11. Mai 2021, 07:00 Uhr

Fussball

FC Karben: »Rotzlöffel-Truppe« mit Luxusproblem

Der FC Karben geht mit einem Durchschnittsalter von 21,5 Jahren in die Fußball-Gruppenliga-Saison 2021/22. Trainer Stete spricht von einer »Rotzlöffel-Truppe« und hat ein Luxusproblem.
11. Mai 2021, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Trainer Karl Heinz Stete profitiert beim Gruppenligisten FC Karben von der Nachwuchsarbeit des benachbarten KSV. FOTO: NICI MERZ

SV Darmstadt 98, FSV Frankfurt, Viktoria Aschaffenburg, VfR Bürstadt, KSV Hessen Kassel. Fußball-Klubs mit großer Tradition, mit Zweitliga-Vergangenheit. Sie alle waren auf dem Günter-Reutzel-Sportfeld zu Gast. Klein-Karben spielte von 1997 bis 2010 in der damals zeitweise drittklassigen Oberliga Hessen, gewann 2000 gar den Titel. Lang, lang ist das inzwischen her!

Anstelle des KSV betreibt seit 2015 der neugegründete FC den Senioren-Spielbetrieb, profitiert von der Nachwuchsarbeit des benachbarten Karbener SV und stellt mit einem Durchschnittsalter von 21,5 Jahren eine der jüngsten, wenn nicht die jüngste Mannschaft in der Gruppenliga Frankfurt-West. »Eine Rotzlöffel-Truppe«, sagt Karl-Heinz Stete, der Trainer, gleichermaßen liebevoll wie augenzwinkernd. Eine einstellige Position sei das Ziel in der kommenden Saison. Zum Zeitpunkt des Abbruchs der Spielzeit 2020/21 lag sein Team auf Rang elf.

Karl-Heinz Stete geht in seine zweite Spielzeit beim FC Karben. Den FSV Fernwald hatte er zuvor in die Hessenliga geführt, davor hatte der 53-Jährige in Wieseck sein Händchen für den Nachwuchs bewiesen. Rund ein Dutzend Spieler aus dem Jahrgang 2001 hatte er beim FC Karben in der Vorsaison beim Übergang in den Senioren unterstützt, fast ebenso viele Spieler rücken auch diesmal aus der Jugend auf. Von den A- bis zu den C-Junioren spielt der Karbener SV inzwischen in den Nachwuchs-Hessenligen; ein Alleinstellungsmerkmal in der Wetterau. Als »spielstark, schnell und taktisch variabel« bezeichnet Stete diese Generation. »Das sind Jungs, die sich meist über viele Jahre kennen und einfach zusammenbleiben und gemeinsam kicken wollen.« Konkurrenz hin oder her.

Großer Kader

Von einem 35-Mann-Kader spricht Stete - nur für die Gruppenliga. Ein im Amateurfußball ungewohntes Luxusproblem. So könne man auf einem Platz ein Trainingsspiel stattfinden lassen und auf dem Nebenplatz spezifisch trainieren. Dass auch die zweite Mannschaft in der Kreisliga B unter Benjamin Kötter und Michael Albrecht von dieser Quantität profitieren wird; keine Frage, und eine enge Zusammenarbeit ist notwendig. Auch gelte es abzuwarten, wer aufgrund von Studium oder beruflicher Ausbildung vielleicht kürzertrete. Mit Maik Zinnecker ist zugleich der ehemalige U 19-Coach als Assistenztrainer in den Senioren-Bereich aufgerückt. »Das ist für mich von elementarer Bedeutung. Er kennt die Jungs natürlich noch besser als ich.« Der Karbener SV habe die Jugendlichen herangeführt, »jetzt liegt’s an uns, sie weiterzubringen«. Das Vertrauen sei geschaffen worden, der Klub und die Anlage bieten Top-Bedingungen, und an dieser Infrastruktur werde ständig weitergearbeitet.

Konstanz schaffen

In der Vorsaison sei man gerade »ins Rollen gekommen«, als die Saison aufgrund der Coronavirus-Pandemie Ende Oktober abgebrochen werden musste. »Natürlich haben anfangs eine gewisse Naivität und ein jugendlicher Leichtsinn mitgespielt. Da sind auch mal ordentliche Klatschen möglich. Das ist normal. Unsere Aufgabe ist es, Konstanz ins Spiel zu bringen. Und wenn die Jungs einen Lauf haben, ist vieles möglich«, sagt Stete.

Ramil Taitschinov (31 Jahre alt) und Thorsten Wellmann (29), die beiden ältesten Spieler im Kader, werden wohl die Innenverteidigung bilden, im Mittelfeld ziehen Sven Schnierle und Dominik Großmann (27) die Fäden.

Schon jetzt steht der FC Karben dreimal wöchenlich auf dem (Kunst-)Rasen, in Zweier-Gruppen auf zwei Plätzen und abgestimmt mit der Stadt. »Das ist natürlich alles ein bisschen aufwändiger, aber wir versuchen, fußballspezifisches Training anzubieten. Und das sehen die Jungs. Wenn sie mit dem Ball arbeiten können, funkeln ihre Augen. Die, die kommen können, sind mit Freude dabei«, sagt Stete, der als Ausbildungsbeauftragter bei einem Energieversorger den täglichen Umgang mit jungen Leuten kennt. In Karben - dieser Eindruck entsteht - hat er seine sportliche Berufung gefunden. »Ein paar Jährchen« wolle er gerne bleiben. »Wenn uns in dieser Zeit einmal ein Aufstieg gelingen sollte, wäre das eine tolle Sache.« Und bis dahin will er mit der »Rotzlöffel-Truppe« die Konkurrenz aus Neu-Anspach, Seckbach, Friedrichsdorf, Bad Homburg, Beienheim und Dortelweil ärgern.



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