16. April 2015, 15:13 Uhr

Napravnik stehen (fast) alle Türen offen

(mn) DEL oder DEL 2? DNL oder Nordamerika? Nachwuchs- oder Profi-Kader? Julian Napravnik stehen zum Ende der Eishockey-Saison viele Türen offen. Der Ilbenstädter hat mit Mannheim den DNL-Titel verteidigt, er ist Topscorer des Teams und steht im Kader für die U18-WM. Auch in der NHL wird über den 17-Jährigen gesprochen.
16. April 2015, 15:13 Uhr
Deutscher Meister mit den Jungadler Mannheim: Julian Napravnik. (Foto: Michael Ruffler)

Julian Napravnik sitzt am Esstisch seines Vaters Stefan in Assenheim. Bruder Kevin kommt ebenfalls vorbei. Eine eher seltene Runde. Am Vorabend noch hatte der 17-jährige Julian in Köln die Meisterschaft in der Deutschen Nachwuchs-Liga gefeiert, am nächsten Tag geht’s über die Wahlheimat Mannheim nach Füssen, wo Jim Setters die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) auf das Weltmeisterschaft in der Schweiz vorbereitet. In Luzern und Zug spielt die Nationalmannschaft vom heutigen Donnerstag bis zum 26. April um den Klassenerhalt in der A-Gruppe. Russland (morgen), Schweden (Samstag), die Slowakei (Montag) und die Vereinigten Staaten (Dienstag) sind die Vorrundengegner.

Napravnik, einer von acht Spielern aus den Reihen der Jungadler, ist im zweiten Block gesetzt. Es ist die erste Weltmeisterschaft für den gebürtigen Bad Nauheimer; Showbühne und Schaufenster zugleich. Scouts aller Klubs aus der National Hockey League (NHL) werden beim Vergleich der weltbesten Nachwuchsspieler auf der Tribüne sitzen. Die Akte Napravnik ist bereits angelegt. Der Central Scouting Service hat am Wochenende das Ranking für den NHL Entry Draft 2015 veröffentlicht. 370 Spieler umfasst diese Liste der weltweit größten Talente. Napravnik ist auf Position 77 der »internationalen Feldspieler« der beste von vier deutschen Spielern in jenem Pool, aus dem sich die NHL-Klubs Ende Juni »ihre Spieler« herauspicken und die Rechte im Falle eines Wechsels nach Nordamerika sichern. »Jetzt spiele ich erstmal die WM. Und dann sehen wir weiter«, ist Napravnik angesichts seiner sportlichen Zukunft unentschlossen. Einen Wechsel nach Nordamerika in die Junioren-Ligen, wo Talente oft noch viel intensiver als in Europa gefördert werden, sei eine Option; zumal die schulische Ausbildung im Sommer nach der zwölften Klasse enden soll.

Mit drei Jahren hatte Julian Napravnik erstmals auf dem Eis gestanden. Seinem großen Bruder Kevin (im Oberliga-Kader der Löwen Frankfurt), für den er anfangs oft im Tor gestanden hatte, war er schließlich ins Colonel-Knight-Stadion gefolgt, hatte unter Herbert Knihs und Andreas Kilian die ersten Trainingseinheiten absolviert. Mit 42 Tore und 28 Vorlagen für die Roten Teufel Bad Nauheim in der Schüler-Bundesliga hatte Napravnik vor drei Jahren das Interesse der Jungadler geweckt. »Der Wechsel war die absolut richtige Entscheidung. Ich kann das nur empfehlen«, sagt er rückblickend. Mit einem Dutzend Talenten wohnt er im Eishockey-Internat Mannheim. Zweimal wöchentlich wird schon vor der Schule auf dem Eis trainiert. Die Schüler-Mannschaft der Jungadler führte er mit 51 Toren und 30 Vorlagen in 32 Spielen zu Platz zwei der Deutschen Meisterschaft, die er schließlich in den Jahren 2014 und 2015 mit dem DNL-Team feiern konnte. »Ja, im Grunde genommen läuft alles, wie ich mir das erträumt habe.« Schnelligkeit und Torriecher nennt er als seine Stärken, am Positionsspiel und am eigenen Körper, an der Masse, müsse er arbeiten. Bei 1,78 Meter bringt der Flügelstürmer kaum mehr als 70 Kilogramm auf die Waage, zu wenig, um im Senioren-Bereich bestehen zu können.

Der Kontakt zu den Profis der Adler Mannheim, der aufgrund der räumlichen Nähe auf dem Trainingsgelände nahe liegt, sei eher gering. Eine Teilnahme an der Übungseinheit der DEL-Mannschaft, vielleicht als Lob und Ansporn - Fehlanzeige. »Hin und wieder schauen die Trainer aber bei uns vorbei. Und den einen oder anderen Spieler trifft man auch mal im Kraftraum«, sagt Napravnik, der seit drei Jahren von Ex-Profi Frank Fischöder gefördert wird.

Ein Ex-Teufel hat über das Projekt Jungadler den Sprung in den Profi-Bereich geschafft. Marc El-Sayed. Der gebürtige Wetzlarer, der in Bad Nauheim das Eishockeyspielen erlernt hatte, konnte sich über die DNL-Mannschaft für das DEL-Team empfehlen. Heute spielt El-Sayed in Nürnberg. »In gewisser Weise ist das natürlich ein Vorbild«, sagt der 17-Jährige, dessen Mutter Claudia so oft es irgendwie möglich ist, die Spiele ihres Sohnes live verfolgt; jetzt auch in der Schweiz. In der kommenden Saison könnte das schwieriger werden. Einer guten WM könnte eine Einladung nach Nordamerika folgen; der nächste Schritt, um dem großen Traum näherzukommen.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos