26. November 2012, 19:53 Uhr

Kurz: Meine Zielsetzung hat sich nicht geändert

Entsetzen, Ratlosigkeit, Verdruss - Zukunftsangst: Die Fans des EC Bad Nauheim sorgen sich nach der Kündigung von Geschäftsführer Andreas Ortwein (zum Jahresende) um die Entwicklung beim Eishockey-Oberligisten aus der Wetterau.
26. November 2012, 19:53 Uhr
Von Vorwürfen konfrontiert: Alleingesellschafter Wolfgang Kurz. (Foto: Storch)

Mangelnde Teamfähigkeit, Geringschätzung ehrenamtlicher Tätigkeit und die Inszenierung einer One-Man-Show werden Alleingesellschafter Wolfgang Kurz, der die Rolle des Gegenspielers übernommen hat, seitens der Anhänger unterstellt. WZ-Redakteur Michael Nickolaus hat den 49-jährigen Niederdorfeldener, der die Spielbetriebs GmbH Ende 2006 gegründet hatte, mit den Vorwürfen konfrontiert.

Wolfgang Kurz, sind Sie allmächtig?

Wolfgang Kurz (lacht): Nein. Wie kommen Sie darauf?

Ihre Kritiker werfen Ihnen vor, Eishockey in Bad Nauheim als One-Man-Show zu inszenieren.

Kurz: Das sind Vorwürfe, die eben im Laufe der Zeit gestreut wurden. Ich war derjenige, der in diesem Frühjahr gemeinsam mit Andreas Ortwein die GmbH führen wollte. Wir hätten beide unsere Stärken einsetzen können. Er ist ein Mann der Zahlen, der perspektivisch hätte arbeiten können, ich bin für’s Tagesgeschäft ohnehin vor Ort. Das hätte in meinen Augen Sinn gemacht. Leider wurden meine Vorstellungen nach außen hin anders kommuniziert.

Wie steht die GmbH wirtschaftlich da?

Kurz: Ich habe noch keinen Überblick, weil mir seit August kein Geschäftsführer-Bericht mehr vorgelegt wurde und die Unterlagen bei Andreas Ortwein sind. In meiner Position muss ich mich darauf verlassen, dass der Geschäftsführer seine Sache ordentlich macht.

Fürchten Sie Unregelmäßigkeiten?

Kurz: Darauf gibt es keine Hinweise, und das kann ich mir auch nicht vorstellen. Ich denke, die Entscheidung von Andreas Ortwein hängt einzig mit unseren unterschiedlichen Standpunkten zusammen.

Der Wunsch von Ortwein war es, weitere Gesellschafter ins Boot zu holen. Sie halten aber noch immer sämtliche Anteile an der Spielbetriebs GmbH.

Kurz: Was soll ich den Interessenten denn präsentieren? Seit August liegen mir keine Zahlen mehr vor. Ein potenzieller Gesellschafter möchte wissen, worin er investiert.

Müssen Sie als Gesellschafter nicht in das Zahlenwerk involviert sein?

Kurz: Vor der Saison wurde der Budget-Rahmen abgesteckt. Darüberhinaus habe ich mich rausgehalten; so, wie es vereinbart war.

Haben Sie denn überhaupt Interesse, GmbH-Anteile und Macht abzugeben?

Kurz: Ich bin auf der Suche nach Mitgesellschaftern, und vielleicht bin ich ja auch schon fündig geworden. Es gibt Interessenten, die die Entwicklungen genau verfolgen.

Haben Sie sich also an Ihren Teil der Vereinbarung aus dem Frühjahr gehalten?

Kurz: Ja. Der Deal war, dass ich mich aus dem Tagesgeschäft heraushalte. Das habe ich getan.

Der Förderverein »Teufelskreis« hatte - so dessen Darstellung - Interesse bekundet, GmbH-Anteile zu übernehmen, um dem Fan eine Stimme zu geben. Das sei von Ihnen kategorisch abgelehnt worden.

Kurz: Davon ist mir nichts bekannt. Vieles wurde mir doch gar nicht erst zugetragen. Vielleicht wurde das Interesse gegenüber Andreas Ortwein kommuniziert, bei mir ist es nicht angekommen. Das ist nur ein Beispiel von vielen. Ich höre immer wieder, dass ich dieses und jenes über andere gesagt habe. Und ich habe immer wieder angeboten, solche Gerüchte und Unwahrheiten in einem persönlichen Vier-Augen-Gespräch zu klären.

Rene Jackel, der Vorsitzende des Fördervereins, schreibt in einer Stellungnahme, von Ihnen als »Schmarotzer« bezeichnet worden zu sein. Bei der Werbung auf dem Trikot handele es sich um »Gemauschel«?

Kurz: Ich kann mir dieses Urteil überhaupt nicht erlauben, weil ich über die Form der Unterstützung durch den Förderverein nicht informiert bin.

Andreas Ortwein führt auf der offiziellen Homepage an, Bürgschaften und Darlehnen gewährt zu haben.

Kurz: Das ist richtig. Wobei diese Thematik inzwischen schon überholt ist. Anfangs habe ich die Bürgschaft für den ESBG-Spielbetrieb übernommen, als Andreas Ortwein dazukam, hat er dies als Geschäftsführer getan - das war im Jahr 2009. Ein Darlehnen gibt es auch. Das stimmt. Das ist inzwischen im vierstelligen Bereich und wird auch zurückgezahlt. Andreas Ortwein hat genau wie ich, privates Geld in die GmbH gesteckt.

Was hat Ihrer Meinung nach nun das Fass zum Überlaufen gebracht?

Kurz: Ein Konflikt vor etwa drei bis vier Wochen. Der Streit eskalierte, wir haben gespürt, dass wir getrennte Wege gehen müssen. Er hat mir ein Angebot gemacht, die GmbH zu übernehmen, und nach Gesprächen mit meinen Beratern habe ich das ausgeschlagen und ihm gesagt, dass er gehen muss. Daraufhin habe ich keinerlei Reaktion erhalten, bis mir die Trennung am Sonntag per Mail mitgeteilt worden ist.

Haben Sie gleichermaßen eine One-Man-Show von Andreas Ortwein gefürchtet?

Kurz: Dazu möchte ich micht nicht äußern. Und mir geht’s auch nicht darum, dreckige Wäsche zu waschen. Ich möchte Ruhe einkehren lassen.

Fans - und auch Teile der Werbepartner - solidarisieren sich mit Andreas Ortwein. Haben Sie mit einem derartigen Gegenwind gerechnet?

Kurz: Ich bin sehr gefasst, weil ich weiß, dass Andreas Ortwein ein perfekter Redner ist, der mit seiner kommunikativen Art die Leute auf seine Seite zieht. Wer jetzt gegen mich schießt, hilft aber weder einem Andreas Ortwein, noch schadet er mir. Dieser Kurs trifft letztlich nur das Eishockey in Bad Nauheim, den Sport und das Hobby, das wir alle lieben.

Soll mit dieser Kündigung Druck ausgeübt werden, um Sie zum Einlenken zu bewegen? Spielen Sie mit dem Gedanken, die Brocken hinzuwerfen?

Kurz: Nein. Das werde ich ganz sicher nicht.

Die Stimmung ist kontraproduktiv.

Kurz: Als ich im Jahr 2006 angefangen haben, standen wir vor einem Scherbenhaufen. Unsere Bemühungen um ein Sponsoring führte oft zu extremen Reaktionen. Inzwischen wurde vieles aufgearbeitet, der EC Bad Nauheim ist heute eine Institution und hat eine gute Lobby. In der momentanen Situation wird leider alles an Personen festgemacht, obwohl es um die Sache an sich geht.

Wie werden die Aufgaben künftig verteilt?

Kurz: Bis ein neuer Geschäftsführer gefunden ist, werde ich diese Aufgaben übernehmen.

In den Internet-Foren wird die These aufgestellt, die GmbH könne gar nicht mit Gewinn verkauft, sondern nur übertragen werden; sofern Sie die vertraglichen Inhalte nach der Gründung nicht nachträglich geändert hätten.

Kurz: Wer den Vertrag nicht gelesen hat, der sollte sich dazu auch nicht äußern. Richtig ist, dass die Gesellschafter keine Gewinne aus der GmbH herausnehmen dürfen.

Wie wollen Sie denn überhaupt um Mitgesellschafter werben? Verdienen lässt sich in derlei Geschäften bekanntlich nichts.

Kurz: Ein Mitgesellschafter muss den Willen haben, für eine gute Sache geradezustehen.

Allerdings steht der Vorwurf der mangelnden Teamfähigkeit im Raum. Wie definieren Sie diesen Begriff?

Kurz: Ich sehe mich durchaus als teamfähig an. Wer in seinem Bereich ein Fachmann ist, der soll auch sein Ding nach seinen Vorstellungen durchziehen. Ich hänge mich nicht ständig rein, will es heute so und morgen so. Auf diese Weise wurde viel Ärger provoziert. Die Leute sollen die Dinge, in denen sie sich auskennen, so bearbeiten, wie sie es für richtig halten.

Sie hatten in den vergangenen Wochen recht entspannt die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung verfolgen können. Jetzt rücken Sie selbst wieder in den Fokus, müssen mit heftigen Protesten rechnen. Warum tun Sie sich das an?

Kurz: Ich mache das, weil mir die Sache am Herzen liegt. Ende 2006 wurde die GmbH gegründet, damit Eishockey hier nicht den Bach herunter geht. Ich bin mit dem Ziel angetreten, Bad Nauheim in die 2. Bundesliga zu führen. Daran hat sich nichts geändert.

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