beispiel Fabian Wolf. Eifert über den Youngster: »Es hätte niemand zu Saisonbeginn gedacht, dass er ein starker BOL-Spieler werden kann«.

Klassenerhalt: War bei Pessimisten die Mindestzielsetzung vor Rundenbeginn. Verpasst.

Langgöns: Der Dauerrivale der zweiten Saisonhälfte. Laut Eifert eine »sympathische Mannschaft«, zu deren Trainer er ein gutes Verhältnis hat. »Sie hätten die Meisterschaft ebenso verdient.« Mit nur neun Minuspunkten hat man zweifellos eine starke Runde gespielt.«

Meisterschaft 2014: Wird in die Friedberger Handball-Geschichte eingehen. Gab’s für die erste Männermannschaft noch nicht all zu viele. Siehe D.

Neuzugänge: Fix sind Artur Belz, Dennis Müller, Jonas Kinski und Daniel Jacobi. Insbesondere auf der Torhüterposition soll nach Langers Rücktritt freilich nachgebessert werden. »Ich suche schon seit Monaten«, sagt Eifert.

Oktober, goldener: Vier Siege in vier Spielen. Nach 2:2 Punkten im September der Grundstein für eine erfolgreiche Saison.

Partynacht: Ist nach Ansicht von Gert Eifert »richtig cool« gewesen und vergeht »wie im Flug, obwohl einige Feierkönige früher als gewohnt schlapp gemacht haben«.

Qualitätsmerkmale der Mannschaft: Das Hauptmerkmal findet sich unter S. Dazu kommt insbesondere Selbstvertrauen und der Zusammenhalt. Und es gab keinen Querulanten.

Rosenschon, Steffen: Der Ur-TGler. Kapitän und Schaltzentrale, seit 25 Jahren für die TG auf dem Parkett. Zieht die Fäden im Angriffsspiel der TG. Bildet mit Christian Lebeau bis zu dessen Verletzungsmisere ein kongeniales Duo.

Standhaftigkeit: Friedberg schafft es, viele Spiele gegen Ende zu entscheiden. Eifert hat hier Vorteile in Sachen Kondition und Standhaftigkeit ausgemacht.

Tiefe im Kader: Hätte laut Eifert besser sein können. »Acht bis neun Spieler haben bei uns den Löwenanteil an Spielzeit gehabt. Das ist nicht viel«.

Unterbrechung: Zwei Jahre hatte Eifert pausiert, ehe er zur TG zurückkehrte. »Ich habe mich auf mich und meine Familie konzentriert. Trainer sein kostet viel Kraft. Deswegen mache ich immer nur Ein-Jahres-Verträge und schaue dann, wie die Perspektive ist«, erklärt Eifert. Er habe sich außerdem in dieser Pause ein Mountainbike zugelegt, da er aus gesundheitlichen Gründen kein Handball mehr spielen kann.

Vizemeisterschaft 2011: Schnee von gestern. Meister 2014 zählt. Eifert vergleicht beide Mannschaften, die er jeweils trainierte: »Wir haben in dieser Saison einen schnelleren Ball gespielt, waren konditionell besser aufgestellt und hatten mehr Selbstvertrauen. Vielleicht sind wir auch ein bisschen harmonischer. Wir haben damals aber auch eine gute Runde gespielt. Linden, der Meister, war schon ein anderes Kaliber.«

Wolf und Zinnel: Fabian und Marco. Die starken Youngster, die bei den Feldtoren in der Bezirksoberliga ganz vorne landen. Für Eifert ist Wolf »der Shootingstar« der Saison, der Halblinke macht einen großen Sprung. Zinnel ist der Mann für die wichtigen Tore. Hatte Anlaufschwierigkeiten, wurde zum Ende hin immer besser.

X-fache Rückkehr: Gert Eifert ist ein Mann mit Vereinstreue. Erster Stammverein Anspach, wo er auch in der Jugend spielte. Ging ein Jahr nach Ober-Eschbach, um in der damals höchsten Jugend-Spielklasse auflaufen zu können. Kehrte zurück. Kam Ende der 1990er nach Friedberg, ging später wieder nach Anspach. Kehrte nach Friedberg zurück. Ein erstes Mal 2009, ein zweites Mal vier Jahre später.

Yoga: Braucht das Team von Gert Eifert nicht. Mental in der Rückrunde immer auf der Höhe. Nur einen Aussetzer, beim 19:26 in Heuchelheim.

Zielsetzung in der Landesliga: Ganz klar der Klassenerhalt. Eifert: »Wir müssen uns an den Teams in der zweiten Tabellenhälfte orientieren, gegen diese unsere Heimspiele gewinnen und auswärts möglichst auch etwas mitnehmen. Mannschaften wie beispielsweise Dotzheim [Anm. d. Redaktion: Vizemeister, bekommt dazu aus der Insolvenzmasse des bisherigen Drittligisten SG Wallau Verstärkung] werden nicht unsere Kragenweite sein.« Michael Wiener

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