08. März 2012, 13:18 Uhr

Thorsten Bastian will Rainer Dreut beerben

Beim Kreisfußballtag in Ockstadt wird der Kreisfußballwart nach 28 Jahren sein Amt übergeben. Der Nachfolger hat eine große Vergangenheit.
08. März 2012, 13:18 Uhr
Thorsten Bastian. (Foto: ub)

Könnte sein, dass in ferner Vergangenheit auch an der WZ-Sportredaktion einiges vorbei gelaufen ist. Dass da ein Mann, der beim Champions League-Finale als Schiedsrichter-Assistent von Hellmut Krug in Amsterdam die Profis von Real Madrid und Inter Mailand gemaßregelt hat, abends beim Bankett Ministerpräsidenten die Hände schüttelte, am nächsten Tag ins beschauliche Oppershofen zurückkehrte, ohne dass die Heimatzeitung davon wusste. »Ich wollte das alles nicht so hoch hängen. Das war schon in Ordnung, dass das hier nicht so breit getreten wurde«, sagt Thorsten Bastian, der am morgigen Freitag beim Kreisfußballtag in Ockstadt ein Amt übernehmen will, das man eigentlich nur mit einem in Verbindung bringt: Rainer Dreut. 28 Jahre lang stand der Nieder-Weiseler an der Spitze des Kreisfußballausschusses – nun soll er Ehrenkreisfußballwart werden. »Allerdings ohne Anspruch auf einen Ehrensold«, betont sein designierter Nachfolger augenzwinkernd.

Dass sich Thorsten Bastian bei der Wahl einer großen Stimmen-Mehrheit sicher sein kann, gilt als abgemacht. »Aber in einer Demokratie ist es ja immer auch möglich, dass einer aufsteht und die Wähler in seinen Bann zieht«, weiß der 47-Jährige, der sich aber jetzt schon sicher ist, »dass die Friedberger Fußballer mich nicht 28 Jahre lang aushalten müssen«.

Dennoch wird Rainer Dreut am Samstag wohl erst einmal einen großen Korb mit Unterlagen nach Oppershofen bringen, damit Thorsten Bastian seine Arbeit aufnehmen kann. Freilich mit der berechtigten Hoffnung, dass ihm der Ehrenkreisfußballwart als Schattenfigur im Hintergrund weiterhin mit Rat und Tat zur Seite steht. Denn im Gegensatz zu Dreut steht Thorsten Bastian in der Verwaltung der Frankfurter Staatsanwaltschaft mitten im Berufsleben und bildet zudem mit seiner Frau Carola und den Kindern Jan Philipp und Johanna sowie der Katze Kiki »die Familie Bastian aus Oppershofen«, die gleichfalls ihre Zeit einfordert.

Andererseits sind er und seine Liebsten die ehrenamtliche Zusatzbelastung seit 25 Jahren gewohnt. Schließlich hat Thorsten Bastian acht Jahre lang als Kreisschiedsrichterobmann in Frankfurt gewirkt, engagierte sich nach Beendigung seiner internationalen und nationalen Schiedsrichter-Laufbahn beim DFB in der Kommission »Prävention und Sicherheit«, zu der die Aufsicht bei Bundesligaspielen gehört. Heute noch fungiert er als Stellvertretender Vorsitzender des höchsten erstinstanzlichen Sportgerichts des Hessischen Fußball-Verbandes, ist Vorsitzender des Regionalsportgerichts Frankfurt und Klassenleiter der Kreisliga A Friedberg.

Wahrscheinlich hätte Thorsten Bastian im Bereich des DFB an viel höherer Stelle Karriere machen können. »Aber nun bin ich froh, dass das Herumreisen auch mal aufhört. Ich habe doch alles erlebt und bin hochzufrieden, wenn ich eine so interessante Position auf Kreisebene übernehmen darf.«

Eigentlich ist Bastian ja ein »echter Frankfurter Bub« und pfeift noch heute als Mitglied für die Eintracht, der er natürlich nichts sehnlichster wünscht als den Aufstieg. Seine ersten fußballerischen Schritte hat er in der Jugendabteilung des ESV Blau-Gold Frankfurt gemacht, ehe er als Schiedsrichter Spiele bis zur Regionalliga leiten durfte. Als Schiedsrichter-Assistent erlebte er dann zehn Jahre den ganz großen Fußball hautnah mit, war bei knapp 100 Spielen der 1. Bundesliga und »nicht gezählten Einsätzen in Liga 2« dabei. Zusätzlich stand er fünf Jahre als Assistent auf der Liste der Fifa und durfte bei über 40 internationalen Einsätzen »die schönsten Stadien in Europa kennenlernen«. Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählt er die Leitung des türkischen Pokalspiels zwischen Galatasaray und Fenerbace Istanbul mit den Assistenten Stefan Trautmann und Torsten Weber 1997 im Frankfurter Waldstadion.

Bei der erwarteten Arbeit als Kreisfußballwart steht für ihn zunächst einmal der elektronische Spielbericht ganz oben auf der Agenda. »Vereine und Schiedsrichter müssen mit diesem neuen Medium vertraut gemacht werden«, erklärt er. »In naher Zukunft wird zudem die Vorgabe des Verbandes mit 16er-Ligen umzusetzen sein.« Thorsten Bastian ist also motiviert und bereit für die neuen Herausforderungen und hat sich übrigens für morgen in Ockstadt auch schon eine schöne Überraschung für Rainer Dreut ausgedacht.

Michael Humboldt



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