03. September 2015, 11:03 Uhr

Marc El-Sayed: Der Traum vom Meistertitel

Es ist das große Ziel, das fast alle Spieler in der Deutschen Eishockey-Liga vereinen dürfte: die Meisterschaft. Zu ihnen gehört auch Marc El-Sayed. Der in Gambach aufgewachsene Stürmer hat über die Bad Nauheimer Jugend und die Jungadler Mannheim den Durchbruch in der DEL geschafft. Nun geht der 24-Jährige bei den Thomas Sabo Ice Tigers in seine zweite Saison. Wir haben Marc El-Sayed in Nürnberg getroffen.
03. September 2015, 11:03 Uhr

Die Lust, die Motivation, mittlerweile vielleicht sogar eine große Portion Hingabe für seinen Sport und die Verwirklichung des großen Ziels zieht Marc El-Sayed aus einem ganz bestimmten Erlebnis. der verspielten Meisterschaft mit den Adler Mannheim vor drei Jahren. Die »Süddeutsche Zeitung« schrieb damals über jenes Spiel, welches die Serie zugunsten des Kontrahenten aus Berlin kippen ließ: »Spiel vier des Eishockeyfinales 2012 war ein Spiel, von dem alle Beteiligten noch in 30 Jahren sprechen werden; das eine selten gesehene Dramatik, Intensität und Absurdität vorführte und damit den Ruf dieser Finalserie zementierte, eine der Besten in der Geschichte der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zu sein.« In jenem Spiel vier hatte Mannheim Matchball und traf in der 46. Minute zur 5:2-Führung. Die Meisterschaft schien entschieden. Doch Berlin kam zurück, gewann nach Verlängerung, siegte auch in der entscheidenden fünften Partie und war Meister. El-Sayed und Mannheim blieben nur Rang zwei. »Daran hatte ich lange zu knabbern«, sagt er heute. Er kenne nun das Gefühl einer sehr schmerzvollen Niederlage. »Das möchte ich nicht noch mal haben.«

Die Zeit in Mannheim bleibt für immer in Marc El-Sayeds Herzen. Als 15-Jähriger ging er von Bad Nauheim aus in die Kurpfalz, besuchte das Internat dort, feierte zwei Meisterschaften in der Deutschen Nachwuchs-Liga, spielte bei U18- und U20-Weltmeisterschaften und debütierte in der DEL. Die Grundlagen dafür waren in Bad Nauheim gelegt worden; in der Laufschule der Roten Teufel, später bis hin zur Jugend-Bundesliga unter RT-Trainergrößen wie Thomas Barczikowski, »Pilo« Knihs und Marcus Jehner.

Die Gegenwart lautet nun Nürnberg. Mit seiner Verlobten Carolin Scherer und dem gemeinsamen Hund Amy wohnt er am Stadtrand in einer kleinen Wohnung mit Garten. In zehn Minuten ist er in die Stadtmitte geradelt, zum Stadion am anderen Ende der Franken-Metropole plant er 45 Minuten ein. Scherer begleitet den 24-Jährigen auf seinem sportlichen Weg, hat wie El-Sayed schon zweimal den Wohnort – und für sie damit auch die Universität – gewechselt. Die Hochzeitspläne laufen auf Hochtouren, und nebenbei absolviert auch El-Sayed ein auf Leistungssportler abgestimmtes Studium. Sein Ziel dort: den Bachelor in Sportmanagement. »Im Sommer mache ich natürlich mehr. Aber es lässt sich gut vereinbaren. Wir sind wie eine Klasse, ein paar Fußballer und auch Teamkollegen von mir sind dabei«, erzählt El-Sayed, dessen Großvater aus Ägypten stammt.

Herz schlägt mit den Teufeln

Auch sportlich habe es von Anfang an bei den Ice Tigers gepasst. Zwar sagt er, in seiner ersten Saison in Franken »kein optimales Jahr« gehabt zu haben. Doch das habe natürlich auch den Ehrgeiz in ihm geweckt. »Ich möchte in dieser Saison erfolgreicher sein. Ich habe mich eingelebt und sicherlich das Potenzial, noch stärker zu spielen.« In der Vorbereitung durfte El-Sayed in der dritten Reihe spielen, auch in Unterzahl bekommt er Eiszeit. Für die Ice Tigers lief es bei drei Turnieren fast optimal, nach Rang zwei in Straubing gewannen die Nürnberger die Cups in Bietigheim und zuletzt in eigener Halle. Am Sonntag kommen die Tigers zum Gastspiel nach Frankfurt, die Löwen sind Kooperationspartner des DEL-Klubs. Dass sich der Verein für die Playoffs qualifizieren möchte, steht außer Frage. Und dann sei alles möglich, sagt El-Sayed. »Nächstes Jahr im April das letzte Saisonspiel gewinnen, wäre eine optimale Sache.« Im vergangenen Jahr war nach den überstandenen Pre-Playoffs gegen Berlin im Viertelfinale gegen den späteren Meister Adler Mannheim Schluss. »Wir waren im Jahr 2015 in der Hauptrunde das beste Team«, hofft El-Sayed, den Schwung in die kommende Runde mitzunehmen, die am kommenden Freitag beginnt.

Den Kontakt nach Bad Nauheim hält
El-Sayed nach wie vor. Im Sommer war er mit den alten Kumpels Niklas Pietsch, Sven Schlicht und Pierre Wex auf dem Marktplatz unterwegs, auch mit Tim May tauscht er sich regelmäßig aus. »Ich gucke immer, wie die Roten Teufel gespielt haben. Mein Herz schlägt noch mit, ganz klar. Meine Familie ist regelmäßig im Stadion«, erzählt El-Sayed. Seine Verbundenheit zur Wetterau ist groß, »ich möchte irgendwann wieder in Gambach wohnen«. Aktuell zählt für El-Sayed das sportliche Vorankommen in Nürnberg – um das Trauma von 2012 endgültig zu vergessen. Michael Wiener

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Ein Interview mit 27 Fragen finden Sie in unserer Ausgabe vom 2. September.

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