14. September 2015, 14:53 Uhr

Tränen, Tore und tolle Okocha-Tricks

Fast 4000 Fußball-Fans sind nach Marburg gepilgert, um Dietmar Roth zu unterstützen, der sich nach einem Schlaganfall zurück ins Leben kämpft. Sie sahen tolle Tore beim 8:8, viele Fußball-Legenden, Eintracht-Größen, Promis und erlebten berührende Randgeschichten.
14. September 2015, 14:53 Uhr
Zu Tränen gerührt: Dietmar Roth mit seiner Lebensgefährtin. (Foto: Vogler)

Als Dietmar Roth von seiner Lebensgefährtin im Rollstuhl vor die Haupttribüne im Marburger Georg-Gaßmann-Stadion geschoben wurde, erhoben sich alle auf der ausverkauften Sitzplatz-Tribüne und spendeten minutenlang Applaus. Sichtlich gerührt war nicht nur die Hauptfigur dieser Benefiz-Veranstaltung, sondern auch so mancher Zuschauer im weiten Rund, der wie Roth mit den Tränen kämpfte. Noch immer fällt es dem ehemaligen Eintracht-Verteidiger nach seinem Schlaganfall schwer, sich zu artikulieren, obwohl er alle Freunde erkennt, mit ihnen lacht und alles versteht.

So war dieser Sonntag vor allem ein Tag der bewegenden Momente, der Solidarität und der großen Wiedersehensfreude. Kurz nach Roth betrat Alex Meier die Marburger Bühne, entfachte noch einmal einen Beifallssturm. Kein Wunder. Erst am Abend zuvor hatte er mit seinen drei Toren gegen den 1. Köln ein neues Frankfurter Fußball-Märchen geschrieben. Dann erhob sich Roth aus seinem Rollstuhl, lief mit einem Stock neben Meier auf den Rasen und führte den Anstoß aus. »Diese Mannschaft ist zwar in Rostock nicht Meister geworden, aber heute ist sie ein Weltmeisterteam, weil für diese tolle Aktion noch einmal so viele Eintracht-Legenden zusammengekommen sind«, rief der Frankfurter Coach Dragoslav Stepanovic beim Interview mit Moderator Henni Nachtsheim ins Mikro und versprach Offensive pur. Dem schloss sich Rudi Völler an, der die Bundesliga-Auswahl coachte. Am Ende sollten 16 Treffer im Notizbuch stehen.

Den ersten erzielte Uwe Müller für die Eintracht, bevor Supertechniker Jay Jay Okocha seine große Show inszenierte und zum 2:0 mit der Hacke traf. Die Eintracht konnte durch einen tollen Schuss von Ralf Weber erhöhen und sich hinten auf den starken Oka Nikolov verlassen. Doch urplötzlich war die Auswahl wieder im Spiel, weil »Icke« Hässler immer noch topfit ist und das 3:1 und 3:2 markierte. Körperlich waren auch Maurizio Gaudino, der ein berauschendes Solo mit dem 5:5 krönte, und Samy Sane noch sehr gut in Schuss, die sich ja beide über hochtalentierte Söhne freuen können, die in München und auf Schalke gleichfalls Bundesliga-Karrieren ansteuern. Aber auch Paul Janke und David Odonkor, die Motoren der Völler-Auswahl, verbindet so einiges. Janke war der »Bachelor« auf RTL, Odonkor hat gerade erst die Promi-Big-Brother-Show auf SAT 1 gewonnen. Gestern kämpften sie Seite an Seite. Das alles verfolgte Dietmar Roth ruhig und besonnen im Rollstuhl auf der Laufbahn, musste bei so manchem Kabinettstückchen von Okocha auch schmunzeln, während hinter ihm auf der Promi-Tribüne Bernd Hölzenbein, Klaus Gerster oder auch Axel Hellmann applaudierten.

Am Ende spiegelte auch das Ergebnis von 8:8 die Harmonie und den Zusammenhalt wider, der gestern alle bewegte, wobei das Spiel nur eine schöne Nebensache war. »Es ist total beeindruckend, dass so viele Menschen hier her gekommen sind, um Dietmar Roth in dieser schwierigen Phase zu helfen, schwärmte auch Rudi Völler, der natürlich weiß, dass die Reha-Maßnahmen für dessen Familie zur schwer finanzieren sind. Nun ist die Erleichterung erst einmal groß

Im Legenden-Team der Eintracht standen: Oka Nikolov, Thomas Ernst; Thomas Sobotzik, Ervin Skela, Jay Jay Okocha, Thomas Müller, Rudi Bommer, Matthias Dworschak, Andy Möller, Lars Weißenfeldt Volker Münn, Slobodan Komljenovic, Edgar Schmitt, Uwe Bindewald, Patrick Glöckner, Alex Schur, Manfred Binz.

Bundesliga-Auswahl: Klaus Reitmeier, Bernd Archinal, Klaus Fischer, Samy Sane, Frank Mill, Matthias Herget, Dieter Eilts, »Icke« Hässler, Martin Groth, Pierre Littbarski, Stefan Beinlich, Guido Buchwald, Thomas Helmer, Paul Janke, Karl-Heinz Plippsen, Lothar Sippel, Norbert Nachtweih.

Tore: 1:0 Uwe Müller, 2:0 Jay Jay Okocha, 3:0 Ralf Weber, 3:1 »Icke« Hässler, 3:2 Hässler, 4:2 Okocha, 4:3 Odonkor, Paul Janke, 4:5 Odonkor, 5:5 Gaudino, 5:6 Odonkor, 6:6 Glöckner, 6:7 Janke, 7:7 Okocha, 8:7 Uwe Müller, 8:8 Stefan Beinlich. – Zuschauer: 4000. - Schiedsrichter: Lutz Wagner.

Michael Humboldt

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