15. September 2016, 23:33 Uhr

Neue Handball-Regeln: Ein vorsichtiger Optimismus

Wenn an diesem Wochenende die neue Spielzeit bei den Handballern beginnt, müssen sich Spieler und Trainer, aber auch Sekretäre, Zuschauer, Zeitnehmer und vor allem auch die Schiedsrichter mit Neuerungen beschäftigen, die nicht nur recht kontrovers diskutiert werden, sondern die Handballwelt spalten.
15. September 2016, 23:33 Uhr
Claus Well sieht Vor- und Nachteile in den Regeländerungen.

Da sind zunächst einmal fünf neue IHF-Regeln, die seit dem 1. Juli dieses Jahres Gültigkeit haben und bei den Olympischen Spielen erstmals unter Wettkampfbedingungen angewandt wurden. Eigentlich sind es für die Spielklassen im Hessischen Handball-Verband nur vier. Zumindest derzeit. Da der IHF Einspruch dagegen eingelegt hat, dass in Deutschland eine der neuen Regeln nur bis hinab zur 3. Liga gilt, kann sich dies jederzeit wieder ändern:

Regel 1 betrifft den siebten Feldspieler, der dem Handball bei herausgenommenem Torhüter zu einer attraktiveren Spielweise verhelfen soll. In Regel 2 geht es um die blaue Karte, die signalisiert, dass neben einem Platzverweis auch ein schriftlicher Bericht und damit eventuell eine höhere Strafe folgen wird. Bei Regel 3 handelt es sich um die Regel, die in Deutschland bisher nur oberhalb der Landesverbände greift. Sie betrifft den Umgang mit verletzten Spielern, die nach Behandlung auf dem Parkett drei Angriffe aussetzen sollen. Eine Regel, die wohl am auffälligsten daherkommt, ist Regel 4, die ein von den Schiedsrichtern angezeigtes passives Spiel beeinflusst. Nur noch sechs Pässe dürfen gespielt werden, dann muss der Angriff spätestens abgeschlossen sein. Regel 5 betrifft die oftmals hektischste Phase des Spiels, die letzten 30 Sekunden. Sie regelt die Bestrafung für Vergehen innerhalb dieser Zeitspanne mit einer automatischen Sperre für das nächste Spiel.

Wie umstritten diese gravierenden Änderungen sind, zeigen Aussagen der Branchenführer. Alfred Gislason, Trainer des THW Kiel, ist der Ansicht, dass Mannschaften die mit viel Härte spielen, jetzt massiv bevorzugt werden und sieht damit eine Sabotage am Handballsport. DHB-Vizepräsident Bob Hanning glaubt, dass die Regel um den siebten Feldspieler den Handball nicht nur verändern, sondern die handelnden Personen lange beschäftigen wird.

Elektronischer Spielbericht

Eine weitere Änderung, die auf die Mannschaften von Landes- und Bezirksoberliga der Männer zukommt, ist der elektronische Spielbericht (ESB). Hiervon werden die Zuschauer zwar nichts mitbekommen, es bedeutet aber für die Vereine eine grundlegende Änderung bisher gewohnter Abläufe im Spielbetrieb. Bereits in der Saison 2015/2016 wurde der ESB bei den Männern in der Oberliga eingeführt. Umfragen bescheinigen dem Verband, dass die Einführung von den betroffenen Vereinen positiv angenommen wurde. Geäußerte Kritik sei mittlerweile verstummt, hört man.

Es fallen für die Vereine zwar zunächst einmal Mehrarbeiten wie zum Beispiel das Erstellen von Kaderlisten für jede Mannschaft vor Beginn der Runde an. Aber nach deren Prüfung durch die Klassenleiter sollten Bescheide wegen fehlender Pässe im Rundenverlauf nicht mehr erstellt werden. Weitere positive Aspekte für den neuen ESB sind u. a., dass das alte und nicht mehr zeitgemäße System mit den Spielberichten in Papierform und Durchschriften der Vergangenheit angehört. Aufwendige Tätigkeiten wie falten, verpacken, frankieren und versenden der Spielberichte entfallen. Bescheide für fehlende Ergebnisse oder fehlerhaftes Ausfüllen des Spielberichts, die nicht mehr erstellt werden, sollten im Verlauf einer Spielzeit die Kosten für Laptop usw. schon amortisieren.

Bezirksspielwart Stefan Albus nennt einen weiteren Vorteil für die Vereine: Durch die zentrale Datenverwaltung, die in der Endausbaustufe (bei Abgleich mit der Datenbank des HHV) steht, werden dann z. B. gesperrte Spieler automatisch über alle Ligen hinweg gesperrt. Außerdem haben die Klassenleiter direkt nach dem Spiel den elektronischen Spielbericht vorliegen. Somit können notwendige Bescheide und Sperren schneller bearbeitet werden. Dies ist vor allem wichtig bei notwendigen, kurzfristig anzusetzenden Entscheidungsspielen direkt nach Rundenende.

Skeptiker führen dagegen ihre Argumente ins Feld: Die Vereine müssen zunächst einmal einen Laptop mit Drucker anschaffen, was mit ca. 300 Euro veranschlagt wird. Dazu kommt, dass es in vielen Hallen keine Internet-Anschlüsse oder WLAN gibt. Einen abschließbaren Raum zu schaffen, damit die Hardware sicher gelagert werden kann, stellt oftmals auch ein Problem dar. Hier sind die Vereine gefordert.

Von den Kommunen ist dabei nicht immer Hilfe zu erwarten. Dazu kommt, dass die Sekretäre und Zeitnehmer eine neue entsprechende Schulung durchlaufen müssen. In einer Zeit, in der viele Vereine Mühe haben, überhaupt Personal für ihre vielfältigen Aufgaben zu finden, kein einfaches Unterfangen. »Den ehrenamtlichen Helfern einen Zettel hinzulegen, sei kein Problem. Aber erst eine Schulung in einem Computerprogramm ist ein anderes Thema«, wird argumentiert.

Informiert man sich in Regionen, die bereits Erfahrungen mit dem elektronischen Spielbericht haben, nimmt man einen vorsichtigen Optimismus wahr und gewinnt die Überzeugung, dass er sich durchsetzen wird.

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