23. Juli 2015, 17:03 Uhr

Mikayil Kabaca macht das Hobby zum Beruf

(mn) Mikayil Kabaca ist eine Fußball-Institution in Bornheim. Von 1992 bis 2005 hat der 38-Jährige für den FSV Frankfurt gespielt, und seit 2008 ist er Team-Manager beim Zweitligisten. »Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen«, sagt der Butzbacher. Vorm Saisonstart gegen spricht der FSV-Ehrenspielführer mit der WZ-Redaktion.
23. Juli 2015, 17:03 Uhr
Mikayil Kabaca aus Butzbach ist seit 2008 Team-Manager beim Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt. (Foto: Red)

Das Handy vibriert auf dem Schreibtisch. Fast im Fünf-Minuten-Takt. Den gesamten Tag über. Anrufe, Kurznachrichten, Mails - Kabaca kommuniziert auf allen Kanälen. Er kümmert sich um Verträge, Spielberechtigungen, Gastspieler, Termine mit der Ausländerbehörde, der Botschaft, in der Sprachschule, mit Immobilien-Maklern und Hoteliers. Der Deutsch-Türke verantwortet beim FSV Frankfurt alles, was unmittelbar mit der Mannschaft zu tun hat. Und seit der Freistellung von Uwe Stöver, dem Geschäftsführer Sport, um noch ein bisschen mehr. »In einem kleinen Verein muss jeder an der Leistungsgrenze arbeiten, um konkurrenzfähig zu bleiben«, sagt Kabaca. Mit der Freistellung von Stöver habe er einen Vorgesetzten, »von dem ich vieles lernen konnte«, aber auch einen Freund verloren. Im Mai, die Schwarz-Blauen waren nach zwischenzeitlichen sportlichen Hoch überraschend noch in den Abstiegskampf verwickelt, waren personelle Konsequenzen beim Deutschen Amateurmeister von 1972 gezogen, war Stöver freigestellt worden. Der Klassenerhalt konnte am letzten Spieltag gesichert werden. »Das ist brutal an die Nerven gegangen. Als Spieler kannst du eingreifen. Wenn du nur zuschauen, aber nicht direkt Einfluss nehmen kannst, ist das mental extrem belastend. Das schüttelt man auch nicht einfach ab. Letztlich sind wir aber drin geblieben – nur das zählt.«

458 Spiele im Nachwuchs- und Aktivenbereich hatte Kabaca einst für den FSV Frankfurt absolviert, fast sein gesamtes aktives Fußballerleben im Stadtteil Bornheim verbracht. Über die Stationen Aschaffenburg, Fernwald und Fulda führte sein Weg drei Jahre nach seinem Abschied wieder zurück in den Schatten der A 661. An den Schreibtisch statt in die Kabine.

In der Künstleragentur vom damaligen FSV-Geschäftsführer Bernd Reisig war Kabaca während seiner aktiven Zeit zum Bürokaufmann ausgebildet worden, beim damaligen Zweitliga-Aufsteiger wurde er als Nachfolger von Thomas Ernst (einst Eintracht Frankfurt, später VfL Bochum) dann mit administrativen Aufgaben betraut. »Learning by doing«, lacht der gebürtige Bad Nauheimer heute. Die Redewendung »Mädchen für alles« dürfte seiner Arbeitsplatzbeschreibung am nächsten kommen.

Die sportliche Kompetenz Kabacas wird im Scouting geschätzt. Regelmäßig schaut er sich in den Stadion und auf den Plätzen der der 3. Liga, der Regionalligen und auch im europäischen Ausland um. Das galt bereits zu Zeiten von Hans-Jürgen Boysen und Benno Möhlmann, und erst recht bei Trainer Tomas Oral. Mit Oral und dessen Assistent Bernd Winter hatte er zwischen 2004 und 2006 gemeinsam auf dem Feld gestanden, eine im deutschen Fußball sicherlich seltene Konstellation.

Kabaca ist bodenständig. Die Wetterau, seine Heimat, hat er nie verlassen. In Butzbach lebt er mit seiner Frau Melek, seinem achtjährigen Sohn Josef und seiner vier Jahre alten Tochter Celine. »Man soll nie nie sagen. Aber aktuell kann ich mir nichts anderes vorstellen. Der FSV ist mein Verein«, sagt der frühere Mittelfeldspieler, der selbst die Frage nach dem geistigen Ausgleich schmunzelnd mit dem Wort »Fußball« beantwortet. »Wenn ich auf dem Trainingsgelände stehe, an der Luft bin und den Jungs zuschauen kann – dann ist das mein Ausgleich.«

Unsere Redaktion hat Mikayil Kabaca zum Abschluss seines Zwölf-Stunden-Tages getroffen. Der Team-Manager sprach dabei über

. . . Abstiegsängste: »Ein Abstieg hätte uns zurückgeworfen. Wir als FSV-Familie haben in dieser Zeit zusammengehalten. Auch die Kollegen von der Geschäftsstelle haben demonstrativ dem Team den Rücken gestärkt. Wir haben nicht die Rücklagen und nicht die Fan-Basis anderer Vereine, aber wir hätten auch diese Hürde genommen. Die Vergangenheit hat gezeigt, wozu der FSV in der Lage ist.«

. . . das Saisonziel: »Ich denke, eine realistische Einschätzung ist erst nach zehn, zwölf Spielen möglich. Dann weiß man, wo man steht. Im Vorjahr hatten wir großes Verletzungspech, die Saison entwickelte sich zu einer Nervenprobe. Ich hoffe, wir bleiben in diesem Jahr verschont und wünsche mir eine ruhige Saison. Und diese hätten wir, wenn wir möglichst schnell die 40-Punkte-Marke erreichen können.«

. . . das maximal Erreichbare: »Wenn man schnell zu einer Einheit findet, ist alles möglich. Das hat das Beispiel Darmstadt im Vorjahr gezeigt. Intern muss das Klima stimmen. Jeder muss für jeden da sein. Das gilt auch im Mitarbeiterstab.«

. . . das Wunder von Darmstadt: »Das verdient meinen absoluten Respekt. Wer darauf gewettet hätte, hätte sehr viel Geld verdienen können. Aber gerade das ist doch das Schöne am Fußball. Alles ist möglich.«

. . . den großen Nachbarn Eintracht Frankfurt: »Ich sehe die Eintracht als großen Bruder an. Wir bestreiten auch jährlich ein Testspiel gegeneinander. So etwas wäre vor wenigen Jahren noch nicht möglich gewesen. Trotz der Eintracht und der Fußball-Bundesliga gelingt es uns, unseren Zuschauerschnitt nach oben zu schrauben. Man darf nicht vergessen: Wir haben noch vor gut zehn Jahren in der Oberliga vor 300 Zuschauern gespielt. Da fehlt uns eine Fan-Generation. Das ist ein Entwicklungsprozess.«

. . . die regelmäßige Fluktuation im Kader: »Das ist nunmal der FSV und ein saurer Apfel, in den ein Klub unsere Größenordnung und mit unserer Finanzkraft eben beißen muss. Wir holen teils Spieler aus der dritten und vierten Liga, die sich bei uns entwickeln und in den Fokus höherklassiger Klubs spielen. Oft stoßen Zugänge als Leihgabe zu uns, machen den nächsten Schritt und kehren zu ihrem eigentlichen Klub zurück. Dennoch haben wir - was die Transferpolitik angeht - eine gute Quote.«

. . . das Kribbeln vor dem ersten Spiel: »Noch geht’s. Wenn wir aber am Freitag im Teamhotel eingecheckt haben und den Abend zusammen verbringen werden, dann wird man sich bewusst, dass es losgeht. Und die Liga ist in diesem Jahr unheimlich interressant. Eine klassische graue Maus gibt es nicht. Stattdessen sind Arminia Bielefeld und der MSV Duisburg zurück. Das sind Klubs mit großer Tradition, mit denen wir uns messen.«

. . . .die DFL-Pläne, Bundesligaspiele auch auf den frühen Sonntagnachmittag und den Montagabend zu verlegen: »Die Amateurklubs würde das extrem treffen, keine Frage. Die haben es schwer, mit der Bundesliga zu konkurrieren. Rein wirtschaftlich betrachtet, ist das Ansinnen der DFL aber verständlich.«



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