22. Juni 2015, 11:13 Uhr

Kreisliga C: Aufbruch am Tiefpunkt

(mn) Kreisliga C. Sportlich unten. Im Fußballkreis Friedberg wurde ausgesiebt. Eine neue Spielklasse wird eingeführt. Den Kreis von 26 Reserven ergänzen in der C-Liga die Erstmannschaften von Emekspor Friedberg, Blau-Weiß Espa, TSV Rödgen, SV Echzell und vom SV Ossenheim. Sie begreifen die neue Situation als Chance.
22. Juni 2015, 11:13 Uhr
Künftig in der C-Liga: Igor Beierbach mit dem TSV Rödgen (vorne) und Thorsten Rühl von Blau-Weiß Espa. (Foto: Nicole Merz)

Welcher Erstmannschaftsspieler ist bereit, in der C-Liga fast wöchentlich gegen Reservemannschaften zu kicken? Werden die Zweitmannschaften die Saison personell überhaupt durchstehen, oder drohen Spielabsagen? Und: Welchen Zuschauer können solche Spiele überhaupt noch auf den Sportplatz locken? Die Ligareform im Fußballkreis Friedberg wird von zahlreichen Fragen begleitet. »Die C-Liga ist eine volletablierte Klasse«, sagt Harald Vorndran, der Regionalbeauftragte des Hessischen Fußball-Verbandes, im Gespräch mit der WZ-Sportredaktion und lässt seinen Blick in den Hochtaunuskreis schweifen. Dort wurde - zu Zeiten als Vorndran noch im dortigen Kreisfußballausschuss mitgewirkt hatte - die C-Klasse installiert und sei schließlich noch immer ein fester Bestandteil der Struktur. »Man muss nur einmal den Schwund beleuchten. Ein Spielbetrieb der Reserven in Konkurrenz ist in Zukunft unerlässlich. Und angesichts der Masse an Mannschaften muss aktuell in zwei Klassen unterschieden werden«, sagt Vorndran, der die Reform im Kreis Friedberg zusammen mit Fußballwart Thorsten Bastian im letzten Sommer angestoßen und auch vorangetrieben hat.

Ausnahmeregelungen - einst drei B-Ligen, kleine Reserverunden, unterschiedliche Aufstiegsregelungen - wollte der Verbandsspielausschuss nicht mehr länger genehmigen - neue Wege mussten gefunden werden. »Ich bin überzeugt, dass mit der C-Liga ein tragbares Konstrukt gefunden worden ist«, sagt Vorndran.

Die Notwendig- und Sinnhaftigkeit der Reform sei von den Vereinen und ihren Spielern erkannt worden, berichtet er von den Reaktionen im Laufe der vergangenen Saison als unzählige zweistellige Ergebnisse für Missmut gesorgt hatten. »Natürlich war keiner begeistert, aber die meisten Kritiker konnten die Gründe nachvollziehen und sind sachlich mit dem Thema umgegangen«, schildert er seine Eindrücke. Schon im Vorfeld seien alternative Vorschläge, um die die Vereine mehrfach gebeten worden seien, ausgeblieben.

Jetzt, da die sportlichen Entscheidungen gefallen sind, da die Staffeln eingeteilt sind, hat sich die WZ-Sportredaktion bei den Funktionären derjenigen Klubs umgehört, deren Erstmannschaften künftig in der Kreisliga C gegen den Ball treten werden.

Volker Rühl (Vorstandsmitglied Blau-Weiß Espa): »Ich betrachte das ganz entspannt. Wir sind ein kleiner Ort, ein kleiner Verein und müssen sehen, wo wir bleiben, und dass wir den Betrieb aufrechterhalten. Der Abstieg ist für uns jetzt nicht so tragisch. Wir haben unsere Ambitionen schon seit geraumer Zeit unseren Verhältnissen angepasst. Das werden andere Klubs noch lernen müssen. In der C-Liga sehe ich auch eine Chance. Die Mannschaft hat eher die Möglichkeit, zu gewinnen, vorne mitzuspielen. Wir haben junge Leute im Verein, die Spaß am Fußball haben, die spielen wollen. Die guten, ambitionierten Kicker haben uns ohnehin schon verlassen und sich benachbarten Klubs angeschlossen, die ein oder zwei Klassen höher spielen. An den Zuschauerzahlen wird sich auch nichts verändern. Im Vorjahr hatte auch ein Derby gegen Ostheim II hier keinerlei Auswirkungen gehabt. Die, die immer da waren, werden auch weiterhin kommen; egal, ob’s gegen eine erste Mannschaft oder eine Reserve geht.«

Erol Özcan (Vorstandsmitglied Emekspor Friedberg): »Die Aussicht, künftig in der C-Liga spielen zu müssen, drückt enorm auf die Stimmung. Einige Spieler hatten überlegt, uns zu verlassen. Wir konnten sie aber überzeugen, bei Emekspor zu bleiben. Danach sieht es zumindest aus. Spiele gegen Reservemannschaften machen keinen Spaß. Gerade in der Rückrunde haben die Gegner ihren Kader oft mit Altherrenspielern auffüllen müssen. Auch die Schiedsrichterleistungen werden in einer C-Liga sicher nicht besser. Und bei so vielen Reserven in der Liga kann man auch nie sicher sein, ob alle Mannschaften, die die Saison angefangen haben, die Runde auch beenden werden. Wenn wir als C-Ligist Spieler ansprechen, stoßen wir schnell auf Ablehnung. In der C-Liga will keiner spielen. Wir bei Emekspor setzen auf Freundschaft, Kameradschaft, Zusammenhalt und hoffen, so schnell wie möglich aus dieser Liga herauszukommen.«

Sören Marx (Pressesprecher TSV Rödgen): »Wir wollten den Abstieg in die C-Liga unbedingt verhindern und hatten uns am letzten Spieltag auch darauf eingelassen, sonntags zu spielen, um eine Entscheidung über den B-Liga-Erhalt beziehungsweise den Abstieg über eine sportliche Schiene zu finden. Leider hat es nicht gereicht. Mittlerweile, das muss ich aber auch feststellen, ist die Depression einer gewissen Vorfreude gewichen. Die Mannschaft hat das Potenzial für eine gute Saison, um oben mitzuspielen. Das Wichtigste: Wir können weiter eine zweite Mannschaft melden. Ohne die Möglichkeit, eine Reserve spielen zu lassen, auf die wir bei Bedarf zurückgreifen können, wäre die kontinuierliche Entwicklung der vergangenen Jahre vernichtet worden.«

Jose Burgos (Pressesprecher Blau-Gelb Friedberg): »Wir hatten einen Hänger, der uns im Kampf um die B-Liga-Qualifikation letztlich das Genick gebrochen hat. Am meisten ärgern wir uns über uns selbst, denn wir hätten es schaffen können. Unser Team wird zusammenbleiben, und wir werden das Beste daraus machen mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Schließlich wird auch in der C-Liga Fußball gespielt. Realitisch gesehen bringen Reservemannschaften als Gäste natürlich überhaupt keine Zuschauer mit. Zuschauerzahlen spielen aber auch in der B-Liga nur eine untergeordnete Rolle.«

Lars Billasch (Spielausschussmitglied SV Echzell): »Unsere Zukunft in der C-Liga war schon nach Ablauf der Vorrunde abzusehen. Wir hatten also lange genug Zeit, uns darauf einzustellen. Unser Ziel ist es, viele Ehemalige zurückzuholen, die nicht auf die Spielklasse schauen. Und das ist uns beispielsweise bei Fabian Schubert, Dominik Ginter, Stefan Seibert und Dennis Elfes auch gelungen. Von unserem Stamm, der eine ordentliche Rückrunde gespielt hat, wird uns voraussichtlich nur ein Spieler verlassen. Die Kameradschaft ist trotz des Abstiegs intakt. Der Aufstieg ist eher unrealistisch, aber unter die besten Fünf wollen wir schon kommen. Insofern ist der Abstieg kein Untergang, sondern auch eine Chance.«

Alexander Klug (Vorstandsmitglied SV Ossenheim): »Schön ist’s nicht, in der C-Klasse spielen zu müssen. Aber letztlich sind wir auch verdientermaßen abgestiegen, weil wir gegen schlechter platzierte Mannschaften zu viele Punkte liegengelassen haben. Unser Ziel muss es sein, oben mitzuspielen, einen Platz unter den Top Fünf anzustreben. Mit aller Gewalt aufsteigen müssen wir allerdings nicht.«

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