13. Juni 2016, 21:13 Uhr

Türk Gücü Friedberg setzt Maßstäbe

Wunsch und Wirklichkeit in Einklang zu bringen, ist bekanntlich keine ganz einfache Sache. Bei den Fußballern von Türk Gücü Friedberg war alles ganz anders.
13. Juni 2016, 21:13 Uhr
Meister der Gruppenliga Frankfurt-West: Türk Gücü Friedberg feiert am vorletzten Spieltag den Wiederaufstieg in die Verbandsliga und krönt die Saison mit dem Pokalsieg. (Foto: Chuc)

Da manifestierte der Kreisstadt-Klub nach dem Abstieg in 2014/2015 die sofortige Rückkehr in die Verbandsliga Süd als Saisonziel, stand also ab Anfang August 2015 auf der Bühne der Gruppenliga Frankfurt-West unter Stress, hielt jedoch dem großen Erfolgsdruck durchgehend stand und durfte bereits am vorletzten Spieltag, nach dem 2:1-Sieg beim SC Dortelweil, die Ernte einfahren: 70 Punkte erwiesen sich auf der ersten überregionalen Ebene für die Hochtaunus-Titelrivalen Usinger TSG und TuS Merzhausen als unerreichbare Hausnummer und ab der kommenden Saison genießen die Friedberger – wie geplant – erneut Verbandsliga-Status. Zusätzliches Schmankerl war der Kreispokalsieg, erstritten durch einen 2:0-Finalerfolg am 26. Mai über die TSG Ober-Wöllstadt.

Beim Auflisten dessen, welche Faktoren die zweite Gruppenliga-Meisterschaft binnen vier Jahren (erstmals 2012/2013 mit Savas Yasaroglu auf der Kommandobrücke) unter den Direktiven der Trainer Nazim Sahin (bis Ende November) und Abdessamad Fachat (ab der Rückrundenfortsetzung) ermöglichten, darf man zudem eines nicht vergessen: Man hätte es viel einfacher haben können. Der vom Verbandssportgericht ausgesprochene Drei-Punkte-Abzug, den TG-Fans am 16. November nach der 1:2-Heimniederlage gegen Dortelweil durch Verbalattacken in Richtung Schiedsrichter quasi inszenierten, war absolut unnötig. »Hinzu kam die 2:3-Heimpleite gegen Seckbach, als die Mannschaft einen sicheren 2:0-Vorsprung in der Schlussviertelstunde noch in den Sand setzte«, ergänzt Friedbergs sportlicher Leiter Gökhan Satir. Die Konkurrenz, insbesondere die Usinger TSG und der TuS Merzhausen, habe zwar nie locker gelassen, »aber die Qualität des Kaders sprach für uns«.

Es sollte sich im Laufe der Runde zeigen, dass sich die zu Saisonbeginn neu verpflichteten Julian Davy (FC Ober-Rosbach), Pedram Ghazahnfari (SG Ober-Erlenbach), Abdelkader Jellouli (SG Höchst), Younes Idrissi (FC Kalbach), Ignat Chekmazov (SV Nieder-Wöllstadt), Khalid El Houssaini (FC Kalbach) und – vor allem – Torjäger Ibrahim Cigdem (Vatanspor Bad Homburg) durchgehend als Volltreffer erwiesen. Alit Usic (FCO Fauerbach) und Halim Chehab (SV Gronau) kamen im Rahmen der Wechselperiode II. Das reichte, um die Konkurrenz trotz zwischenzeitlicher Personal-Engpässe auf Distanz zu halten. »Gerade im April und im Mai traf es uns besonders schlimm. Da haben uns Spieler der zweiten Garnitur, beispielsweise Ramiz Yalcin, Emir Mujdza oder Furkan Kaplan, nach Kräften unterstützt«, lobt Satir deren Engagement.

Neuzugänge sind Vollltreffer

Als grundsätzliche Wegbereiter zur Meisterschaft outeten sich freilich andere Cracks: Etwa Kamber Koc, der wohl beste Gruppenliga-Keeper. Oder Abwehrchef Alexander Clark, Innenverteidiger mit perfektem Stellungsspiel. Nicht zu vergessen Özkan Ucar, Regisseur im offensiven Mittelfeld und insbesondere nach der Winterpause Initiator fast aller Türk Gücü-Treffer, die vorwiegend durch den Gruppenliga-Shooter Nummer eins, Ibrahim Cigdem, erzielt wurden. Cigdem brachte es auf 35 Tore.

Türk Gücü setzte auch auf anderen Ebenen Maßstäbe: Man verfügte über die mit Abstand beste Abwehr (27 Gegentore), hielt dabei in 14 von 32 Duellen den eigenen Kasten sauber und blieb auswärts ungeschlagen (zehn Siege, fünf Remis). Niederlagen gab’s demnach nur zu Hause, genauer gesagt gegen Merzhausen (0:2), Dortelweil (1:2) und Seckbach (2:3) auf dem Sportfeld »Eisenkrain« in Ober-Rosbach. Dort müssen unter den Direktiven des weiterhin als Chefcoach fungierenden Abdessamad Fachat (Co-Trainer: Kerem Acar) demnächst auch die Verbandsliga-Rivalen Station machen. »Die Hoffnung, als Friedberger Verein in der Kreisstadt auf einer den Ansprüchen genügenden Spielstätte unseren Sport ausüben zu können, haben wir mittlerweile aufgegeben«, sagt Satir.

Für die Meisterschaft enorm wichtig: Immer dann, wenn’s mal kritisch wurde, konzentrierte sich das Team aufs Wesentliche und bewies dabei eine geradezu erstaunliche Gelassenheit. So geschehen Ende November, in der Übergangsphase zwischen dem kurz vorher entlassenen Nazim Sahin und dem noch nicht inthronisierten Abdessamad Fachat beim Gastspiel bei Sandzak Frankfurt. Satir coachte die personell auf dem Zahnfleisch kriechende TG-Truppe und durfte einen 2:1-Sieg feiern. »Da haben die Spieler Charakter gezeigt.« Ähnlich ungünstige Voraussetzungen hätten vor den Top-Spielen in Merzhausen und Usingen geherrscht: »Dennoch haben wir in Merzhausen 2:0 gewonnen und später dann in Usingen nach einem 0:2-Pausenrückstand noch die Kurve gekriegt und ein 2:2-Remis geholt.«

Beim Blick nach vorne gelten ab sofort andere Prioritäten. Die Verbandsliga sei sportlich ein anderes Kaliber, meint Satir. »Etablieren ist angesagt«, lautet das Motto. Ibrahim Cigdem und Adrian Saletnik (SC 1960 Hanau) werden beim Trainingsauftakt (27. Juni – erstes Testspiel am 29. Juni gegen den Hessenligisten Rot-Weiß Frankfurt) nicht mehr dabei sein, dafür kann Coach Fachat mit Torwart-Talent Louis Korn (A-Jugend KSV Klein-Karben), Emre Kadimli (FV Bad Vilbel), Baba Mouhaman (Viktoria Urberach), Ferdijan Idic (FC Olympia Fauerbach), Aziz Bidou (TS Ober-Roden) und Baris Odabas (Optik Rathenau) sechs neue Leute begrüßen.

»Wir planen mit einer Kadergröße von 16 bis 18 Spielern. Ein Stürmer wird noch gesucht«, ergänzt Satir. Bezüglich der zweiten Mannschaft, die in der B-Liga spielt, gibt’s derweil eindeutige Vorgaben, denn der Sprung in die A-Liga ist für die TG-Verantwortlichen das Ziel. Um gute Bedingungen zu gewährleisten, wurden personalbezogen bereits Fakten geschaffen: Cavit Ünal (SKV Beienheim II), Haris Hodovic (TSV Bad Nauheim), Enis Cirak (Inter Reichelsheim) sowie Tufan Altuncicek und Olcay Sancar (beide SV Ockstadt) sind als Zugänge fest eingeplant. Uwe Born

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